Viele Ideen mit Geschichte

Fortschritt ist die Grundlage von wirtschaftlichem Wachstum. „Nachdem Österreich durch zwei Weltkriege flächenmäßig stark dezimiert und auf Berglandschaften reduziert wurde, mussten neue Möglichkeiten im Arbeitsalltag gesucht werden. In Oberösterreich wurde verstärkt auf technische Entwicklungen und den Ausbau der Industrielandschaft gesetzt“, sagt Ute Streitt, Leiterin der Sammlung  Technikgeschichte“ am OÖ Landesmuseum.

„Im Zentralraum punkteten bedeutende Firmen mit vielen Erfindungen wie zum Beispiel das LD-Verfahren der Voest, Batterieladegeräte von Fronius oder Fahrzeuge und Sportwaffen aus Steyr. Es entstand aber auch ein Schwerpunkt im Bereich Technik für Menschen mit Beeinträchtigungen“, so Streitt. Im Mühlviertel, der tra­di­tionellen Textil-Landschaft, siedelte sich die Computertechnologie an.

Nach 1945 verzeichnete die Industrie in Oberösterreich einen spektakulären Aufstieg. Als „Erfinderland“ glänzte es aber schon viel früher. „Das Land hat einige herausragende Naturwissenschafter und Techniker hervorgebracht. Manche sind im Land fast völlig vergessen“, so der Linzer Historiker Roman Sandgruber.

Erster Techniker

„Nikolaus von Röhrenbach ist der erste Techniker in Oberösterreich, des­sen Namen wir kennen“, sagt Sandgru­ber. Er war im Jahr 1311 dafür verantwortlich, dass im Hallstätter Salzberg die Sole durch lange Röhren geleitet wurde. Für diese Leistung wurde er als „von Röhrenbach“ geadelt. Im Salzwesen gab es weitere große Leistungen. Peter von Rittinger entwickelte 1855 eine „Dampfpumpe“ für die Saline Ebensee – und schuf damit das Prinzip der Wärmepumpe.

Bereits im späten 16. Jahrhundert nahm die heimische Sensenindustrie einen starken Aufschwung und stieg zu einer der wichtigsten Exportbranchen auf, weil der Micheldorf-Scharnsteiner Sensenschmied Konrad Eisvogel den ersten Schritt zur maschinell gefertigten Sense geschafft hatte.

Der einflussreichste Techniker, den das Land hervorgebracht hat, hat nie in Oberösterreich gewirkt und ist hier fast vergessen: Ferdinand Redtenbacher (1809–1863). Er führte das Polytechni­kum Karlsruhe zu Weltgeltung. „Die geballte Elite des Maschinenbaus des späten 19. Jahrhunderts studierte bei ihm“, sagt Sandgruber und nennt klingende Namen wie Skoda-Gründer Emil Skoda, Automobilbauer Carl Benz, MAN-Gründer Heinrich Buz oder Nikolaus Otto („Ottomotor“). Auch der in Windischgarsten geborene Hans Hauenschild (1842–1901) sei ein Vergessener. Die Zementindustrie verdanke ihm aber zahlreiche Innovationen.

Für Steyr war Josef Werndl (1831–1889) ein innovativer Unternehmer, der aus der väterlichen Waffenfabrik das bis nach dem Zweiten Weltkrieg größte Industrieunternehmen des Landes schuf. Ludwig Hatschek (1856–1914) gründete in Vöcklabruck eine  Asbestwarenfabrik und erfand einen neuen Werkstoff, für den er 1900 ein Patent anmeldete und 1903 einen Namen fand: Eternit.

Als bedeutendste Erfindung, die im 20. Jahrhundert von Österreich ausgegangen ist, gilt das „LD-Verfahren“ (Linz-Donawitz-Verfahren) zur Stahlerzeugung, das in den 1940er-Jah­ren in Linz entwickelt worden ist. Dort ging 1952 das erste kommerziell arbeitende LD-Stahlwerk der Welt in Betrieb.

Ein Baby aus Steyr

Im Schlossmuseum Linz ist eine Lu­xusausführung von einem „Steyr Baby“ zu sehen, das von Karl Jentschke als „österreichischer Volkswagen“ geschaf­fen wurde und als erster aerodynamisch richtig gebauter Kleinwagen der Welt galt. Jentschke kam als junger Mann nach Steyr, wo er Ferdinand Porsche als Chefkonstrukteur der Steyr-Werke nachfolgte. Etwa 13.000 Steyr-Babys wurden zwischen 1936 und 1940 gefertigt.

Im Museum

Erfinder Zu den Höhepunkten der Techniksammlung zählt etwa die kleinste funktionierende Dampfdreschmaschine der Welt, die Sebastian Auer im Maßstab 1:10 gefertigt hat. Der in Traun lebende Techniker ist passionierter Erfinder: Er hat eine Filterpumpe für Aquarien, einen Öllagertank für den Einbau im Keller und einen mechanischen Tempomaten erfunden. Für Letzteren wurde er 1974 auf der Welterfindermesse in Brüssel mit dem höchsten Preis für Erfinder ausgezeichnet, dennoch konnte er damals kein Unternehmen finden, das seinen Tempomaten erzeugen wollte.

Europa-Finalist

600 Patente Das Europäi­sche Patentamt vergibt seit 2006 jedes Jahr den Europäischen Erfinderpreis in fünf Kategorien. 2012 tauchte unter den 15 Finalis­ten erstmals der Name eines Österreichers auf: Josef Theurer. Der Oberösterreicher gründete die Firma Plasser & Theurer, heute Weltmarktführer für Gleisbaumaschinen. Er konnte in seiner Laufbahn mehr als 600 Patente im Gleisbau erwirken und war in der Kategorie „Lebenswerk“ einer von drei Nominierten.

Quelle: Forum OÖ. Geschichte

Konsumentenzeitung Lust aufs Land, 07.06.2016

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