„Wir sind eine gewisse Härte gewöhnt“

Technik – Anders als in Werbungen propagiert, ist eine Wasseraufbereitung im Haushalt überflüssig. Der Härtegrad hat laut Experten keinen Einfluss auf die Qualität des Trinkwassers und somit auch nicht auf die Gesundheit des Menschen. Gegen unliebsame Kalkablagerungen gibt es einfache Mittel.

Weiches Wasser ist gut – hartes Wasser ist schlecht. Dieser Grundsatz zum Thema Wasserhärte hat sich in den Köpfen vieler Menschen festgesetzt. Für Wolfgang Aichlseder, Geschäftsführer des OÖ Wasser Genossenschaftsverbandes, hat er jedoch überhaupt keine Berechtigung: „Wasserhärte ist in der öffentlichen Meinung schlecht. Den meisten Menschen schmeckt aber hartes Wasser am besten“, so der Experte über diesen Widerspruch.

Kein Einfluss auf Qualität und Gesundheit

Hartes Wasser kommt in Regionen vor, in denen Sand- und Kalkgesteine vorherrschen. Je nach Art des Gesteins lösen sich beim Versickern von Regenwasser Mineralien wie etwa Kalzium und Magnesium im Wasser. Unter Wasserhärte versteht man den Gehalt der gelösten Kalzium- und Magnesiumionen im Wasser. Diese wird üblicherweise in deutschen Härtegraden (dh) angegeben.

„Eine hohe Wasserhärte beeinträchtigt die Qualität des Trinkwassers aus der Leitung nicht und stellt auch kein Gesundheitsproblem dar“, betont Aichls­eder. Laut dem Verein für Konsumenten­information (VKI) gibt es keine einzige Studie, die einen negativen Effekt von hartem Wasser auf die Gesundheit gezeigt hätte. „Aus gesundheitlichen Gründen spricht nichts dagegen, Wasser mit einem hohen Härtegrad zu trinken. Wir sind eine gewisse Härte gewöhnt“, so Birgit Schiller, Chemie-Projektleiterin beim VKI. Trotzdem wird bei vielen Konsumenten immer wieder der Wunsch nach einer Enthärtung des Wassers laut. Experten sehen jedoch keine Notwendigkeit für die Anschaffung teurer Wasser­aufbereitungsanlagen: „Das ist so sinnvoll wie Schneefräsen kaufen in der Wüste“, vergleicht Aichls­eder. Auch der VKI rät prinzipiell von einem Kauf solcher Systeme ab: „Die meisten Aufbereitungsanlagen sind ohne einen triftigen Grund eingebaut worden“, so Schiller.

Auch die allseits bekannten Tischwasserfilter haben in den Augen der Experten keine Berechtigung – im Gegenteil: „Diese Geräte sind wahre Bakterienschleudern, wenn die Filter nicht regelmäßig gewechselt werden“, erklärt Aichlseder.

Quelle & Kartographie: OÖ Wasser,
Datengrundlage: 1991–2008, Karte: Doris

Sichtbar nur bei Verdunsten und Erhitzen von Wasser

Während hartes Wasser beim Kaltwasser also kein Problem darstellt, kann es im Warmwasserbereich zu Kalkablagerungen, etwa auf Armaturen und Fliesen, führen, und auch die Funktionsfähigkeit von Haushaltsgeräten beeinträchtigen. „Die meisten Menschen stoßen sich vor allem an der Kalkablagerung, die es aber auch bei weichem Wasser gibt. Nur sind diese nicht so gut sichtbar“, erklärt Aichlseder.

Die kalkabscheidende Hitze liegt bei circa 60 Grad Celsius. In Wasch- und Geschirrspülmaschinen sind ohnehin  sogenannte „Ionentauscher“ integriert, die das Wasser für die Reinigung enthärten. „Bei der Waschmaschine gilt es den richtigen Härtegrad einzustellen. Je härter das Wasser umso mehr Waschmittel wird benötigt. Hier soll man sich an die Empfehlungen des Waschmittelherstellers halten. Beim Geschirrspüler muss das dafür notwendige Salz dementsprechend dosiert werden“, erklärt Schiller.

Bleiben also noch Kaffeemaschine und Heißwasserkocher, die am besten mit einem Entkalkungsmittel oder aber auch Essigreiniger beziehungsweise Zitronensäure einfach entkalkt werden können.

Fazit: Für eine Enthärtungsanlage gibt es weder einen gesundheitlich, noch wirtschaftlich oder ökologisch sinnvollen Grund. Das Trinkwasser kann in jedem Haushalt mit einfachen und vor allem kostenlosen Mitteln verbes-
sert werden. Das erste Wasser in der Früh, sogenanntes Stagnationswasser, schmeckt schal, da es Stoffe aus der Rohrleitung enthalten kann. Daher am Morgen immer zuerst die Toilettenspülung betätigen und anschließend das Wasser aus dem Hahn so lange laufen lassen, bis es gleichmäßig kalt ist. Thomas Mursch-Edlmayr

Bildquellen

  • Wasserhahn: Fotolia - losonsky

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