Ein Ass im Ärmel

Seit seinem zehnten Lebensjahr spielt der 78-jährige Otto Gattermeyer aus Sierning Karten. Dazu gebracht haben ihn seine Brüder, die ihn angelernt haben. Von Tarockieren, Herzeln, Rommé über Schnapsen bis hin zu Preferanzen ist die Bandbreite der Spiele, die er beherrscht, groß. „In meiner Jugendzeit haben wir oft im Kaffeehaus gespielt und da gab es am Wochenende mehrere Kartenspielrunden“, erinnert sich Gattermeyer gern an die Zeit zurück. Auch heute noch gibt es eine wöchentliche Tarockrunde, der unter anderem Gisela Landerl angehört. „Mein Mann spielte früher mit seinen Freunden und ich hab immer zugeschaut. Einmal fehlte eine vierte Person und ich sprang ein. Dabei wurde eine Runde mit offenen Karten gespielt und dann musste ich es schon können – eine harte Schule“, erinnert sich Landerl heute mit einem Lächeln im Gesicht an ihre Anfänge zurück.

Keiner verliert gern

Kulinarik darf natürlich auch nicht zu kurz kommen – Essen und Trinken gehört zu solchen Abenden, die oft bis spät in die Nacht dauern, einfach dazu. Auch wenn bei ihrer Runde die Geselligkeit im Vordergund stehe, so werde dabei doch auch um Geld gespielt, „sonst hat das Ganze doch keinen Reiz“, sind sich die beiden einig. Es liegt in der Natur des Menschen, dass man nicht gerne verliert. „Mal gewinnt man, mal verliert man, das Wichtigste ist, dass sich alle gut verstehen und Spaß haben“, erklärt Gattermeyer, was er daran so schätzt. Dabei werden auch ab und zu die Karten zur Seite gelegt und das Spiel unterbrochen, um zu diskutieren, philosophieren oder Geschichten aus dem Alltag zu erzählen. Mit den Kindern und Enkerln wurde früher auch gespielt. „In der Tischlade waren immer Spielkarten. Die Kinder musste man natürlich öfters gewinnen lassen, damit sie die Freude am Spiel nicht verlieren. Gleichzeitig mussten sie aber auch das Verlieren lernen, weil das im Leben öfters auf einen zukommt“, sieht Gattermeyer auch einen pädagogischen Aspekt. Auch wenn beim Tarockieren langfristig gesehen gute Spieler bessere Gewinnchancen haben, so gehört zum Kartenspielen auch immer eine Portion Glück dazu, so wie in vielen Situationen des Lebens.

Konsumentenzeitung Lust aufs Land, 25.11.2014

Bildquellen

  • Karten spielen: Fotolia - Monkey Business

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