Farbe bringt Stimmung ins Eigenheim

Farben bringen Stimmung in den Wohnraum und können fröhlich, beruhigend oder anregend auf den Menschen wirken. So lassen sich ganz gezielt Orte der Ruhe und Entspannung schaffen oder kommunikative Inseln kreieren. Ob natürlich, elegant, kraftvoll oder extravagant – der Einsatz von Farben an der Wand oder in Wohnaccessoires bietet viele Möglichkeiten.

Keine Villa Kunterbunt

Mit Farben wohnen heißt nicht, sich in den eigenen vier Wänden ein möglichst buntes Ambiente zu schaffen. „Man kann sich mit Farben auch überfordern. Drei Farbtöne pro Haus sind schon mehr als genug, sonst wird es zu bunt und unruhig. Im Idealfall soll ein Grundton alles leiten“, sagt Farbdesignerin Ursula Füsselberger aus Ottensheim, die sich seit mehr als zehn Jahren mit Farben und Einrichten beschäftigt. Sie empfiehlt, immer im Farbton zu bleiben und diesen in verschiedenen Nuancen zu verwenden. Sobald sich das Material ändert, kann man auch die Farbe ändern. „Ein Mix zwischen Farben, Formen und Material schafft ein stimmiges Ambiente“, sagt Füsselberger.

Kraft von Farben nicht unterschätzen

Eine Farbe steht immer im Kontext mit anderen Farben und Materialien. Der Trend geht derzeit eher zu kühlen Farben, etwa einem leichten Blau. Türkis etwa ist gerade sehr modern. „Mit Akzenten in Gelb- oder Pinktönen kann ich das kühle Türkis sehr sommerlich wirken lassen“, so die Farbexpertin. Mit Weiß oder Braun lassen sich Blautöne gut kombinieren. Oft rät sie auch dazu, Volltöne in Naturtöne abzuwandeln, indem man sie mit einem Braunton vermischt. „Die Farbe verliert dadurch an Schärfe. Man darf die Kraft von Farben nicht unterschätzen“, warnt die Farbexpertin. Der Wunsch nach Farbe sei oft groß, zu viel davon könne aber auch erdrücken. Es empfiehlt sich eher, nur eine Wand einzufärben und den Rest in farbigen Accessoires abzudecken.

Apropos Trend: Zuerst im Kleiderkasten, dann an der Wand – so simpel ist die Rechnung nicht. Dennoch schaffen es Strömungen, die aus der Mode kommen, mitunter auch in den Wohnbereich. Herr und Frau Österreicher verfügen eher über einen pragmatischen Zugang. „Bei uns haben Trends eine längere Verweildauer. Man richtet nach dem eigenen Geschmack ein und nicht so sehr nach Trends“, sagt Ursula Füsselberger. Im Gegensatz zu unseren Nachbarn: „Die Deutschen orientieren sich viel mehr an dem, was gerade modern ist. Sie gehen weniger nach dem eigenen Gefühl.“

Sich den eigenen Wohnbereich auch nach dem eigenen Geschmack zu gestalten klingt vernünftig. „Farbe im Wohnraum ist immer individuell“, sagt die Ottensheimerin. Farbe beeinflusst den Menschen auch auf allen Ebenen. Wer aber nicht alleine wohnt, muss auch Kompromisse machen. Wichtig sei, sich nicht zu sehr zu verdrehen und sich an seine aktuellen Lebensumstände anzupassen. Denn: „Wohnen heißt leben im Raum“, betont die Einrichtungsexpertin.

Kleine Veränderung, große Wirkung

Es ist nicht nötig, gleich einen ganzen Raum leer zu räumen und neu zu streichen und zu gestalten. Oft schon wirken kleinste Veränderungen Wunder. Wer Wohnaccessoires geschickt einsetzt, kann schon viel bewirken. Ein paar Pölster, ein Teppich, ein Tischtuch oder ein Vorhang in einer kräftigen, klaren Farbe beeinflussen bereits die Atmosphäre eines Raumes. „Dann hat man wieder mehr Freude am Wohnen“, so Füsselberger. Sich Freude am Wohnen zu ermöglichen sehe sie auch als Wertschätzung sich selbst gegenüber.

Ein Deko-Tipp der Farbexpertin: Überlegen, wo der Schwerpunkt eines Raumes ist, und diesen dann wiederholen, am besten auf der gegenüberliegenden Seite. „Wenn ich zum Beispiel eine türkise Wand habe, dann wiederhole ich die Farbe in Gläsern oder einem Tischtuch.“ Wiederholen sich Dekorfarbtöne, wirkt der Raum stimmig. Auch mit Alltagsgegenständen lasse sich gut arbeiten. „Zum Beispiel mit Zitronen oder Limetten gezielt Farbpunkte setzen, auch das ist Dekoration“, sagt Füsselberger. Allerdings sollte man auch nicht übertreiben, vor allem bei kühlen Tönen. „Üppig ist nur Weihnachten, sonst gilt die Regel ‚Weniger ist mehr‘“, so Füsselberger.

Farben und ihr Einfluss

Jede Farbe hat ihre eigene Wirkung auf die Stimmung des Menschen und beeinflusst ihn körperlich und seelisch. Bestimmte Farben werden daher ganz gezielt im Wohnraum eingesetzt:

  • Naturtöne wie zum Beispiel Braun, Ocker oder Siena sorgen für ein natürliches Ambiente und strahlen Gemütlichkeit aus, sie wirken beruhigend und ausgleichend.
  • Rot ist die dynamischste Farbe, sehr kraftvoll und aktivierend. Rot regt physisch und psychisch an.
  • Orange hingegen erzeugt eine heitere Atmosphäre, strahlt Wärme aus und ist eine freundliche Farbe, die Appetit macht.
  • Gelb wirkt belebend und positiv. Orange- und Gelbtöne dominierten lange Zeit die heimischen Wohnzimmer.
  • Der Farbe Grün werden Ausgleich, Ruhe, Sicherheit und Geborgenheit zugesprochen, ebenso die Lust darauf, Neues zu entdecken und kreativ zu sein.
  • Lilafarbtöne stehen für Extravaganz und wirken feierlich, Blau ist die Farbe der Entspannung, der Ausgeglichenheit, Harmonie und Treue.
  • Gut kombinieren lässt sich mit Weiß und Grau.

Konsumentenausgabe, 30.8.2016

Bildquellen

  • Farben: Fotolia - rockpix

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