Gegen Schnupfen ist ein Kraut gewachsen

Dass Vitamin C das Immunsys­tem stärkt und Schnupfen und Co. vorbeugt, ist bekannt. Dass man dafür aber nicht unbedingt Unmengen an importierten Zitronen oder Orangen auspressen muss, sondern sich auch heimische Produkte als wahre Vitamin-C-Bomben entpuppen,  überrascht vielleicht. Das Sauerkraut gehört dazu. Eine Portion mit 200 Gramm deckt den halben Tagesbedarf.

Von Seefahrern zur Bauernspeise

Auch wenn die alten Griechen, Chinesen und Römer wahrscheinlich noch nichts von Vitamin C wussten, vertrauten sie doch ihren Erfahrungen und die zeigten, dass Sauerkraut die Menschen stark und gesund hält.

Beim Bau der chinesischen Mauer  im dritten Jahrhundert vor Christus soll Sauerkraut als Kraftnahrung für Schwerarbeiter eingesetzt worden sein. Der griechische Arzt und Philosoph Hippokrates (466 bis 377 v. Chr.) beschrieb es als Heil- und gesundes Lebensmittel. Im zwölften Jahrhun-dert etablierte Hildegard von Bingen (1098 bis 1179) Sauerkraut in der Volksmedizin. Zum Durchbruch verhalf dem Sauerkraut der Weltumsegler James Cook (1728 bis 1779), der auf seiner dreijährigen Weltumsegelung 60 Fässer zu je einer Tonne Sauerkraut mit hatte. Er brachte damit seine Mannschaft ohne Verluste durch die gefürchtete Seefahrerkrankheit Skorbut (tritt bei Vitamin-C-Mangel auf), die auch als „Pest des Meeres“ bekannt war, zurück. In Österreich findet das Sauerkraut 1270 als Teil der oberös-terreichischen Bauernspeise in der Verserzählung „Meier Helmbrecht“ von Wernher Erwähnung (siehe Zitat). Fleisch ist auch heute noch meist dabei, wenn Sauerkraut serviert wird. Klassisch ist es in Österreich ein Bestandteil des Bauernschmauses oder eine Beilage zu Geselchtem und Knödeln. Es gibt aber auch andere schmackhafte Gerichte, wo Sauerkraut vorkommt (siehe Rezepte). Oder man isst es einfach pur. Das hat zum Beispiel für Vegetarier den Nutzen, dass sie damit das Vitamin B12 und Eisen aufnehmen, was sonst vor allem aus tierischen Produkten kommt. Essen kann man das Sauerkraut roh oder gekocht unter Zugabe von Lorbeerblättern, Wacholderbeeren, Salz und Pfeffer. Geschmacklich ergänzen kann man es mit fein geschnittenem Speck. Auch ein Schuss Weißwein oder Sekt im Sauerkraut verleiht ihm ein besonderes Aroma. Und wer in der Advent- und Weihnachtszeit zu viel nascht, dem hilft Sauerkraft (vor allem auch Sauerkrautsaft) wieder in Form zu kommen. Wenn es nicht gerade „abgeschmalzt“ wird, ist es nämlich praktisch fettlos und äußerst kalorienarm (etwa 19kcal/100 g). Kein Wunder, es besteht ja auch zu 90 Prozent aus Wasser.

Die Milchsäure wirkt doppelt

Aber damit nicht genug: Denn das, was das Kraut haltbar macht – nämlich die Milchsäure(gärung) – ist ebenso und zwar in vielfacher Hinsicht posi-tiv für die Gesundheit. Der heilkun-dige Pfarrer Sebastian Kneipp nannte das Sauerkraut nicht umsonst den „Besen“ des Darms. Die Milchsäure im Sauerkraut regeneriert die Darmflora und reguliert die Verdauung. Die positive Wirkung auf die Darmflora stärkt wiederum die körpereigene  Abwehrkraft gegen Erkältungen und andere Infekte. Ob das Einstampfen des Sauerkrautes mit bloßen Füßen – wie es früher oft üblich war – auch zur Immunstärkung beigetragen hat, ist nicht überliefert. Fest  steht jedenfalls – ob in großen Mengen hergestellt oder selbst eingelegt: Es hilft, gesund durch den Winter zu kommen.

Konsumentenzeitung Lust aufs Land, 24.11.2015

Hier geht’s zum Bildstreifen „Wie Kraut sauer wird“:

Bildquellen

  • Sauerkraut: Fotolia – Maciej Czekajewski

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