Schlank, fit und gesund in die Zukunft

Österreichs Kinder sind zu dick und bewegen sich zu wenig. Das zeigt eine aktuelle Studie des US-Sportartikelherstellers Nike. Diese kommt zum Schluss, dass Kinder, die jetzt in Österreich aufwachsen, dadurch fünf Jahre ihres Lebens verlieren. Die 15-Jährigen sind im OECD-Vergleich Schlusslicht in puncto Gesundheits- und Risikoverhalten. Nur noch 28 Prozent unserer Schulkinder betreiben regelmäßig Sport – in Schweden sind es 72 Prozent. Das bedeutet: Trotz immer besserer medizinischer Versorgung wird die neue Generation nicht mehr so alt wie ihre Eltern. Gründe würden in der ungesunden Ernährung und im massiven Bewegungsmangel liegen. Laut dem Österreichischen Ernährungsbericht 2012 des Bundesministeriums für Gesundheit sind bereits 24 Prozent der sieben- bis 14-jährigen Schulkinder übergewichtig oder adipös (fettleibig). Im Vergleich zu 2008 ist Übergewicht von elf auf 17 Prozent gestiegen. Die Folgen sind nicht zu unterschätzen: Übergewichtige Kinder und Jugendliche haben ein erhöhtes Risiko für frühzeitige Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes mellitus Typ 2, den eigentlichen Altersdiabetes, und degenerative Skeletterkrankungen. Anders Kinder, die sich viel bewegen. Diese haben ein geringeres Risiko für Übergewicht, sind laut Studien geistig fitter als jene, die ihre Freizeit hauptsächlich vor dem Computer verbringen.

Langes Sitzen vermeiden

Nun wird der Bewegungsmangel derzeit wieder öffentlich diskutiert. Turnstunden sollen aufgestockt werden. Marlies Gruber, Wissenschaftliche Leiterin des Forums Ernährung heute, betont aber auch die Bedeutung der Vorbildwirkung der Eltern: „Es ist wichtig Freude an der Bewegung zu vermitteln. Spaß dabei zu haben ist die wichtigste Motivation, um überhaupt damit anzufangen und langfristig aktiv zu bleiben.“ Kinder und Jugendliche sollten unterschiedliche Geräte und Sportarten ausprobieren können. Dabei geht es ums Herumtollen und nicht um Wettkämpfe. „Hat man einmal seinen Sport gefunden, ist das bereits die halbe Miete.“

Drei von vier Elfjährigen und neun von zehn 15-Jährigen sind laut Forum Ernährung heute körperlich inaktiv. Dies zeugt davon, dass die Freude an regelmäßiger Bewegung und das Erlernen sportlicher Grundtechniken rechtzeitig gefördert werden sollte, ob in der Schule oder in der Familie. Auch gesunde Ernährung trägt dazu bei, dass man sich fit fühlt und Lust auf sportliche Aktivitäten verspürt. Den aktuellen Nationalen Bewegungs-empfehlungen nach sollen sich Kinder und Jugendliche täglich mindestens eine Stunde bewegen, Erwachsene 2,5 Stunden in der Woche. Und: je mehr, desto besser.

Erlebnis in der Gemeinschaft

Alltägliche kleine Aktivitäten wie Treppensteigen, kurze Wege zu Fuß zu gehen oder „Sitzungen“ im Stehen abzuhalten, erhöhen den Muskeltonus und den Energieverbrauch. Es bringt auch etwas, einmal pro Stunde aufzustehen und rund zwei Minuten herum­zugehen oder längere Zeit an einem Stehtisch zu arbeiten. Damit lassen sich an einem durchschnittlichen Bürotag rund 60 bis 130 Kalorien mehr verbrennen. Solch kleine Bewegungen kompensieren somit ungefähr eine Rippe Schokolade und beeinflussen ins­gesamt den Stoffwechsel positiv.

Im Volksschulalter würde der Großteil der Kinder noch regelmäßig Sport betreiben und sich ausreichend bewegen. Ab dem Teenager-Alter hängt das Interesse an Bewegung von mehreren Voraussetzungen ab. Positives Erleben und die Integration im Schulalltag sind unter anderem Entscheidungskriterien. Eltern können motivierend einwirken, indem sie das Gemeinschaftserlebnis in den Mittelpunkt stellen, aber dabei keinen Leistungsdruck erzeugen. Übrigens: Auch bei den Erwachsenen schafft es nur knapp jeder Zweite, regelmäßig über langsames Gehen, das Tragen von geringen Lasten oder Stehen hinauszukommen.

Tipps für Eltern

Aktiv Freude an regelmäßiger Bewegung und das Erlernen sportlicher Grundtechniken muss rechtzeitig gefördert werden. Auch Eltern können neben den Sportstunden in der Schule Maßnahmen setzen:

  • Kinder täglich mindestens eine Stunde im Freien spielen lassen.
  • Kinderzimmer frei von Computer und Fernsehapparat halten.
  • Mediennutzungszeiten altersgerecht begrenzen und gemeinsam verbindliche Regeln aufstellen.
  • Selbstwahrnehmung für Medienkonsum unterstützen.
  • Alle 20 Minuten für Sitzunterbrechungen sorgen.
  • Kinderzimmer zu „Bewegungszimmern“ umgestalten.
  • Gemeinsam verbindliche Bewegungszeiten im Alltag planen.
  • Alltägliche Wege aktiv zurücklegen (zum Beispiel den Einkauf).
  • Eltern sollen als „bewegte“ und „bewegende“ Vorbilder wirken.

Konsumentenzeitschrift Lust aufs Land, 26.08.2014

Bildquellen

  • Radfahren: OÖ. Tourismus/Erber

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