Der Baum des Jahres will hoch hinaus

AUSGEZEICHNET – Dem Rascheln der Blätter der emporragenden Pappeln zu lauschen kann sich lohnen. Die Kelten meinten aus Pappelblättern Götterstimmen zu vernehmen. Und nicht nur für Da Vinci war Pappelholz von grundlegender Bedeutung. 2018 wurde die Pappel zum Baum des Jahres auserkoren.

Das berühmteste Gemälde der Welt? Wie aus der Pistole geschossen werden viele „Mona Lisa“ antworten. Dass diese schöne Frau auf Pappelholz lächelt, weiß wahrscheinlich nicht mehr jeder. Wie viele andere Ölgemälde der Frührenaissance wurde sie auf eine Papptafel gemalt. 500 Jahre später haben Pappeln nach wie vor vielfältige Einsatzbereiche. Nicht zuletzt sind die zur Familie der Weidengewächse zählenden Bäume von hohem ökologischen Wert. In Österreich heimisch sind Schwarz-, Silber- und Zitterpappel sowie zwei Kreuzungen. Wie in der „Baum des Jahres“-Broschüre vom Kuratorium Wald nachzulesen, sind alle Pappeln sommer­grüne Laubbäume und haben eine aus­ladende Krone. Sie sind typische Pionier­pflanzen, so schnellwüchsig wie keine anderen heimischen Bäume und erreichen bei uns Höhen von bis zu 35 Metern. Als Meister der Fortpflanzung kön­nen sich die zweihäusigen Pappeln – das heißt es gibt männliche und weibliche Pflan­zen – sowohl über Samen als auch über Wurzelbrut vermehren. Mithilfe des Windes wird der massenhaft aufkommende so­genannte Pappelschnee – ein fasriges wei­ßes Knäuel voller winziger Samen – kilometerweit getragen. Die Zitterpappel, auch Espe genannt, ist in Öster­reich am meisten verbreitet. Optisch ist sie durch rundliche stumpfe und gezahnte Blätter erkennbar. Dem langen, abgeflachten Blattstiel ist das typische Zittern dieser Bäume geschuldet. Beson­ders wertvoll sind Zitterpappeln für die Stabilisierung von Gleithängen. Sie sind anspruchslos und besiedeln auch karge Lebensräume bis 1800 Meter Seehöhe.

Zittern um Schwarz- und Silberpappel

Hingegen sind die Schwarz- und Silberpappel an feuchte Böden gebunden. Ganz besonders die Schwarzpappel ist auf die sich schnell verändernden Auenlandschaften angewiesen, das heißt sie benötigt natürliche Störereignisse wie Überschwemmungen. Der drastische Rückgang der Auen führte dazu, dass die Schwarzpappel vom Aussterben bedroht ist und auf der roten Liste steht. Die Auenstrategie 2020+ soll unter anderem der Schwarzpappel wieder zu neuen Lebensräumen verhelfen. Die Silberpappel gilt im Osten als weit verbreitet und ist im Alpengebiet teilweise gefährdet. Sie verträgt auch weniger feuchte Böden und ist aufgrund ihrer kurzen Umtriebs­zeit ein beliebtes Holz in der Forstwirtschaft. Imposante Exemplare findet man etwa in den Donauauen.

Nicht nur Pappe aus Pappeln

Das Holz von Pappeln ist optisch und auch von den technologischen Eigenschaften sehr ähnlich. Es weist einen weißlichen Splint und einen bräunlichen Kern auf. Die Zitterpappel hat hingegen keine Kernfärbung. Das Holz der Schwarzpappel und der Silberpappel gilt als das wertvollste. Jenes der Zitterpappel ist durchgehend gelblich und eines der leichtesten heimischen Laubhölzer.

Pappelholz ist bekannterweise Ausgangsstoff für Zündhölzer, Zahnstocher oder Holzschuhe. Aber auch Einmal-Essbesteck, Snowboards, Skier, Prothesen, gewisse Tischtennisschläger, Schneeschaufeln, Musikinstrumente und Obstkisten werden mithilfe von Pappeln hergestellt, genauso wie Furniere, Sperrholz-, Span- und Faserplatten, Paletten als auch Zellstoff. Auch zur Energieholz­erzeugung werden Pappeln eingesetzt – und nicht zuletzt für Särge.

Für Massivholzmöbel eignet sich das weiche Holz kaum, bei Skulpturenschnitzern ist es wiederum beliebt. Die Eigenschaften des Baums machen ihn eher uninteressant für den kleinen Hausgarten, außer man hat ein großes Anwesen mit breiter Allee als Zufahrt.

Pappeln (lateinisch Populus), so will es die römische Namensgebung, sind dennoch Bäume des Volkes. Die Blätter von Pappeln seien gleichsam wie das Volk ständig in Bewegung und erzeugen so das „hörbare“ Zittern des Laubs. Jedenfalls ein würdiger Baum des Jahres 2018 – den Tänzen der Blätter zu lauschen empfiehlt sich. Schließlich gelten diese Bäume auch als Symbol für Selbstsuche.

Wozu zittern Pappeln?

Damit die Blätter im Kronen­innern mehr Sonnenlicht bekommen, die CO2-Aufnahme verbessert wird und das Gehölz mit weniger Blattmasse auskommt.
Eine evolutionäre Meisterleistung, um Sonnenlicht effizienter in Wachstum umzusetzen.

Baum des Jahres

Seit 1994 zeichnen das Kuratorium Wald und das zuständige Ministerium (BMNT) jährlich einen Baum aus, um die Besonderheiten der jeweiligen Baumart öffentlich hervorzuheben. Viel Wissenswertes findet man in der umfangreichen „Baum des Jahres“-Broschüre unter http://www.himmel.at/2018-die-pappel/.

Bildquellen

  • Große Pappel mit dichter Baumkrone vor weißem Hintergrund: Fotolia - Fotoschlick
  • Pappelschnee: Fotolia - Aleksei Zakirov