Ei, Raupe, Puppe: Erst dann gefällt der Schmetterling

Ein Insekt mit einem Rüssel, vier Flügeln und sechs Beinen: Was so beschrieben nicht gerade verlockend klingt, ist in der Natur betrachtet für die meisten Menschen ein Hingucker und gern gesehen: der Schmetterling mit seiner oftmals schillernden Farbenpracht und seinem Leichtigkeit vermittelnden Flattern. Auch die sprichwörtlichen „Schmetterlinge im Bauch“ stehen für ein Wohlgefühl.

Regionale Artenvielfalt

Oberösterreich ist ein guter Boden für Schmetterlinge: Österreichweit leben etwa 4000 verschiedene Arten von Schmetterlingen, wovon etwa 2800 in Oberösterreich vorkommen. Das Gebiet des Nationalpark Kalkalpen stellt dabei das Zentrum regionaler Artenvielfalt dar. „Mittlerweile sind es 1560 Schmetterlingsarten, die nachgewiesen sind“, sagt Franz Sieghartsleitner vom Nationalpark Kalkalpen. Dafür notwendig sind aber auch aufwändige Forschungen durch verschiedene Experten, die die Biologie der einzelnen Arten kennen und sich etwa an den Fraßspuren von Raupen orientieren, um dann zu wissen, welchen Schmetterlingen sie wo nachspüren können. Die Tatsache, dass der überwiegende Teil der Schmetterlingsarten sich tagsüber versteckt hält und nur in der Nacht flattert, macht das Unterfangen auch nicht einfacher. „Nur 160 der in unserem Bundesland nachgewiesenen Arten sind Tagfalter“, weiß Martin Schwarz vom Biologiezentrum Linz. Tagfalter legen ihre Flügel in Ruhelage nicht an den Körper an, sondern klappen sie über dem Körper zusammen.  Die besondere Vielfalt an Pflanzen und verschiedenen Lebensräumen dieser Region ermöglicht auch Arten, die sonst kaum mehr zu finden sind, das Überleben. Von den Tagfaltern des Nationalparks gelten knapp 40 Prozent bundesweit mehr oder weniger gefährdet. Auch international bietet der Nationalpark einige Vorzeigearten, sieben aktuell noch festgestellte Arten sind durch die EU strengstens geschützt. So ist etwa der Eschen-Scheckenfalter massiv gefährdet. „In Österreich gibt es vielleicht noch drei lokale Vorkommen, im Nationalpark Kalkalpen sind es bislang zwei Standorte, wo er nachgewiesen ist“, so Sieghartsleitner. Auch die Spanische Flagge, der Apollofalter, der Schwarzgefleckte Bläuling und der Skabiosen-Scheckenfalter zählen dazu. In großen Teilen Mitteleuropas verschwunden sind auch Laubwaldfalter wie der Gelbe Hermelin und der Augsburger Bär, der im Nationalpark eines der bedeutendsten Vorkommen in Europa besitzt. Zu den bekanntesten heimischen Arten zählen das Tagpfauenauge, der Zitronenfalter und der Kohlweißling, die man als Tagfalter natürlich auch leichter zu Gesicht bekommt.

Nützlich oder schädlich?

Der Schmetterling gehört zur Gattung der Insekten und ist in erster Linie ein Nützling, denn er bestäubt Pflanzen – so wie Bienen, Hummeln und Wespen auch. Weil ein Schmetterling aber nicht immer Schmetterling ist, sondern seine ersten Lebenswochen als Raupe und damit als sehr gefräßiges Lebewesen verbringt, wird er auch als Schädling angesehen. Raupen, die in Heerscharen antreten und Pflanzen kahlfressen, sieht kein Gärtner oder Bauer gerne. In der Landwirtschaft gefürchtet ist der Kohlweißling, der sich am Gemüse bedient, vor allem – wie sein Name schon sagt – an den Kohlsorten. Ob nützlich oder schädlich hängt beim Schmetterling also auch vom Stadium seiner Metamorphose ab. Nicht zuletzt sind Schmetterlinge auch selbst eine bedeutende Nahrungsquelle für viele Vögel oder Fledermäuse, womit sie sich nahtlos in den Kreislauf der Natur einreihen. Auch wenn er nicht gefressen wird: Die Lebenserwartung eines Schmetterlings ist ohnehin eher gering. Wenige Wochen bis Monate sind es, je nach Art auch bis zu einem Jahr. Tropische Exemplare erfreuen mit ihren noch schillernderen Farben das Auge ihres Betrachters nicht mehr als ein bis fünf Wochen lang. Der Lebenszyklus eines Schmetterlings ist ein wahres Natur-Schauspiel. Vom Ei über die Raupe bis hin zur Puppe und schließlich zum Falter sind seine vier Entwicklungsstadien.

Tropische Exemplare

Wer tropische Exemplare aus nächster Nähe betrachten will, kann das im Schmetterlingshaus in Wien jederzeit tun. Bei Temperaturen zwischen 26 und 35 Grad Celsius und einer Luftfeuchtigkeit von etwa 80 Prozent fühlen sich die Exoten am wohlsten. Auch eine entsprechend exotische Pflanzenwelt trägt dazu bei. Die meisten der dort gezeigten 40 Arten werden in tropischen Schmetterlingsfarmen gezüchtet. Der größte unter ihnen ist der Atlasspinner, dessen Flügelspannweite bis zu 30 Zentimeter beträgt. Schmetterlinge kommen – bis auf die Antarktis – übrigens auf allen Kontinenten vor, weltweit gibt es an die 200.000 Arten. Ursprünglich aus China kommt der Seidenspinner, dessen Raupen sich der Mensch schon früh zunutze gemacht hat: Die „Seidenraupe“ liefert das Rohmaterial der Seide, indem sie einen besonderen Spinnfaden erzeugt, wenn sie sich ihren Kokon bastelt. Dazu werden die fertigen Puppen getötet, der Spinnfaden vorsichtig abgewickelt und gereinigt, ehe er in der Seidenweberei weiterverarbeitet wird.

Fotos: Nationalpark Kalkalpen/E.Weigand

Konsumentenzeitung Lust aufs Land, 25.08.2015

Bildquellen

  • Tagpfauenauge: Nationalpark Kalkalpen/E.Weigand
  • Apollofalter: Nationalpark Kalkalpen/E.Weigand
  • Augsburger Bär: Nationalpark Kalkalpen/E.Weigand
  • Aurorafalter: Nationalpark Kalkalpen/E.Weigand
  • Eschenscheckenfalter: Nationalpark Kalkalpen/E.Weigand
  • Kaisermantel: Nationalpark Kalkalpen/E.Weigand
  • Distelfalter: Nationalpark Kalkalpen/E.Weigand

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