Bauern sichern die Landschaft

Grüne saftige Wiesen, weidende Kühe, eingebettet in sanfte Hügel und steile Berge. Ein Bild, das ein Gefühl von Idylle, Ursprünglichkeit und Naturnähe zulässt. Und es stimmt ja auch:  Berglandschaften sind schön anzusehen. Abseits der Romantik sind diese Berglandschaften aber für die Landwirte ein Wirtschaftsfaktor, geprägt von harter körperlicher Arbeit mit einem hohen Maß an Idealismus.

Verwaldung: Ein Bild von Raingrub in der Gemeinde Großraming (Steyr-Land) im Vergleich 1950 und 2015.

Arbeit mit Leidenschaft

„Man muss wollen. Und eine Liebe dazu haben“, sagen Bernadette und Andreas Reitner. Die beiden bewirtschaften einen Bergbauernbetrieb in Gaflenz im Bezirk Steyr-Land auf 670 Meter Seehöhe. Während die Bauern im Tal das Grünland etwa vier- bis fünfmal im Sommer mähen, ist das hier heroben aufgrund anderer Boden- und Klimaverhältnisse nur zwei- oder höchstens dreimal möglich. Das heißt, die Erträge sind im Berggebiet deutlich geringer. Gleichzeitig ist aber die Bewirtschaftung ungleich schwerer. Meist sind teure Spezialmaschinen und viel Handarbeit notwendig, um die Arbeit zu erledigen. Trotz Bergbauernförderung liegen die Einkommen unter dem Niveau der Nichtbergbauernbetriebe. Von der Landwirtschaft alleine können die meisten Betriebe in der Gegend aber ohnehin nicht auskommen. Der Großteil der Bauern sind Nebenerwerbsbetriebe, das heißt sie gehen auch einem außerlandwirtschaftlichen Beruf nach. Bernadette und Andreas Reitner arbeiten beide nebenher noch drei Tage in der Woche in anderen Berufen: „Von der Landwirtschaft leben könnten wir. Aber Investitionen wären dann keine möglich und wir könnten den Betrieb nicht weiterentwickeln.“ Außerdem wollen sich die beiden auch einen gewissen Lebensstandard leisten, denn, so And­reas Reitner: „Warum sollen wir nicht auch einmal im Jahr in den Urlaub fahren können?“ Wenn man den beiden zuhört, merkt man: Sie machen ihre Arbeit am Hof gerne. Für die Reitners zählt aber auch die hohe Lebensqualität, die sie hier mit ihren Kindern genießen und sie schätzen den „starken Zusammenhalt am Land“.

Geht die Kuh, kommt der Wald

In Oberösterreich gibt es etwa 15.000 Bergbauern – von rund 26.000 landwirtschaftlichen Betrieben insgesamt. Im Vergleich zu den westlichen Bundesländern wird Oberösterreich zwar nicht vorrangig als Bergbauerngebiet wahrgenommen, dennoch  müssen die Betriebe mit erschwerten Bedingungen wie steilen Flächen oder ungünstigen klimatischen Bedingungen zurecht kommen. Etwa die Hälfte der landwirtschaftlich genutzten Fläche liegt im sogenannten „benachteiligten Gebiet“, was bedeutet, dass es Erschwernisse bei der Bewirtschaftung gibt. Vor allem der südliche Teil des Traunviertels und Teile des Mühlviertels zählen dazu. Für Johanna Miesenberger, Bezirksbäuerin in Freistadt, ist es wichtig, den Betrieben ein ausreichendes Einkommen zu ermöglichen. In ihrer Funktion als Vorsitzende des Bergbauernausschusses der Landwirtschaftskammer setzt sie sich dafür ein.

Weil Ackerbau fruchtbare Böden und gute klimatische Verhältnisse braucht, sind in den Bergregionen vorwiegend Grünland-Betriebe zu finden. Die Verwertung von Grünland setzt wiederum die Haltung von Tieren voraus. Es ist also nicht verwunderlich, dass der Schwerpunkt dieser Betriebe in der Rinder- und Milchviehhaltung liegt.

Wenn Betriebe hier die Bewirtschaftung einstellen, folgt früher oder später die Aufforstung dieser Flächen, oder verkürzt ausgedrückt: Geht die Kuh, kommt der Wald. „Neu anfangen tut hier keiner“, bringt es auch Andreas Reitner auf den Punkt. Er hat selbst die Flächen seines Nachbarn gepachtet, weil ein Teil sonst aufgeforstet geworden wäre. Das weiß auch Regina Aspalter, Bezirksbäuerin von Steyr. Sie bewirtschaftet mit ihrer Familie selbst einen Bergbauernbetrieb in Maria Neustift. Ihr Anliegen ist es, die regionale Land-/Wirtschaft zu stärken, um die Abwanderung zu verhindern.

Landwirtschaft ist Landschaftspflege

Nur die Bewirtschaftung der Flächen gewährleistet den Erhalt der Kulturlandschaft und unseres Lebensraumes. Und das ist nicht nur für den Tourismus von zentraler Bedeutung. Die Abwanderung aus den Bergregionen und die fortschreitende Verwaldung nehmen schon jetzt bedrohliche Ausmaße an.

„Es hängt viel an der Landwirtschaft“, sagt Andreas Reitner. Sie sichert und schafft Arbeitsplätze, z. B. bei Investitionen, aber auch im gesamten vor- und nachgelagerten Bereich von Landmaschinenherstellern bis hin zu Verarbeitungsbetrieben. Nicht zuletzt spielt sie aber auch oft eine zentrale Rolle für den Zusammenhalt in den Landgemeinden. Andreas Reitner: „Wenn ein Bauer geht, gehen drei Leute mit.“

Agrarlandesrat Max Hiegelsberger ist diese Bedeutung bewusst. „Die tägliche Landwirtschaft ist gelebte Landschaftspflege“, zollt er ihnen Res­pekt. Er weiß aber auch, wie wichtig die Unterstützungen für die Bergbauern sind, damit sie weiterhin ihre wertvolle Aufgabe trotz naturbedingter Nachteile erfüllen können. Von den Konsumenten wünscht man sich Verständnis – und dass sie zu heimischen Lebensmitteln greifen, denn auch das sichert Landwirtschaft und damit auch den Erhalt der Kulturlandschaft.

Andreas und Bernadette Reitner sind gerne Bergbauern. Sie arbeiten gerne in und mit der Natur. Ihr täglicher Ansporn ist die nachfolgende Generation. Denn die möchte den Betrieb fortführen.

Konsumentenzeitung Lust aufs Land, 25.08.2015 

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