Grüne Zweige, mit Liebe geschmückt

Wie wird wohl heuer der Christbaum aussehen? Das fragen sich viele Kinder, die schon am Vortag des Weihnachtsabends aufgeregt sind, um dann schließlich mit leuchtenden Augen davorzustehen: vor dem grünen Baum, liebevoll geschmückt, das Flackern der Kerzen und das Funkeln der Sternspritzer.
Den Christbaum an sich gibt es in Anbetracht der Geburt Jesus Christus noch nicht lange. Er stammt auch nicht aus dem katholisch-bäuerlichen Milieu, sondern aus dem evangelisch-bürgerlichen. „Der Christbaum ist ein Import aus dem protestantischen Deutschland“, sagt Reinhard Kriechbaum, Volkskundler und Koautor des Buches „Weihnachten in Oberösterreich“. Während des Wiener Kongresses wurde in Wien der erste Christbaum eingeführt. Der Wiener Adel nahm die neue Mode auf und auch für das Bürgertum gehörte schließlich ein Baum, geschmückt mit Lichtern, buntem Papier, mit Süßigkeiten und Geschenke dazu.

Nach und nach setzte sich während der Jahrhundertwende der Christbaum auch im ländlichen Milieu durch. „Österreichweit wird der Christbaum in den Haushalten erst seit 60 Jahren aufgestellt“, so Kriechbaum. Was in den Städten modern war, wurde von der Landbevölkerung adaptiert. „Der Christbaum hat, genauso wie der Adventkranz, eingeschlagen, weil es einfach schön ist.“ Den bäuerlichen oder traditionellen Christbaum gibt es also gar nicht. Er drückt aber sehr wohl eine Sehnsucht nach Heimat aus. Aber was hing damals auf den grünen Zweigen? In die Biedermeierzeit waren es Nüsse, Äpfel, Glaskugeln sowie Holzspielzeug und Süßes für die Kinder. „Es gab noch keine Strohsterne“, so Kriechbaum. Erst nach 1900 setzte eine spezielle Christbaumschmuck-Tradition ein. Beispiele dafür sind der Gablonzer Glasperlenschmuck aus Böhmen sowie Glaskugeln aus Lauscher, beides ist heute noch auf Christkindlmärkten zu finden. „Vor allem Oberösterreich hatte zur damaligen Zeit gute Beziehungen nach Böhmen“, sagt Kriechbaum. Für jene, die sich die teureren Glaskugeln nicht leisten konnten, bot der Handel ausgestanzte Ornamente aus Karton, beklebt oder besprüht mit Glitzer, an.

Familiäres Fest

Doch auch wenn der Christbaum und seine Zierde nichts mit echter Tradition zu tun hat – dafür ist seine Geschichte noch zu kurz –, hat er eine große Bedeutung für das Weihnachtsfest. „Gerade in einer nachreligiösen Zeit wie heute spielt er eine zentrale Rolle. In vielen Familien wird nicht mehr das Weihnachtsevangelium vorgelesen. Der Christbaum allerdings, der meist im Wohnzimmer steht, ist das Symbol für Weihnachten. Weihnachten ist, so denke ich, das einzige Fest im Jahreskreis, wo alle Generationen einer Familie zusammenkommen“, sagt Kriechbaum. Es wird gemeinsam gefeiert, gemeinsam gesungen, und das rund um dem Christbaum. Der Stellenwert als ein christliches Fest würde, so der Volkskundler, zwar abnehmen – dafür sei Weihnachten ein umso bedeutenderes familiäres Fest. „Manche Bräuche sterben zwar mit der Zeit, dafür kommen viele dazu. Menschen haben geradezu ein Grundbedürfnis nach Fixpunkten im Jahreskreis – davon leben unsere Bräuche.“

Konsumentenzeitung Lust aufs Land, 26.11.2013

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