Ein Hochfest des Brauchtums

Ostern ist das höchste und wichtigste  Fest der Christenheit – und eines, das einen bunten Strauß an Bräuchen und Traditionen mit sich bringt. Mit der sechseinhalb Wochen dauernden Fastenzeit ab Aschermittwoch beginnt die Ein-
stimmung auf Ostern, die in der abschließenden Karwoche ihrem Höhepunkt zustrebt. Nachfolgend ein Überblick über die wichtigsten Bräuche dieser Zeit:

Palmsonntag

Dieser ist der letzte Sonntag vor Ostern und zugleich der letzte Sonntag in der Fastenzeit. In der katholischen Kirche stehen die in Prozessionen zur Schau getragenen und geweihten Palm­uschen im Gedenken an den Einzug von Jesus Christus in Jerusalem, welchem laut dem Neuen Testament das Volk mit Palmwedeln und Ölzweigen zugewunken hat, im Zentrum.

Gründonnerstag

An diesem Tag feiern die christlichen Kirchen die Fußwaschung und das letzte Abendmahl Jesu Christi mit
den zwölf Jüngern. Vielfach verbreitet ist, an diesem Tag grüne Speisen wie Spinat zu servieren. Das beruht allerdings auf einem Irrtum: Der Name Gründonnerstag lehnt sich nicht an die Farbe an, sondern kommt vom alten Wort „grunen“ (greinen, weinen). Bekannt sind auch noch die Antlass-eier, das sind Eier, die am Gründonnerstag gelegt und am Ostersonntag in der Kirche geweiht wurden. Man bewahrte sie lange auf (etwa direkt unter dem Dach, im Garten vergraben oder im Stall), weil man ihnen den Schutz vor Blitz und Unheil zusprach. Einem alten Volksglauben nach flie-gen am Gründonnerstag die Kirchenglocken nach Rom, daher übernehmen in der Zeit bis zum Karsamstag die Ratschen – hölzerne Gebilde, die beim Drehen ein lautes Geräusch erzeugen – diese Funktion. Meist sind es Kinder, die damit von Haus zu Haus ziehen.

Karfreitag

Ein religiöser Trauertag und zugleich strenger Fasttag, an dem an das Leiden und Sterben von Jesus (15 Uhr gilt als überlieferte Todesstunde) gedacht wird. Er gilt als „stiller Tag“, an dem keine Musik- und Tanzveranstaltungen stattfinden sollten. Zu den religiösen Bräuchen gehören auch Kreuzwegandachten und Karfreitagsprozessionen. In der evangelischen Kirche ist der Karfreitag der höchste Feiertag des Kirchenjahres.

Karsamstag

Er beschließt die österliche Fastenzeit und endet – meist am späteren Abend – mit der Auferstehungsfeier und der Feier der Osternacht in der Kirche. Ein alter Brauch ist auch die Speisenweihe in der Osternacht oder auch während der Messe am Ostersonntag. Fleisch, Brot, Eier, Gebildbrote und andere Köstlichkeiten werden in kleinen Körben mitgebracht und gesegnet, das Ganze wird dann entweder noch bei einer späten Jause in der Osternacht oder vor dem österlichen Frühstück oder Mittagstisch im Kreis der Familie verzehrt. Vielerorts ist es auch üblich, von der Auferstehungsfeier frisch geweihtes Osterwasser und das Osterlicht in einer Laterne mit nach Hause zu nehmen.

Ostersonntag

Kinder können diesen Tag kaum erwarten, denn mit ihm kommt auch der Osterhase, der der Legende nach die Eier bunt bemalt und vor ihnen versteckt. Im Osternest finden sich meist auch noch Süßes und kleine Geschenke. Die gefärbten Eier sind am Ostersonntag auch bereits am meist reich gedeckten Frühstückstisch – zum Essen und davor zum Eierpecken, ein Brauch, der bei Jung und Alt beliebt ist. Das Osterei selbst ist das Sinnbild für Ostern. Das Ei gilt als Symbol für Fruchtbarkeit. Mit Ostern steht es nicht zuletzt dadurch in Verbindung, da einst rund um diese Zeit Bauern ihre „Zinseier“ als Naturalabgabe an die Grundherren abzuliefern hatten. Auch steigerte die früher noch streng genommene Fastenzeit die Freude über Eier, die davor so wie auch Fleisch untersagt waren.

Ostermontag

Dieser ist in Österreich ein gesetzlicher Feiertag. Am Ostermontag stehen oft ausgedehnte Osterspaziergänge und Verwandtenbesuche auf der Tagesordnung. Paten (Godn, Göd) bekommen häufig Besuch von ihren Patenkindern, die sie gerne mit der „Godnsach“ beschenken. Dazu gehören Striezel, Kipferl oder Brezen aus Semmel- oder Briocheteig. Auch gebackene Osterlämmer aus Kuchenteig – oftmals mit Schleife und Glöckchen verziert – sind von den Ostertischen nicht mehr wegzudenken. Schon im Alten Testament spielt das Lamm als Opfertier eine große Rolle, es ist ein Zeichen der Unschuld und weist als Osterlamm auf den unschuldigen Tod von Jesus Christus hin.

Weißer Sonntag

So heißt der erste Sonntag nach Ostern. Der Name kommt vermutlich von den weißen Gewändern, die in der frühchristlichen Kirchen von den in der Osternacht Getauften bis dahin getragen wurden. Der Weiße Sonntag ist vielen auch als „Ahnlsonntag“ bekannt – der Tag, an dem Kinder ihre Großeltern besuchen und von ihnen Ahnlkipferl geschenkt bekommen. Je nach Region ist es auch üblich, die Godnsach am Weißen Sonntag zu verschenken.

„Ostern ist ein wahres Brauchtumsfest“, bestätigt auch Alexander Jalkotzy vom OÖ. Forum Volkskultur. Beim Osterbrauchtum gebe es keine großen regionalen Unterschiede. Als neueren, noch nicht so erbreiteten Brauch nennt Jalkotzy die Osterbäume: Dabei werden Bäume oder Sträucher in privaten oder öffentlichen Plätzen, vermehrt auch vor Kirchen, mit vielen bunten Plastikeiern geschmückt. „Oft sind es Goldhaubengruppen, die solche Bäume gestalten“, so Jalkotzy.

Brauchtum

Ostern ist vom Kalenderdatum her ein bewegliches Fest: Der Ostersonntag fällt stets auf jenen Sonntag, der dem ersten Vollmond nach Frühlingsbeginn folgt. Er kann daher frühestens auf den 22. März und spätestens auf den 25. April fallen.

Konsumentenzeitung Lust aufs Land, 17.03.2015

Bildquellen

  • Osterkorb: Fotolia - BlueOrange Studio

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