Bitter und radikal: Die Aronia hat‘s in sich

POWERBEERE – Dunkelviolett bis schwarz ist die kleine Frucht und ähnelt in ihrer Form einem Apfel. Sie ist keine Naschbeere, besticht aber mit ihren inneren Werten.

Noch vor wenigen Jahren war die Beere in Österreich gänzlich unbekannt. Dann versuchten einige Bauern auch hierzulande ihren Anbau. Seither hat die Aronia einen Siegeszug in punkto gesundheitlichem Mehrwert angetreten und bereichert das österreichische Beerenangebot.

Die Aronia heißt auch Apfelbeere und gehört zur Familie der Rosengewächse. Ihren Ursprung hat sie im östlichen Nordamerika. Von dort gelangte die Beere nach Russland, Polen und Mitteleuropa, bis 2001 schließlich in Österreich die ersten Sträucher angepflanzt wurden. Sie spielt zwar auch heute noch eine untergeordnete Rolle im österreichischen Obstbau. Immer mehr Landwirte verschreiben sich aber der Beere und haben sich inzwischen im Verein „Aronia Austria“ zusammengetan.

Der Farbstoff macht‘s

Durch die heurige warme Witterung ist die Ernte der Aroniabeeren großteils bereits abgeschlossen. Wer in die kleine fünf bis zwölf Millimeter große Frucht hineinbeißt, wird nicht sofort von ihr überzeugt sein. Denn ihre harte wachs­artige Schale enthält reichlich Bitterstoffe. Davon sollte man sich aber nicht abhalten lassen. Denn erstens wirken die Bitterstoffe verdauungsfördernd und bremsen den Heißhunger auf Süßes. Und zweitens finden sich in der Aronia­beere eine Menge anderer, überzeugender Inhaltsstoffe. Für den rohen Verzehr sind Aroniabeeren ohnehin nur bedingt geeignet, was auch mit ihrem Blausäuregehalt zu tun hat. Dieser ist aber gering und nach Einschätzung des Max-Rubner-Instituts bei kleinen Porti­onen unbedenklich. Durch Erhitzung reduziert sich der Blausäuregehalt. Als Saft oder anderwärtig verarbeitet, kann er somit auch regelmäßig konsumiert werden. Und das sollte er auch, meinen die Aroniabauern. Aber nicht nur die Aroniabauern sind von der Frucht angetan. Aufgrund ihrer Inhaltsstoffe ist die Aronia Gegenstand vieler wissenschaftlicher Untersuchungen.

Was die Aronia so besonders macht, ist die Farbe, genauer genommen die wasserlöslichen Pflanzenfarbstoffe namens „Anthocyane“. Diese gehören zur Gruppe der Flavonoide und werden zu den sekundären Pflanzenstoffen gezählt. Sie verleihen nicht nur Früchten eine intensive rote, violette oder blaue Färbung, sondern sie entfalten auch positi­ve Wirkungen im menschlichen Körper. So wirken sie antioxidativ und binden freie Radikale, das heißt sie schützen Körperzellen vor Schädigungen. Anthocyane sollen außerdem die Sehvorgänge verbessern, entzündungshemmend und gefäßschützend wirken.

Die Anthocyane kommen im Zellsaft nahezu aller höherer Pflanzen vor – aber eben in unterschiedlichen Mengen. Die Aroniabeere enthält besonders viel davon. Mit 200 bis 1000 Milligramm pro 100 Gramm Frucht rangiert die Aronia weit vorne. Ähnliche Werte erreichen  aus der Beerenfamilie noch die Holunderbeere, etwas darunter liegen Johannis-, Heidel- oder Brombeere. Der Gehalt schwankt aber stark je nach Sorte und Klima. Natürlich liefert die Beere auch Vitamine und Mineralstoffe.

Wer sich auf den fein-herben Geschmack einlässt, dem eröffnen sich die verschiedensten Produkte vom Saft bis zu den getrockneten Beeren. Experimentierfreudige werden mit der violetten Beere auch in der Küche ihre Freude haben.

Wie Aroniasaft hergestellt wird, erfahren Sie hier:

Aronia im Garten selbst gezogen

Die robusten Aroniabeeren können unkompliziert im Garten gezogen werden. Ideale Pflanzperioden sind im März/April oder im Herbst. Der Strauch ist anspruchslos, hat aber gern viel Sonne. „Besonders gut entwickelt sich die Pflanze auf Sonnenhügeln“, weiß Aroniabauer Josef Rogl. Beim Setzen also einen Hügel bzw. einen Damm anlegen und die Aronia dort einpflanzen. Im Hochsommer sporadisch gießen. Die Sträucher werden 1,5 bis zwei Meter hoch. Ein Verschnitt ist erst nach ein paar Jahren notwendig. Die Pflanzen kann man in Gärtnereien oder in diversen Baumärkten oder auch direkt bei Familie Rogl kaufen.

Farbe in der Küche

Anthocyane nennen sich die Farbstoffe der Pflanzen, die zum Beispiel die Aroniabeere dunkelviolett bis schwarz färben. Diese Eigenschaft kann man sich natürlich auch in der Küche zunutze machen. Sowohl die Beeren selbst als auch der daraus gewonnene Saft oder das Pulver geben Speisen eine lila Farbe. So kann man zum Beispiel bunte Desserts zaubern. Zu Ostern kann man die Aronia auch zum Ostereierfärben verwenden und auch Wolle kann damit eingefärbt werden. Aber Achtung: Der Farbstoff hinterlässt natürlich auch auf der Kleidung seine Spuren.

Bildquellen

  • Aronia: Fotolia - Angela Blank