Wissenslücken schließen
Die Landjugend OÖ setzt mit einem neuen Projekt die Landwirtschaft auf den Lehrplan. So werden Schüler zu informierten Konsumenten.
Keiner will Bauer werden. Da verdient man ja nichts.“ Mit dieser Aussage eines Schülers beginnt ein Workshop der Landjugend Oberösterreich und trifft damit den Kern eines weitreichenden Problems: Viele junge Menschen haben noch nie einen Bauernhof besucht oder erlebt, wie Lebensmittel produziert werden. Gleichzeitig sind soziale Medien oft die Hauptquelle für Informationen doch dort werden landwirtschaftliche Themen häufig einseitig oder verzerrt dargestellt. Fake News und Halbwahrheiten prägen das Bild, das viele Jugendliche von der Landwirtschaft haben. Genau hier setzt das Projekt „Landwirtschaft goes Schule“ an. Landjugend-Mitglieder bringen Jugendlichen Informationen über Lebensmittelproduktion, Tierhaltung und Konsumverhalten näher. Damit soll den Schülern geholfen werden, Vorurteile abzubauen und bewusste Kaufentscheidungen zu treffen.
Brücken zwischen Jugend und Landwirtschaft
„Das Thema Landwirtschaft wird im regulären Lehrplan mittlerer und höherer Schulen wenig bis gar nicht behandelt. Viele Schüler haben daher ein verzerrtes Bild von der Agrarwirtschaft“, erklärt Barbara Hummer, Projektleiterin von „Landwirtschaft goes Schule“ der Landjugend OÖ, „unser Ziel ist es, den Jugendlichen ein realistisches Bild und fundiertes Wissen zu vermitteln, damit sie bewusste Kaufentscheidungen treffen können.“
Das Workshop-Konzept wurde speziell für Jugendliche zwischen 14 und 18 Jahren entwickelt. In zwei spielerischen Unterrichtseinheiten werden den Schülern verschiedene Aspekte der Landwirtschaft nähergebracht. Dabei geht es nicht nur um trockene Theorie, sondern um aktive Beteiligung und Diskussionen. Zu Beginn werden die Schüler gefragt: „Was hat Landwirtschaft mit mir zu tun?“ Anschließend wird über verbreitete Mythen aufgeklärt und das eigene Konsumverhalten reflektiert.

Tierhaltung, Ernährung, Lebensmittelproduktion, Klimawandel, Konsumverhalten und Fake News sind Schwerpunkte der Workshops.
In der zweiten Einheit wird das Wissen in zwei von den fünf Schwerpunkten Tierhaltung, Lebensmittelproduktion, Landwirtschaft und Klimawandel, Konsumverhalten und Wertschätzung heimischer Produkte sowie Fake News in der Landwirtschaft vertieft.
Die Workshops werden von jungen Mitgliedern der Landjugend gehalten, die selbst aus der Landwirtschaft kommen und eine entsprechende Ausbildung haben. Diese Kommunikation auf Augenhöhe macht den Workshop besonders wirksam. „Wenn gleichaltrige Jugendliche mit den Schülern diskutieren, wird eine ganz andere Gesprächsbasis geschaffen und die Hemmschwelle für Fragen gesenkt“, so Hummer.
Die Bedeutung für Konsumenten von morgen
Das Projekt hat bereits mehr als 250 Schüler erreicht und das Feedback ist durchwegs positiv. Besonders die interaktiven Methoden und die praxisnahen Inhalte kommen gut an. Immer wieder kommen interessierte Lehrkräfte auf die Landjugend zu. Auch von landwirtschaftlicher Seite gibt es Unterstützung. Landwirtschaftskammer-Präsident Franz Waldenberger betont: „Es ist essenziell, dass Kinder und Jugendliche den Wert der regionalen Lebensmittelproduktion erkennen. Die Initiative der Landjugend ist ein wichtiger Schritt, um junge Menschen aufzuklären und ihr Bewusstsein für nachhaltige Landwirtschaft zu schärfen.“ Waldenberger sieht das Projekt der Landjugend als wichtige Ergänzung zu bereits bestehenden Angeboten, wie zum Beispiel den Initiativen „Schule am Bauernhof“ oder den Seminarbäuerinnen, die ebenfalls Bildungseinrichtungen direkt besuchen. Somit werden nun alle Altersgruppen und Schulstufen abgedeckt.
Das Projekt „Landwirtschaft goes Schule“ soll nun weitergeführt und ausgebaut werden. „Wir werden in den nächsten Monaten weitere Workshopleiter ausbilden und hoffen darauf, dass wir die Präsenz in den Schulen weiter erhöhen können“, erklärt Hummer die nächsten Schritte des Projektes. Denn gut informierte Jugendliche sind die reflektierenden Konsumenten von morgen – und tragen damit langfristig zur Stärkung der heimischen Landwirtschaft bei.
Bildquellen
- Bild 3: Landjugend OÖ
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