Brauchtum

Der Weg zum Osterfest

Einen bunten Strauß an Bräuchen, Traditionen und Symbolen bringt das Osterfest mit sich. Vor allem die Karwoche ist geprägt von deren Vielzahl.

Noch ist Fastenzeit – traditionell eine Phase der körperlichen und geistigen Vorbereitung auf das höchste Fest des Christentums. Mit der österlichen Bußzeit der katholischen Kirche haben diese sechseinhalb Wochen heute jedoch oft nur noch wenig gemeinsam. Der religiöse Hintergrund ist vielerorts einem stärker indivi­duellen Zugang gewichen. Viele Menschen verzichten in dieser Zeit bewusst auf bestimmte Gewohnheiten: etwa auf Smartphone-Apps, Zucker oder das Snacken vor dem Fernseher. Andere drehen den Gedanken des Verzichts ins Positive und nehmen sich vor, täglich 10.000 Schritte zu gehen oder jede Woche 30 verschiedene Gemüsesorten auf den Speiseplan zu setzen.

Mit dem Palmsonntag beginnt die letzte Woche vor Ostern. Palmkätzchen, Buchsbaum und andere grüne Zweige werden zu Palmbuschen gebunden und in der Kirche gesegnet. In vielen Orten erinnern Umzüge an den Einzug Jesu in Jerusalem.

Am Gründonnerstag gedenkt die christliche Kirche des letzten Abendmahls Jesu mit seinen zwölf Jüngern. Traditionell kommen an diesem Tag grüne Speisen auf den Tisch – ein Brauch, der auf einem Missverständnis beruht. Der Name leitet sich nämlich nicht von der Farbe ab, sondern vom althochdeutschen Wort „grunen“, das so viel wie klagen oder weinen bedeutet. Ab diesem Tag schweigen auch die Kirchenglocken. 

Der Karfreitag gilt als strenger Fasttag. Christen erinnern an das Leiden und Sterben Jesu. An diesem religiösen Trauertag finden Kreuzwegandachten statt, während Musik- und Tanzveranstaltungen ausfallen. 

Der Karsamstag beschließt die Fastenzeit. Am Abend feiern Gläubige in der Os­ternacht die Auferstehung Christi. Während der Messe – und auch noch am Ostersonntag – werden mitgebrachte Speisen gesegnet, die anschließend im Kreis der Familie bei einer Jause oder beim Osterfrühstück gegessen werden. Vielerorts nehmen Gläubige zudem das Osterlicht mit nach Hause.

Den Ostersonntag erwarten vor allem Kinder mit großer Spannung: Der Osterhase bringt kleine Geschenke und versteckt sie gemeinsam mit bunt gefärbten Eiern und Süßigkeiten. Beim traditionellen Eierpecken messen anschließend Jung und Alt die Stabilität ihrer Eier. Nach der Fastenzeit wird vielerorts auch ein festliches Mahl oder ein ausgiebiger Osterbrunch genossen. Auf vielen Tischen stehen dabei Gebildbrote aus Germteig oder Osterlämmer aus Kuchenteig.

Der Ostermontag steht häufig im Zeichen von Verwandtenbesuchen. Patenkinder besuchen ihre Patinnen oder Paten und erhalten die sogenannte „Godnsach“ – etwa Striezel, Kipferl oder Brezen aus Semmel- oder Briocheteig.

Der erste Sonntag nach Ostern wird als Weißer Sonntag bezeichnet. Der Name geht vermutlich auf die weißen Gewänder zurück, die in der frühen Kirche von den in der Osternacht Getauften bis zu diesem Tag getragen wurden. Regional ist er auch als „Ahnlsonntag“ bekannt – der Tag, an dem Kinder ihre Großeltern besuchen.

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  • Kind_Ostereier: Foto: Jibber - stock.adobe.com (Generiert mit KI)