Gepflegte Landschaft bewahren

Zigarettenstummel, Verpackungen, Dosen, Flaschen, Musik-CDs oder gar Autoreifen und Kühlschränke – jedes Jahr werden Tonnen an Müll an Oberösterreichs Straßenrändern zurückgelassen.

Doch Abfall, der einfach so aus dem Auto geworfen wird, gefährdet die Umwelt, den Lebensraum der Tiere und schadet zudem dem Landschafts- und Ortsbild. Landwirte, vor allem in Stadtnähe, haben oft mit einem zusätzlichen Problem zu kämpfen – dem Hundekot, der ihre Wiesen und Felder beschmutzt.

Achtloses Wegwerfen

„Littering“, ein aus dem Englischen abgeleiteter Ausdruck, beschreibt kurz und prägnant das achtlose Wegwerfen oder Liegenlassen kleiner Abfälle im öffentlichen Raum, ohne die dafür vorgesehenen Abfalleimer zu benutzen. In Oberösterreich gibt es laufend Aktionen, die gegen Littering ankämpfen wollen, mit dem Ziel, das Bewusstsein der Bevölkerung zu schärfen. So führt der Oö. Lan-desabfallverband in den Bezirken seit 2008 die Flursäuberungsaktionen „Hui statt Pfui“ durch. „Im Schnitt gibt es pro Jahr 250 derartige Aktionen, an denen zwischen 20.000 und 30.000 Personen teilnehmen“, sagt Nicole Palmetshofer, Projektkoordinatorin des Oö. Landesabfallverbandes. Vor allem nehmen Schulen und Vereine daran teil, die ausgestattet mit Säcken, Handschuhen und Warnwesten in den Orten entlang der Straßen unterwegs sind. „In den vergangenen Jahren haben wir immer um die 100.000 Kilo Müll eingesammelt“, so Palmetshofer. Die Sammelaktionen hätten unter anderem das Ziel, der „Broken-Windows-Theorie“ entgegenzuwirken. Diese besagt, eine heruntergekommene Umgebung verleitet die Nutzer dieses Raumes, wesentlich häufiger soziale Normen zu brechen, als dies in einer gepflegten Gegend vorkommt. Palmetshofer: „An schönen, sauberen Plätzen hingegen haben die Leute eher Hemmungen etwas hinzuwerfen.“

Flurreinigung kostet

Vermüllung kostet aber auch Geld: So beträgt zum Beispiel der finanzielle Aufwand der Straßenmeistereien in Oberöster­reich jährlich um die 1,2 Millionen Euro, 26.400 Stunden sind für das meist nur manuell mögliche Auflesen der Abfälle notwendig. Nicht mitgerechnet sind hier die Stunden, die Bauern und Grundbesitzer für das Reinigen ihrer Felder und Grundstücke benötigen. Und auch die Asfinag zeigt harte Zahlen auf: Fast 1000 Tonnen Müll fallen jedes Jahr auf den Oberösterreichischen Autobah­nen an, verbunden mit 1,5 Millionen Euro Kosten. Davon werden 250 Tonnen Müll gleich auf der Autobahn entsorgt – dieser muss links und rechts entlang der Autobahn händisch aufgesammelt werden. Beim Frühjahrsputz von nur einer der vier Autobahnmeistereien (Seewalchen, Ansfelden, Wels und Ried) fallen dadurch bis zu 1500 Müllsäcke an. Das Volumen dieser 250 Tonnen beträgt 7100 Kubikmeter, das entspricht etwa 110 Lkw-Ladungen. Littering entlang der Autobahnen macht ein Viertel der gesamten Müllmenge aus, kostet aller­dings beinahe die Hälfte der 1,5 Milli­onen Euro, da es sich um nicht gepressten Abfall handelt. Das Einsammeln und Entsorgen ist entsprechend teurer. Von Littering kann vor allem im Straßenraum auch eine Gefahr ausgehen. Müll, der auf der Fahrbahn liegt oder im ungünstigsten Fall auf der Windschutzscheibe landet, kann zu un-kont­rollierten Reaktionen, Ausweich­manö­vern und in Folge zu Unfällen führen. Das Appell der Asfinag: Auf die Park- oder Rastplätze fahren und die dort aus­reichend zu Verfügung stehenden Müllcontainer benutzen.

Gefahr für die Tiere

Wirft man Zigarettenstummel, Plastiksackerl und Co einfach in den Wald oder auf den Straßenrand, werden bei der Zersetzung unter Umständen gifti­ge Stoffe frei, die Pflanzen, Tiere und Menschen gefährden können. Lebende Tiere können sich an zerbrochenen Glasflaschen verletzen, sich im Müll verheddern und ersticken oder sie essen gar den Müll und verenden daran.

Littering ist nicht nur innerorts ein Dauerthema, sondern auch in Feld und Flur. Für Landwirte, vor allem jene in Stadtnähe, ist das Gackerl ein leidiges Thema. So hat kürzlich Johannes Kogler, Bauernbund-Obmann in Lichtenberg, ein einheitliches Plakat initiiert, das Hundehalter dazu aufrufen soll, „die Teller unserer Tiere sauber zu halten“. Sein Hof liegt etwas oberhalb der Gemeinde Lichtenberg, direkt an der stark frequentierten Gislaufstrecke. „An schönen Tagen kommen Hunderte vorbei“, so seine Frau Michaela Kogler. Viele davon in Begleitung ihrer Hunde. Es gebe zwar ordentliche Hundehalter, die Grünflächen von Hundekot befreien, aber auch viele Uneinsichtige. Gegen diese Verschmutzung der Felder und Wiesen mit Hundekot will Kogler vorgehen, denn Hundekot im Futter ist eine Gefahr für seine Rinder. Gemeinsam mit dem OÖ. Bauernbund hat er ein einheitliches Plakat gestaltet, das das heikle Thema dem Hundehalter positiv vor Augen halten und zur Mithilfe aufrufen soll. „Unsere Wiesen und Felder sind Teller für die Tiere. Die Gesellschaft fordert von uns gesunde Lebensmittel. Daher können auch wir von der Gesellschaft verlangen, unsere Gründe sauber und frei von Müll und Hundekot und damit unsere Tiere gesund zu erhalten“, so Kogler.

Tiergesundheit

Der Oö. Tiergesundheitsdienst informiert: Ansammlungen von Hunde- und Katzenkot auf den Grünflächen vermindern die hygienische Futterqualität. Außerdem kann die Infektionskrankheit Neos­po­rose auftreten. Dabei handelt es sich um eine parasitäre Erkrankung des Rindes, die zu erheblichen Fruchtbarkeitsstörungen wie Aborten oder zu einer Infektion des ungeborenen Kalbes führt. Infektionsquelle für Rinder, aber auch für Schafe und Ziegen sind Futterverschmutzungen durch Hundekot. Da es keine Therapiemöglichkeit gibt, hat eine Infektion der Rinderherde wirtschaftliche Einbußen zur Folge.

Zigaretten

Gedankenloses Wegwerfen von Zigarettenstummeln auf Gehsteigen, aus einem fahrenden Auto, auf Kinderspielplätzen, bei Veranstaltungen oder in Naturschutzgebieten: Fünf Billionen Zigarettenstümmel landen jährlich in der Natur oder in den urbanen Lebensräumen der Menschen. Sie gehören zu den am häufigsten achtlos weggeworfenen Mülltücken. Die Gefahr für die Umwelt wird dabei unterschätzt: Der Filter besteht aus Celluloseacetat, das sich nur langsam zersetzt. In einer Zigarette sind viele Schad- und Giftstoffe, die in den Boden und in das Grundwasser gelangen können. Damit gefährden sie die Gesundheit des Menschen und der Tierwelt. Viele Raucher werfen die Stummel in die Kanalisation, doch sie lassen sich im Klärwerk nur schwer entfernen.

Schmutzige Fakten

Aus dem Autofens­ter geworfen oder neben der Fahrbahn abgeladen werden auf der Au­tobahn unter anderem: Apfelreste, Zigarettenstummel, Verpackungen, Dosen, Flaschen, Dieselkanister, Eierkartons, Sicherheitsgurte, Leuchtbänder, Musik-CDs, Pannendreiecke, Unterwäsche, Werkzeug, alte Autoreifen, Bauschutt, Kühlschränke und sogar Schrott-Pkw oder -Motorräder.

Konsumentenzeitung Lust aufs Land, 24.06.2014

Bildquellen

  • Weide: Agrarfoto.com

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