Das nackte Grauen im Hausgarten: Schnecken

Man freut sich über jedes noch so zarte Pflänzchen im Garten, das gedeiht und an eine feine Ernte denken lässt. Doch mit dem Gartenglück kann es schnell vorbei sein, wenn von den Blättern nur mehr löchrige Gerüste übrig sind: Schnecken machen vielen Hobbygärtnern das Leben schwer.

Es geht los, sobald die Temperaturen in Richtung 15 Grad Celsius steigen und die Witterung feuchtwarm ist. Das sind die Bedingungen, unter denen die gefürchteten Schnecken den Hausgarten zu ihrem Paradies erklären und sich dort auf frisches Grün stürzen. Die schleimigen Weichtiere können sich bei für sie idealen Bedingungen zur echten Plage entwickeln.

Spanische Wegschnecke

In unseren Breiten ist es die „Spanische Wegschnecke“, die als Plagegeist Nummer eins fungiert. „Diese Nacktschnecke ist vor Jahrzehnten aus trockenen Gebieten eingeschleppt worden“, weiß Erich Preymann, Direktor des Familienparks „Agrarium“ in Steinerkirchen, der seit Jahren auch Vorträge über eine ökologisch verträgliche Schneckenbekämpfung hält. Ihr ursprünglicher Lebensraum mache die Spanische Wegschnecke im Vergleich zu heimischen Nacktschnecken besonders effizient. So sorgt diese Spezies nicht drei- bis viermal pro Jahr für frische Gelege mit jeweils 200 Eiern, wie es heimische Wegschnecken tun, sondern bis zu sechsmal jährlich für Nachschub mit je bis zu 500 Eiern.

„Die Spanische Wegschnecke kommt aus Gebieten, wo Knappheit herrscht, daher neigt sie auch zum Verteidigen ihres Reviers“, sagt Preymann. Das sei ein Grund, warum heimische Nacktschnecken wie die Rote Wegschnecke und die Schwarze Wegschnecke bereits bedroht sind und unter Naturschutz stehen. „In unserem Ökosystem gibt es kein Gleichgewicht mehr“, kritisiert Erich Preymann. Natürliche Fressfeinde der Schnecken wie etwa Igel, Frösche, Blindschleichen oder Spitzmäuse werden zunehmend weniger. Auch die Schnegel, eine weitere Nacktschneckenart, zählen zu den Fressfeinden der Spanischen Wegschnecke. Schnegel fressen kaum frisches Pflanzengrün. Die selten vorkommenden Tiere sollten Gärtnern also willkommen sein, werden jedoch ob ihrer Größe als noch bedrohlicher wahrgenommen und aus Unwissenheit beseitigt.

Plan der Natur missachtet

„Grundsätzlich sind Schnecken dazu da, Verwesendes und Verfaulendes zu fressen, weniger als ein Zehntel ihrer Nahrung sollte frisches Grün sein. Das ist der Plan der Natur. Die Spanische Wegschnecke aber ernährt sich zur Hälfte von frischen Pflanzen“, erklärt Preymann. Schnecken haben kein Gebiss, sondern eine „Raspelzunge“, weshalb sie junge Pflanzen mit ihren zarten Zellwänden bevorzugen.

Die Spanische Wegschnecke ist eine einjährige Schnecke und nicht frosthart. Daher versuchen sie auch, ihre Eier im Herbst geschützt abzulegen – in Ritzen, Beetkanten, unter Blattstreu oder in Bodenfurchen. Späte Fröste ohne Schneedecke verursachen meist große Schneckenplagen.

Schnecken riechen über 100 Meter

Schnecken können ihre Nahrung im Umkreis von bis zu 100 Metern riechen. Das gilt es auch beim Verwenden von Schneckenkorn zu bedenken. Darin enthaltene Lockstoffe ziehen die Tiere von weitum an. Schneckenkorn hat nicht nur den Nachteil, dass es auch für andere Tiere, etwa Vögel oder Haustiere, und Bodenorganismen giftig ist. Es werden auch die natürlichen Fressfeinde von Schnecken dezimiert, weil diese vergiftete Schneckenkadaver verzehren. „Indem man auch Nützlinge umbringt, dreht sich die Negativspirale immer weiter“, warnt Preymann.

Vor dem Einsatz von chemischen Schneckenbekämpfungsmitteln warnt auch die Umweltberatung. „Diese belasten den Boden und die Gewässer und gefährden auch das Leben von Tier und Mensch im Garten“, heißt es im Infoblatt über ökologische Alternativen. Als mechanische Methoden bieten sich Fallen oder Zäune an. „Am besten ist eine Kombination aus Fang- und Abhaltemethode“, sagt Preymann. Wer stets mit Schnecken zu kämpfen hat, solle darauf achten, seinen Garten nicht mit deren „Leibspeisen“ zu gestalten: Tagetes und Sonnenblumen. Auch Kürbispflanzen frisst die Spanische Wegschnecke sehr gerne.

Um das Schnecken-Thema ranken sich auch viele Mythen. Erich Preymann sieht etwa die im Handel angebotenen Nacktschnecken-Fangzangen sowie diverse Streumittel, über die keine Schnecken kriechen sollen, kritisch. „Letztere können ihre Wirkung nur entfalten, wenn es trocken und staubig ist“, sagt Preymann. Regen oder Gießwasser sind also kontraproduktiv. Auch das Salzen von Schnecken oder diese mit der Schere zu halbieren und liegen zu lassen sei keine gute Lösung.

Ein naturnah gestalteter Garten mit vielen Lebensräumen für Nützlinge und die Kombination verschiedener ökologischer Maßnahmen stellen gemeinsam den Schlüssel zum Erfolg dar, wenn es darum geht, Schnecken aus dem Garten fernzuhalten.

Schnecken bekämpfen: Tipps und Tricks

Vorbeugen ist besser als bekämpfen – das gilt auch für Schnecken im Garten. Tipps und ökologisch verträgliche Maßnahmen:

  • Die Zuwanderung von Schnecken durch einen Schneckenzaun unterbinden. Bereits im Herbst darauf achten, viele Schneckeneier an die Oberfläche zu bekommen.
  • Schnecken sind nachtaktiv und suchen untertags dunkle, feuchte Plätze im Schatten auf: Wer solche Plätze etwa durch das Auflegen von Platten schafft, kann gleich mehrere Schnecken auf einmal entfernen. Auch Gelege sind an solchen Plätzen häufig zu finden.
  • Pflanzen kann man schützen, indem man „Schneckenfutter“ wie Spinat und Kresse dicht in die erste Reihe setzt.
  • Nicht nur Zäune, auch Wasser hält Schnecken ab: Eingegrabene Regenrinnen sind Schutzwall und Vogeltränke zugleich Tagetes und Sonnenblumen nicht im Hausgarten anpflanzen, sie sind bei Schnecken im Gegensatz zu vielen anderen Blumen sehr begehrt.
  • Nützlingen einen schützenden Unterschlupf gewähren. Dafür bieten sich Steinmauern, Feuchtbiotope oder Holzstöße an.
  • Bierfallen gelten als Klassiker in der Schneckenbekämpfung. Allerdings muss man bedenken, dass damit auch die Schnecken aus Nachbars Garten oder außerhalb angelockt werden, aber nicht alle hineinfallen müssen.
  • Regelmäßiges Absammeln von Schnecken ist wirksam. Noch besser ist es, nach Gelegen zu suchen, da man damit gleich Hunderte Eier auf einen Schlag hat.
  • Um den nachtaktiven Tieren abends keine optimalen Feuchtigkeitsverhältnisse zu schaffen, empfiehlt es sich, in der Früh zu gießen. Nur um den Wurzelbereich der Pflanzen gießen, nicht über die gesamte Fläche.

Konsumentenzeitung Lust aufs Land, 7.6.2016

Bildquellen

  • Schnecke: Fotolia - Gina Sanders

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