Brauchtum

Zu Ostern wird aufgetischt


Eier, Schinken und Kren dürfen bei der Osterjause nicht fehlen. Wie eine gesunde und bewusste Mahlzeit gelingt und worauf es beim Kauf ankommt.

Wenn die Tage wieder länger werden und die Knospen an Bäumen und Sträuchern zu sprießen beginnen, steht Ostern vor der Tür. Das Fest der Auferstehung Jesu markiert nicht nur den Höhepunkt des christlichen Kirchenjahres, sondern auch das Ende der Fastenzeit. Nach 40 Tagen Verzicht schmeckt die Osterjause natürlich doppelt so gut. Die genaue Zusammensetzung der Osterjause kann je nach Bundesland, Region und Familie variieren, aber Eier, Schinken und Kren sind fast überall zu finden. Auch der Osterlammkuchen darf nicht fehlen. Doch hinter den vertrauten Speisen steckt mehr als nur Tradition: Jede einzelne Zutat hat nicht nur eine symbolische Bedeutung, sondern bringt auch wichtige Nährstoffe mit auf den Teller.

Die Wurzeln des Osterfestes

Traditionell wird das Fasten in der Osternacht mit gesegneten Speisen gebrochen. Die Kirchenbesucher bringen dafür Körbe mit Lebensmitteln zur Messe mit, die anschließend mit Weihwasser gesegnet werden. Die Pastoralvorständin der Pfarre Ennstal Anita Aigner erklärt: „Die Osterspeisensegnung verbindet die Feier in der Kirche mit der Feier in der Familie. Die gesegneten Speisen sind ein Zeichen des Lebens und der Freude.“ Dieser Brauch ist ein Ausdruck der Dankbarkeit und des Teilens. „Die Speisensegnung ist eine wunderbare Tradition, weil sie das Leben und die Auferstehung in greifbare Symbole fasst“, betont Aigner.


Bewusster Konsum, regionale Produkte und die Freude am gemeinsamen Essen das macht die Osterjause zu etwas Besonderem.

Maria Fanninger

Die wichtigsten Bestandteile der Osterjause sind Osterschinken, Eier, Kren und Brot, die alle eine tief verwurzelte religiöse Symbolik tragen, die auf die Bedeutung der Auferstehung Christi verweisen. Das Brot ist ein Zeichen für das Leben und die Gemeinschaft und steht in direkter Verbindung zum letzten Abendmahl, an das die Kirche am Gründonnerstag gedenkt. Kren mit seiner Schärfe erinnert an die Bitterkeit des Leidens. Der Osterlammkuchen verweist auf Jesus Christus als das „Lamm Gottes“ und wird interpretiert als Symbol der Erlösung. Das Ei steht für neues Leben und die Auferstehung Jesu Christi. 

Alles dreht sich um das Ei

Die traditionelle Osterjause ist nicht nur reich an Symbolik, sondern auch in gesundheitlicher Hinsicht interessant. 

Das Ei das wohl bekannteste Symbol der Osterzeit ist ein wahres Kraftpaket. „Das Ei ist eine der hochwertigsten Proteinquellen“, erklärt Maria Fanninger, die Gründerin des Vereins Land schafft Leben. „Es enthält wertvolle ungesättigte Fettsäuren, Folsäure, Biotin und Vitamin A, B2, B12 und Eisen.“ Vom Cholesteringehalt solle man sich nicht abschrecken lassen: „Studien belegen, dass das Cholesterin im Ei nicht schädlich für uns ist“, so Fanninger.

Besonders beliebt zu Ostern sind natürlich gefärbte Eier. 44 Prozent der Österreicher greifen im Supermarkt zu den bunten Ostereiern. Beim Kauf sollte man jedoch genau hinschauen. Gefärbte Eier gelten als „verarbeitete Eiprodukte“ und unterliegen daher nicht der verpflichtenden Kennzeichnung von Herkunft und Haltungsform. 

Kren: Die scharfe Heilpflanze

Der frisch geriebene Kren sorgt für eine angenehme Schärfe auf dem Teller. Er wird seit Jahrhunderten als Heilpflanze verwendet. „Kren enthält viel Vitamin C, Mineralstoffe und setzt beim Reiben Senföle frei, die antibakteriell wirken. Gerade bei Erkältungen ist er ein echtes Hausmittel“, bestätigt Fanninger.

Beim Kauf empfiehlt es sich, Kren als frische Wurzel zu kaufen und erst kurz vor dem Verzehr selbst zu reiben. Wird der frisch geriebene Kren nicht sofort gegessen, sollte man lieber zum geriebenen Kren im Glas greifen. „Selbst reiben und aufbewahren ist nicht zu empfehlen, nachdem der Kren sehr schnell Vitamine und Schärfe verliert“, erklärt Fanninger und ergänzt, „geriebener Kren vom Supermarkt wird mit Zitronensäure sehr gut konserviert und enthält dadurch noch den Großteil der gesunden Inhaltsstoffe.“

Osterschinken bewusst genießen

Der Schinken ist das Herzstück der Osterjause. „Früher wurde der Schinken sorgfältig ausgewählt und mit Bedacht zubereitet. Das sollte heute genauso sein“, sagt Fanninger. Ein Indiz für Qualität sei auch eine kurze Zutatenliste: „Guter Schinken braucht keine Geschmacksverstärker oder Zusatzstoffe Salz und Gewürze reichen völlig aus.“

Beim Kauf lohnt es sich, auf die Herkunft des Fleisches zu achten. Bio-Schinken oder Produkte mit dem AMA-Gütesiegel stehen für eine artgerechte Haltung der Tiere. Wer bewusst auf Tierwohl Wert legt, sollte regionale Ware bevorzugen.

Brot: Ein Zeichen des Teilens

Kein Osterfest ohne ein gutes Brot. Neben seiner symbolischen Bedeutung bietet Brot auch wertvolle Nährstoffe. Vollkornbrot ist reich an Ballaststoffen, fördert eine gesunde Verdauung und hält länger satt. Wer Wert auf Qualität legt, sollte Backwaren vom lokalen Bäcker oder selbst gebackenes Brot bevorzugen. Ähnlich wie beim Schinken ist es auch beim Brot: Hochwertige Brote bestehen aus wenigen Zutaten und sind frei von künstlichen Zusatzstoffen. 


Bei der traditionellen Osterjause dürfen Schinken, Kren und Eier nicht fehlen.

Osterlamm: Süßer Klassiker

Ein traditioneller Osterjause-Korb enthält oft auch einen Osterlammkuchen. Der Kuchen, meist aus Rührteig, wird in einer Lammform gebacken und mit Puderzucker bestreut. Auch hier lohnt es sich, auf natürliche Zutaten zu setzen. Wer auf hochwertige Lebensmittel wie Butter, Eier und Dinkelmehl zurückgreift, kann nicht nur den Geschmack optimieren, sondern auch auf unnötige Zusatzstoffe verzichten. „Am besten selber backen“, empfiehlt Fanninger. Ihr Motto: „Du kannst so viel Zucker essen wie du willst, aber gib ihn selbst rein. In verarbeiteten Lebensmitteln ist immer mehr Zucker enthalten, als man selber reingeben würde.“

Gesund naschen

Neben der herzhaften Osterjause gehören auch Schokoladehasen und andere Süßigkeiten zu den Feiertagen. Ein einfacher Trick, um den Heißhunger auf Schokolade und andere Süßigkeiten zu regulieren, ist, vorher Gemüse, Salat oder Nüsse zu essen. „Gemüse oder Salat sind kalorienarm und sättigend. Wenn ich diese vor der Mahlzeit zu mir nehme, wirkt das wie eine natürliche Bremse. Denn wenn der Körper bereits versorgt ist, greift man weniger unkontrolliert zu Süßigkeiten“, erklärt sie. Ihre Empfehlung: „Immer klein geschnittenes Gemüse im Kühlschrank haben und davon naschen.“ 

Vielfältig und regional

Die Osterjause verbindet Glaube, Tradition und Genuss. Wer bewusst einkauft, kann nicht nur hochwertige Lebensmittel genießen, sondern auch regionale Produzenten unterstützen. „Gerade in unserer schnelllebigen Zeit ist es wichtig, solche Bräuche zu bewahren und bewusst zu erleben,“ meint Fanninger, „bewusster Konsum, regionale Produkte und die Freude am gemeinsamen Essen das macht die Osterjause zu etwas Besonderem.“

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