Schein und Sein in der Bienendiskussion

Bienen gelten als das drittwichtigste Nutztier des Menschen. Ihre Funktion als Bestäuber einer Fülle von Kulturpflanzen und die Honigerzeugung machen die Bienen zu einem wichtigen Wirtschaftsfaktor und einem unverzichtbaren Teil des Ökosystems. 80 Prozent der Blütenpflanzen werden von Bienen bestäubt, in der gesamten EU sichern sie den Bestand von circa 80.000 Pflanzenarten. Der Bienenschutz hat daher besondere Relevanz.

Diskussion

Kaum ein Medium lässt das Thema Bienen aus. Quer durch alle politischen Parteien werden Forderungen zum Schutz der Bienen aufgestellt. Diskussionssendungen, Dokumentarfilme und Nationalratssitzungen beschäftig(t)en sich mit dem Leben, vor allem aber mit dem Sterben der Bienen. Die emotional geführte Diskussion hat das Bewusstsein der Öffentlichkeit für Biene und Umwelt zwar geschärft. „Den verallgemeinernden Begriff Bienensterben jedoch über alles zu stülpen, was den Honigbienen Schwierigkeiten macht, ist schlichtweg unseriös und fachlich unqualifiziert, ist aber in seiner Markantheit ein Mittel zum Zweck, um einer Vielzahl unterschiedlichster Interessen zu dienen“, sagt Peter Frühwirth, Bienenexperte der Landwirtschaftskammer Oberösterreich.

Ursachenforschung

Als Folge der Diskussionen wurde 2013 die Anwendung von Neonicotinoiden, einer Gruppe von Insektiziden, verboten, in der Hoffnung die Bienen zu retten. Zwei Jahre danach sind nun Bienenausfälle von mehr als 30 Prozent zu verzeichnen, so viel wie schon lange nicht mehr. Betrachtet man die Schwankungen in der Bienenpopulationim Verlauf der Jahre, so gab es von 2006 bis 2012 trotz des Einsatzes von Neonicotinoiden einen deutlichen Zuwachs an Bienenvölkern. Seit 2012 geht es trotz Verboten wieder abwärts. Schaut man sich die Bienenverluste innerhalb eines Jahres an, „muss man zwischen Verlusten in der ersten und zweiten Jahreshälfte differenzieren“, so Frühwirth. Verluste in der ersten Jahreshälfte können auf die Ausbringung von Pflanzenschutzmitteln, vor allem bei unsachgemäßer Ausbringung, zurückzuführen sein. Ein erstes Zwischenergebnis des Projekts „Zukunft Biene“, das die Ursachen intensiv erforscht, zeigt, dass es seit dem Aussetzen einzelner Neonicotinoide zu keinen nachweisbaren Bienenverlusten durch diese Wirkstoffgruppe in der ersten Jahreshälfte gekommen ist. Rudolf Moosbeckhofer, der die Untersuchungen leitete, führt das auf das Teilverbot für bestimmte Neonicotinoide zurück. Bienenverluste in der zweiten Jahreshälfte, also jene 30 Prozent Ausfälle, die der heurige Winter mit sich gebracht hat, sind auf komplett andere Faktoren zurückzuführen.

Ausschlaggebend waren der Witterungsverlauf der letzten beiden Jahre im Zusammenspiel mit der Varroa-Milbe. Die 1,7Millimeter kleine Varroa-Milbe schädigt sowohl die Bienen als auch die Larven. Zusätzlich können durch die Bisswunden an der Biene krank machende Viren eindringen, die die Biene zusätzlich schwächen. Eine effektive Bekämpfung kann nur bei Brutfreiheit erfolgen und dafür braucht es längere Fröste. In milden Wintern, wie es die letzten beiden waren, legen die Bienen keine Brutpause ein und die Varroa-Milbe kann sich fast den ganzen Winter vermehren. Das Zusammenspiel dieser ungünstigen Faktoren hat schlussendlich zu den hohen Bienenverlusten geführt. Was zu tun bleibt Das Neonicotinoid-Verbot kann also nicht als Allheilmittel der Bienenproblematik angesehen werden. Stattdessen, betont Karl Fischer, Geschäftsführer der Saatbau Linz, wurde mit dem Verbot wichtiger Beizmittel (die Neonicotinoide enthalten) eine „sichereund bewährte Methode der Schädlingsbekämfpung ausgesetzt, zu der es bis dato keine bessere Alternative gibt“. „Den Schaden haben vor allem die Landwirte, da der Schädlingsdruck zugenommen hat“, betont Christian Stockmar, Obmann der Industriegruppe Pflanzenschutz. Ziel müsse sein, „Aktionen zur Erforschung der Bienengesundheit zu unterstützen, wissenschaftliche Lücken zu schließen und gemeinsam einen Maßnahmenplan im Sinne aller Beteiligten umzusetzen“.

Für Maximilian Liedlbauer, Präsident des oö. Bienenzuchtverbands, ist neben der Bekämpfung der Varroa-Milbe die Forschung wesentlich, um Ursachen auch in Bezug auf den chemischenPflanzenschutz zu erheben. Er unterstreicht aber auch den Rufnach einer vielfältigen Landwirtschaftund das notwendige Angebot von Blühflächen in den Monaten Juli bis September, um den Bienen ausreichend Nahrung zu liefern. Auch Hausgartenbesitzer tragen hier Verantwortung, denn im Gegensatz zu monoton grünen Roboter- Rasenflächen bieten Blumenwiesen Nahrung für die Bienen. Ebenso werden in Hausgärten oft beträchtliche Mengen an chemischen Mitteln zur Schädlingsbekämpfung eingesetzt.

„Die Landwirtschaft hat Maßnahmen gesetzt, um die Artenvielfalt zu fördern“, so Agrarlandesrat Max Hiegelsberger, denn „Bauern und Bienen brauchen einander“. So werden Förderungen an Umweltschutzauflagen gebunden und es gibt eine entsprechende Beratung. Mit der „Bienenweide“ hat Hiegelsberger mit dem OÖ. Bauernbund ein Projekt gestartet, bei dem 100 Hektar Weiden mit „Bienenpflanzen“ angelegt werden; zusätzlich zu den mehreren Tausend Hektar bereits bestehenden Biodiversitätsflächen aus dem Umweltprogramm der Landwirtschaft. Diese sollen den Bienen auch im Herbst Nahrung liefern und man will der Bevölkerung zeigen, wie wichtig Bienen für einen funktionierendenLebensraum sind.

Die Bienendiskussion wird alle noch lange begleiten, Fragen aufwerfen und Antworten erfordern. Eine ehrliche und auf Fakten basierende Diskussion ist der Sache dienlich.

Konsumentenzeitung Lust aufs Land, 16.06.2015

Bildquellen

  • Bienenwaben: Agrarfoto.com

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