Unterwegssein ist wichtiger als Ankommen

Pilgern – Früher pilgerten die Menschen meist aus religiösen Gründen, heute wird auch gepilgert ohne einer bestimmten Religion anzugehören.

In den letzten zwei, drei Jahrzehnten ist das Pilgern von der breiten Öffentlichkeit wieder neu entdeckt worden. Während die meisten Menschen im Alltag immer seltener zu Fuß unterwegs sind, suchen sie sich in ihrer Freizeit stets weitere und schwierigere Wege, die sie erwandern. Für viele Menschen geht es beim Pilgern einfach darum dem Alltagsstress zu entfliehen und den Kopf freizubekommen. Egal, ob man sich nur eine Auszeit gönnen möchte oder einen Schicksalsschlag verarbeiten will. Ein Pilgerweg bleibt immer auch ein spiritueller Weg.

Traditionelle und neue Wege

Auch in Oberösterreich befinden sich zahlreiche Pilgerwege und Wegabschnitte, die in der Landkarte auf den nächsten beiden Seiten eingezeichnet und beschrieben sind. Etwa in St. Wolfgang im Salzkammergut, wo am „Weg der Wallfahrer“ die Wanderschuhe geschnürt werden. Gleichzeitig ist der Ort im Salzkammer­gut auch Ziel des Wolfgangweges. Dieser führt entlang alter Pilgerrouten in vier Etappen von Regensburg nach St. Wolfgang.

Diesen jahrhundertealten Wallfahrten stehen neu angelegte Pilgerwege gegenüber, wie der Johannesweg im Mühlviertel beweist. Auf drei Tagestouren von Pierbach über Schönau, St. Leonhard bei Freistadt, Weitersfelden und Unterweißenbach soll er die Wanderer zu mehr Menschlichkeit und Glück führen. Im Innviertel führt der ebenfalls neu angelegte Marien Wanderweg von St. Marienkirchen am Hausruck über Maria Schmolln nach Altötting in Bayern.

Gleichzeitig sind es die Wege zu den großen überregionalen, ja sogar internationalen Pilgerzielen, die quer durch Oberösterreich führen. Für die Seele Österreichs ganz zentral ist in diesem Zusammenhang die Wallfahrt nach Mariazell. Ihr Zubringerweg aus Oberösterreich hat seinen Ausgangspunkt auf dem Linzer Pöstlingberg und führt über St. Florian, Steyr und das Ennstal an sein Ziel.

Ganz andere Streckendimensionen haben jene Pilger vor sich, die sich auf den Weg zum heiligen Jakobus in Santiago de Compostela machen. Der Jakobsweg hat sich seine Strahlkraft über Jahrhunderte bewahrt. Eigentlich müsste man allerdings von den Jakobswegen sprechen, denn die Zubringer überziehen wie ein Netz ganz Europa und verlaufen auch durch Oberösterreich. Von Enns über St. Florian, Wels und Lambach führt die Hauptvariante Richtung Salzburg. Von Südböhmen kommend führt der Mühlviertler Jakobsweg über den Böhmerwald nach Passau. Die dritte heimische Variante ist der Verbindungsweg zwischen Passau und Salzburg.

Mehr als ein Weg von A nach B

Wege mit spirituellen Themen sind allerdings nicht nur Katholiken vorbehalten. Der „Weg des Buches“ folgt etwa von Passau über Wels ins Salzkammergut den alten Routen, auf denen die Geheimprotestanten verbotene Lutherbibeln ins Land schmuggelten. Was all diesen Wegen über die Konfessionsgrenzen hinaus gemeinsam ist? Der Fokus auf den Geist, darauf, dass die langsame und etappenweise Annäherung an ein Ziel mehr ist, als nur wandern von A nach B. Eine sehr alte Weisheit, die auch im 21. Jahrhundert ihre Berechtigung hat.

Quelle: OÖ Tourismus

Konsumentenzeitung Lust aufs Land, 7.6.2016

Bildquellen

  • Wandern: OÖ.Tourismus/Röbl

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