Landschaft zum Wohlfühlen
Augenweide für Touristen, Lebensgrundlage für Einheimische, Paradies für Flora und Fauna: Oberösterreichs Berglandschaften sind Naturjuwele von unterschätztem Wert.
Land der Berge, Land der Äcker. Die Zeilen aus der Bundeshymne haben zwar schon Jahrzehnte auf dem Buckel, gelten aber immer noch. Österreich ist ein Gebirgsland, mit einem auch topografisch bedingt großteils ländlichen Charakter. Bundesweit umfasst der Alpenraum fast zwei Drittel der Staatsfläche. Das freut den Tourismus. Denn wer nicht mit Meeresstränden punkten kann, der hat mit Bergen und Almen recht gute Karten. Almregionen lassen Gäste und Einheimische nach Wandererlebnissen suchen, weil sie mit eindrucksvollen Ausblicken locken und ein Gefühl von Ursprünglichkeit vermitteln. Almen sind Naturjuwele, ihre Popularität ist ungebrochen. Keine Tourismusregion lässt ihre Verbindung damit für Werbe- und Marketingzwecke ungenutzt.
Gepflegte Berglandschaften: Visitenkarten des Landes
Auch der Nationalpark Kalkalpen ist eine Visitenkarte für das Land: gepflegte Wiesen und Weiden bis in gebirgige Lagen, durchsetzt mit Streuobstwiesen und Waldflächen. Außerhalb des Alpengebietes im Süden Oberösterreichs zählt auch das Mühlviertel großteils zum Berggebiet. Das gewohnte Landschaftsbild in solchen Regionen gäbe es nicht ohne das Engagement von Landwirtinnen und Landwirten, die in sogenannten „Benachteiligten Gebieten“ ihre tägliche Arbeit verrichten.
Eine intakte Umwelt und vielfältige Natur erhalten
Es sind klein strukturierte und naturnahe Formen der Landwirtschaft, die die Berglandschaft in Oberösterreich prägen. Eine flächendeckende landwirtschaftliche Bewirtschaftung ist aber nicht nur Voraussetzung, um Lebensmittel zu produzieren. Sie ist auch Basis für Lebensqualität. Wo bewirtschaftet wird, bleibt die Landschaft offen, im wahrsten Wortsinn, denn die Alternativen heißen Verbuschung und schließlich Verwaldung: Kein Durchkommen mehr für Wanderer, kein Ausblick mehr auf Postkarten-Panorama. „Erst geht die Kuh, dann geht der Mensch“, heißt es daher.

Mehrwerte für die Gesellschaft, Triebkraft für die Wirtschaft
Bäuerinnen und Bauern tragen durch ein naturnahes Bewirtschaften wesentlich zu einer intakten Umwelt und Vielfalt der Natur bei. Tourismus- und Freizeitsektor profitieren von einer gepflegten Landschaft und werden wiederum zur Triebkraft für die wirtschaftliche Entwicklung. Das Pflegen von Grünflächen und Wäldern in Bergregionen hilft aber auch mit, die Gefahr von Lawinen, Hochwassern, Muren, Hangrutschungen und Bodenerosionen zu minimieren.
In Summe übernimmt die Berglandwirtschaft Aufgaben, von denen die gesamte Gesellschaft profitiert. Diese Zusatzleistungen sichern Ökosystemleistungen, die allesamt dem Wohlergehen des Menschen dienen. Betriebe, die sie erbringen, werden dafür jedoch nicht oder kaum entlohnt. Dabei ist das Wirtschaften in bergigen oder hügeligen Lagen mit einem erheblichen Mehraufwand an Zeit und Geld verbunden. Es muss sensibel und nachhaltig agiert werden, um das Ökosystem möglichst wenig zu stören.

Mehrwerte der Bewirtschaftung belegen und berechnen
In der Region Kalkalpen hat sich die „ARGE Mehrwert Berglandwirtschaft“ formiert. Sie hat es sich zur Aufgabe gemacht, die „Mehrwerte“ der Berglandwirtschaft wissenschaftlich fundiert zu belegen und monetär zu bewerten. Das soll helfen, diese künftig auch in Produkten oder Dienstleistungen miteinzuberechnen und neue Vermarktungsmöglichkeiten auszuloten. Schließlich ist die Kulturlandschaft auch Element gesellschaftlicher Identität deren Erhalt wohl ebenso außer Frage steht.
Begriffe und Dimensionen
Berglandwirtschaft umfasst Betriebe, die in „Benachteiligten Gebieten“ liegen, unter erschwerten Bedingungen (Steilflächen, Höhenlage, ungünstige Bodenverhältnisse) wirtschaften und daher mit Betrieben in Gunstlagen nicht wettbewerbsfähig sind. Bezogen auf die gesamte landwirtschaftliche genutzte Fläche in Österreich (1.924.000 Hektar) liegen etwa 49 % im „Berggebiet“, das sind 70 % der gesamten Landesfläche. Als Abgrenzungskriterien für die Berggebiete gelten laut jüngster Agrarstrukturerhebung eine Mindestseehöhe der Gemeinde von 700 m und eine durchschnittliche Mindesthangneigung von 20 % bzw. eine Kombination beider Kriterien (mindestens 500 m Seehöhe und mindestens 15 % Hangneigung).
Bildquellen
- PyhrnPrielWandern_OberoesterreichTourismusGmbHLeonoreHerzog: OÖ Tourismus/leonore herzog
- blw_3: ARGE mehrwert berglandwirtschaft