Auch Organe arbeiten nach der Uhrzeit

WOHLBEFINDEN – Alles Leben ist Energie. Damit diese im richtigen Fluss bleibt, kann ein Blick auf die „innere Uhr“ helfen.

In der Diskussion um die Zeitumstellung und ihre mögliche Abschaffung wird oft von der „inneren Uhr“ gesprochen. Jeder kennt diesen Begriff, aber was ist wirklich damit gemeint? Der französische Mediziner Julien-Joseph Virey entdeckte im Jahr 1814, dass sich Puls und Blutdruck im Laufe des Tages verändern, und hat dafür das Bild der „inneren Uhr“ geprägt. Im Vorjahr ging der Nobelpreis für Medizin an drei US-Forscher für ihre Erkenntnisse von Funktion und Kontrolle der inneren Uhr.

Es ist bekannt, dass alle Lebewesen einem biologischen Rhythmus unterworfen sind. Damit ist nicht nur gemeint, dass man abends müde wird und wieder aufwacht, sobald es heller wird. Viele Menschen spüren ihre innere Uhr sehr deutlich – etwa das Mittagstief am frühen Nachmittag oder eine verstärkte Verdauungsarbeit in der Früh. Auch ein in den Morgenstunden höherer Blutdruck als etwa am Abend ist bei regelmäßigen Kontrollen gut zu verzeichnen.

Menschliche Zyklen und fließende Lebensenergie

Die Traditionelle Chinesische Medizin (TCM) achtet schon seit Jahrtausenden auf die verschiedenen menschlichen Zyklen. Ihre Lehre der Organuhr ist auf das Wissen gestützt, dass die Lebensenergie (Qi) auf zwölf Organmeridianen durch den menschlichen Körper strömt. Alle zwei Stunden wird ein Organ besonders gut mit Energie versorgt, zwölf Stunden später hat es sein Energietief. Unterstützt man es dabei, kann man damit auch das eigene Wohlbefinden verbessern.

Innere Prozesse laufen rund um die Uhr ab

Von 7 bis 9 Uhr ist es der Magen, der besonders gut arbeitet und nun bereit für ein gutes Frühstück ist. Die Zeit von 9 bis 11 Uhr gehört der Milz. „Die Milz kontrolliert die Blutenergie. Das bedeutet Energie für gute Konzentration, also eine optimale Zeit zum Lernen und Denken“, sagt der Linzer TCM-Arzt und Therapeut Ying Wang. Mittags ist Herz-Zeit, in der man auf jeden Fall etwas pausieren sollte, zwischen 13 und 15 Uhr hat der Dünndarm sein Hoch – und der Mensch sein Mittagstief. Danach arbeitet die Harnblase auf Hochtouren. „Das ist eine gute Zeit, um viel Wasser zu trinken“, sagt Wang. In die „Nierenzeit“ zwischen 17 und 19 Uhr passt ein leichtes Abendessen, da der Magen in den nächsten zwei Stunden sein Energietief hat. Nun sollte man allmählich zur Ruhe kommen und die Zeit, die dem Perikard (Herzbeutel) zugeordnet ist, mit Familie und Freunden genießen. Ab 21 Uhr ist ausruhen angesagt. Der „Dreifache Erwärmer“ aus der chinesischen Organuhr koordiniert Energiekreisläufe untereinander.

Ab 23 Uhr regiert die Gallenblase, die Vitalfunktionen werden gesenkt. „Jetzt ist Zeit zum Schlafen, denn Gallenblase, Leber, Lunge und Dickdarm müssen sich ausruhen“, sagt der TCM-Arzt. Die Leber entgiftet von 1
bis 3 Uhr auf Hochtouren, die Lunge reinigt sich zwischen 3 und 5 Uhr besonders intensiv und braucht dafür einen gut gelüfteten Schlaf­raum.

Blick auf Elemente und Jahreszeiten

TCM-Therapeut Ying Wang empfiehlt seinen Patienten aber vor allem, auf die Jahreszeiten zu achten. In der Traditio­nellen Chinesischen Medizin werden die Jahreszeiten den fünf Elementen Holz, Feuer, Erde, Metall und Wasser zugeordnet. Der Sommer erfährt dabei eine Unterteilung in Hoch- und Spätsommer. Letzterer ist dem Element Erde zugeteilt, wie manchmal alle Übergangszeiten. Den Elementen werden auch Farben, Geschmäcker, Organe und Emotionen zugeteilt (siehe Tabelle unten). „In der Chinesischen Medizin gibt es dazu noch die erwachenden und unterdrückenden Phasen“, sagt Ying Wang mit dem Verweis auf die Komplexität des TCM-Systems. „Alles hängt zusammen.“ Das ist die Klammer, die sich immer darüber setzen lässt. Das klingt einfach – wird aber kompliziert, wenn man es aufschlüsseln und mit westlichem Denken erfassen möchte. „Ja, alles hängt mit dem Universum zusammen“, bestätigt auch Ying Wang. Ein Rat aus dem Mund des Chinesen kommt be­wussten heimischen Konsumenten sehr bekannt vor: „Nicht gegen die Saison essen“, sagt Wang und nennt als Bei­spiel kühlendes Obst wie eine Wassermelone im Winter. Früher sei das kein Thema gewesen, in Zeiten von Tiefkühlware und saisonbefreitem Supermarkt-Sortiment aber sehr wohl. 

„Im Winter soll­ten wir uns mehr um unsere Nieren kümmern, sie sind jetzt empfind­li­cher“, sagt Wang. Das bedeutet nicht nur, sie warm zu halten, sondern auch mindestens zwei gekochte Mahlzeiten pro Tag und viel
Entspannung. Denn Stress und Schlafmangel sind große Feinde der Nie­ren, die in der TCM als Sitz der Lebensenergie gelten.

 

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  • Akupunktur: Fotolia - Björn Wylezich