Dem Hasen auf der Spur
Der Osterhase bringt Eier – der Feldhase neues Leben. Doch gerade jetzt im Frühling sind die jungen Hasen besonders vielen Risiken ausgesetzt.
Wenn zu Ostern bunte Eier im Garten versteckt werden, ist er überall präsent, auch wenn man ihn nicht sieht: der Osterhase. Sein natürliches Vorbild hoppelt allerdings schon viel länger durch die hiesige Kulturlandschaft – der Feldhase. Seit der Antike gilt er als Symbol für Fruchtbarkeit und Neubeginn. Kein Wunder also, dass er perfekt zum Osterfest passt, das ebenso für neues Leben und Auferstehung steht.
Während Ostern kurz bevorsteht, hat für die Feldhasen bereits eine besonders sensible Zeit begonnen. Schon Ende Februar ist der erste Nachwuchs zur Welt gekommen. Doch die kleinen Junghasen haben es schwer: Wechselhafte, oft nasskalte Witterung, zahlreiche Fressfeinde – von Rabenvögeln über den Fuchs bis zu Hauskatzen (siehe Infokasten) – und eine noch deckungsarme Landschaft setzen ihnen zu. Hinzu kommt ein weiterer Risikofaktor: der Mensch. Gerade im Frühling häufen sich deshalb die Einsätze der Tierrettung. „Alleine in Linz haben wir in den Monaten März und April vier- bis fünfmal pro Tag einen Einsatz mit Feldhasen“, berichtet der ehrenamtliche Leiter der oberösterreichischen Tierrettung, Willy Schnebel. Oft seien es besorgte Spaziergänger, die vermeintlich verlassene Jungtiere entdecken. „Viele wissen einfach nicht, dass man die Hasen nicht berühren soll.“
Dabei ist das Alleinsein für junge Feldhasen völlig normal. Landesjägermeister Herbert Sieghartsleitner appelliert daher an die Bevölkerung: „Jetzt gilt es vor allem eine Grundregel zu beachten: keine jungen Feldhasen mitnehmen.“ Denn die Tiere seien keineswegs verlassen. Ihre Mutter kehre regelmäßig zurück. Warum man sie dennoch meist nicht sieht, erklärt Wildbiologe Christopher Böck: „Feldhasenmütter säugen ihre Jungen in der Regel nur einmal täglich – meist in der Nacht und das innerhalb weniger Minuten.“ In dieser kurzen Zeit nehmen die Jungen den gesamten Tagesbedarf an besonders nahrhafter Milch auf. Die seltenen Besuche dienen einem wichtigen Zweck: So werden Füchse und andere Beutegreifer nicht auf den Nachwuchs aufmerksam.
Wer beim Spaziergang einen jungen Feldhasen entdeckt, sollte ihn daher einfach sitzen lassen und sich ruhig entfernen. Sollten Kinder dennoch so einen „Wollknäuel“ heimbringen, dann sollte man ihn wieder dorthin zurückbringen, wo er her ist. Die Mutterliebe ist oft stärker als ein womöglich anhaftender Geruch des Menschen.
Hilfe für den Osterhasen
Bäuerinnen und Bauern unterstützen die Feldhasen, indem sie vielfältige Ackerkulturen anbauen, artenreiche Wiesen schaffen, blütenreiche Säume und Wegränder entstehen lassen. Sie pflegen die für die Hasen wichtigen Hecken, legen mehrjährige dichtbewachsene Brachen und Blühflächen an. Im Herbst säen sie sogenannte Zwischenfrüchte, die in der kargen Winterzeit nicht nur Nahrung, sondern auch Schutz vor Kälte und Schnee bieten.
Katzen – Gefahr für die Artenvielfalt
Der Jagdtrieb gehört zu den Urinstinkten von Katzen. Auch wenn eine Katze satt ist, wird beim Anblick potenzieller Beute ihr Jagdtrieb aktiviert. Das Beutespektrum reicht von Singvögeln über Bodenbrüter wie Rebhühner bis zu Junghasen.


oder in kleinen Mulden und wartet dort ruhig auf die nächste Säugezeit.
Rücksichtnahme in der Natur
Gerade jetzt bitten Jägerinnen und Jäger daher um besondere Rücksicht in der Natur. „Spaziergänger, Läufer, Mountainbiker und Wanderer sollten sich noch diskreter als üblich bewegen“, so Böck. Wege nicht verlassen, Hunde an der Leine halten und Jungtieren ausreichend Abstand lassen – kleine Gesten, die große Wirkung haben.
So bleibt der Feldhase auch in Zukunft mehr als nur eine Symbolfigur zu Ostern: ein lebendiger Botschafter des Frühlings auf Wiesen und Feldern.
Bildquellen
- Katze: Foto: furryfrit z- stock.adobe.com
- Junghasen_Gasselsberger: Foto: Böck
- Hasen_Feld: Foto: Böck
