Zusätzliche Leiden durch Zusatzstoffe?

E-Nummern – Immer häufiger scheinen Menschen den Genuss bestimmter Lebensmittel nicht mehr zu vertragen. Vor allem industriell „angereicherte“ Produkte sind es, die empfindlichen Menschen zu schaffen machen und Unverträglichkeitsreaktionen auslösen können. Der Weg bis zur Diagnose ist lang und mühsam.

E-Nummern haben keinen guten Ruf. Es gibt einige Zusatzstoffe, die in E-Nummern-Verzeichnissen als potenzielle Allergieauslöser beschrieben werden. Wobei es sich dabei meist nicht um Allergien im klassische Sinne handelt, sondern um unechte (griechisch: pseudo) allergische Reaktionen, kurz „Pseudoallergien“ genannt.

Mühsam auszumachen, aber keine Einbildung

Damit werden Beschwerden beschrieben, die sich wie bei echten Allergien anfühlen, deren Ursachen aber mühsam auszumachen sind. Eine klassische Allergie ist eine krankhafte Abwehrreaktion des Immunsystems, bei einer Pseudoallergie hingegen ist das Immunsystem nicht beteiligt, auch wenn die verursachten Symptome ganz ähnlich sind. Auch wenn der Begriff Pseudoallergie irreführend sein mag: Mit Einbildung hat das Ganze nichts zu tun.

„Viele Zusatzstoffe können Unverträglichkeiten machen. Es sind vor allem Frauen, die häufig über undefinierte Bauchbeschwerden klagen“, sagt Helmut Kehrer vom Ordensklinikum Elisabethinen in Linz. Bei dieser Art von Unwohlsein könnten Unverträglichkeiten gegen bestimmte Arten von Zusatzstoffen dahinterstecken. „Welche das genau sind, ist aber oft schwierig zu eruieren“, so der Dermatologe.

Keine Antikörper im Blut, keine Hautreaktionen

Die Häufigkeit von Überempfindlichkeitsreaktionen auf bestimmte Lebensmittelzusatzstoffe ist kaum zu bestimmen, da Pseudoallergien insgesamt schwierig zu identifizieren sind. Ohne Antikörper im Blut bringen Bluttests keine Ergebnisse, Hauttests zeigen meist nur unauffällige Resultate.

Häufige Beschwerden, daher auf Dosis achten

Auch die Linzer Allgemein- und Ernährungsmedizinerin Tina Bräutigam beobachtet in ihrer Praxis, dass es immer häufiger Menschen gibt, die nach dem Genuss bestimmter Lebensmittel mit Problemen wie Bauchschmerzen oder Durchfall zu kämpfen haben. „Oft sind es aber nicht die Lebensmittel alleine, die Beschwerden machen, sondern auch Zusatzstoffe, die in verarbeiteten Lebensmitteln eingesetzt werden, um Farbe, Geschmack oder Haltbarkeit zu verbessern“, sagt die Ärztin. Als Beispiel nennt sie Sorbit (E420), das abführend wirkt, oder Guarkernmehl (E412), das Blähungen verursachen kann. Es gelte daher, die Menge an konsumierten Zusatzstoffen möglichst gering zu halten. „Die Dosis macht das Gift. Je weniger industriell verarbeitete Lebensmittel wir essen, desto weniger künstliche Zusatzstoffe gelangen in unseren Körper“, sagt Bräutigam.

Bekannt ist auch die als „China-Restaurant-Syndrom“ bezeichnete Reaktion auf Glutamate beziehungsweise Glutaminsäure (E620 bis E625). Dabei handelt es sich um Geschmacksverstärker, die früher hauptsächlich in chinesischen Speisen eingesetzt worden sind. Empfindliche Menschen können darauf mit Kopfschmerzen, Herzklopfen, Übelkeit, Schwellungen, Nackensteifheit oder Hitze- und Engegefühl reagieren. Auch wenn eindeutige Zusammenhänge wissenschaftlich nicht nachgewiesen sind, gehen viele Experten davon aus, dass die heute auch in vielen anderen verarbeiteten Lebensmitteln eingesetzten Geschmacksverstärker bei empfindlichen Menschen Reaktionen hervorrufen können. Deren Gegner verweisen wiederum darauf, dass Glutamat eine natürliche Substanz ist, die besonders in proteinreichen Lebensmitteln vorkommt. Fleisch und Fisch, Milchprodukte oder auch Gemüse wie Tomaten oder Pilze enthalten natürlich vorkommendes Glutamat.

Um eine Pseudoallergie diagnostizieren zu können, wird mit verschiedenen Diäten (Such- oder Eliminationsdiät) und auch gezielter Provokation, bei der  die verdächtigten Stoffe bewusst in
größeren Mengen verzehrt werden, gearbeitet. Menschen mit Unverträglichkeiten haben oft einen langen Leidensweg hinter sich, bis sich festmachen lässt, welche Inhaltsstoffe ihnen zu schaffen machen.

Nicht verträglich

Neben den klassischen, immunologischen Allergien und Kreuzreaktionen gibt es Enzymopathien (angeborener oder erworbener Enzymmangel, zum Beispiel die Laktoseintoleranz) beziehungsweise Unverträglichkeiten. Fruktoseintoleranz oder Histaminintoleranz sind vielen Menschen bereits ein Begriff. Diese Allergien und Unverträglichkeiten können mittels Haut-, Blut-, und Atemtest beim Arzt festgestellt werden.

Bildquellen

  • Frau: Fotolia - Jacek Chabraszewski

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