Eiersuche einmal anders
Hinter der bunten Fassade eines Ostereis könnte sich ein Käfigei verstecken. Lust aufs Land erklärt, wie das auch im – längst käfigfreien Österreich – möglich ist.
Viele Konsumenten greifen im Supermarkt bewusst zu Freiland- oder Bioeiern. Das ist hierzulande auch ein Leichtes, sind doch sämtliche Frischeier im Lebensmitteleinzelhandel gekennzeichnet. Anders verhält es sich bei Fertigprodukten wo es – genauso wie in der Gastronomie – keine Kennzeichnungspflicht gibt. Geschieht das nicht auf freiwilliger Basis, bleibt der Konsument über die Herkunft der Eier und die Haltungsform der Tiere im Unklaren. Genauso verhält es sich mit den bunten Ostereiern: Gekocht und gefärbt gilt dieses schon als verarbeitetes Produkt, womit sich dahinter auch ein importiertes Ei aus Käfighaltung verstecken kann.
Österreich längst „käfigfrei“
Gerold Sterrer, Obmann der Geflügelwirtschaft in Oberösterreich, empfiehlt daher, bei gekochten und gefärbten Eiern auf das AMA-Gütesiegel zu achten, das eine verlässliche Orientierungshilfe darstellt. „Im nicht gekennzeichneten Osterei könnte sonst auch ein ukrainisches Käfigei versteckt sein.“ Die Importe aus jenem Land, das nach wie vor auf konventionelle Käfige setzt, hätten sich schließlich seit Beginn des Krieges verzehnfacht.
Wer nun denkt „In Käfige gepferchte Hühner, ist das nicht längst verboten?“, der hat zwar recht – aber eben nur zum Teil: Hierzulande haben es Legehennen gut. Von den 1,2 Millionen in Oberösterreich registrierten Tieren – plus etlichen Tausend in privater Haltung – muss keines sein Dasein in einem Käfig fristen. Österreich hat sich schon vor knapp 20 Jahren von den konventionellen Käfigen verabschiedet. EU-weit sind so genannte „ausgestaltete“ Käfige zwar noch erlaubt, sie verlieren aber gerade rasant an Bedeutung und der Umbau zu alternativen Haltungsformen schreitet voran. Über Europa hinaus ergibt sich aber ein ganz anderes Bild, denn weltweit betrachtet werden immer noch mehr als 90 Prozent der Hühner in Käfigen gehalten. Das Käfigei ist also Mas-senware und schafft es auch auf heimische Teller, als Schalenei genauso wie in Form von Eiprodukten wie Flüssigei oder Eipulver. Oder eben gekocht und hinter einer bunten Schale versteckt.
Eiermarkt europaweit angespannt
Dazu kommt, dass der europäische Eiermarkt gerade sehr angespannt ist, da mehrere Entwicklungen gleichzeitig auf eine steigende Nachfrage treffen: Zum einen spiegelt sich der bereits erwähnte Wechsel der Haltungssysteme in Europa in einem vorübergehend etwas reduzierten Produktionsvolumen wider. Zum anderen ist es die Vogelgrippe, die den Markt stark getroffen hat. Seit Oktober 2025 sind im Legehennenbereich rund zwölf Millionen Tiere verloren gegangen – vor allem in Nordeuropa. In Österreich hat die Tierseuche zwar keinen großen Schaden angerichtet, dennoch wirkt sich die Lage auch hierzulande aus. Zwischen 2020 und 2024 hätten außerdem viele Betriebe aufgrund hoher Baukosten, stark schwankender Märkte oder fehlender Hofnachfolge nicht weiter investiert, heißt es aus der Landwirtschaftskammer. In Kombination mit einem kontinuierlich steigenden Konsum ist daher auch die Selbstversorgung in Österreich leicht rückläufig, aktuell liegt sie bei 87 Prozent.
Steigender Verbrauch
Der Verzehr von Eiern ist zuletzt ziemlich gewachsen, allein in den vergangenen fünf Jahren um 14 Eier pro Kopf und Jahr – konkret von 236 auf 250 Stück. Den stetigen Anstieg führen Fachleute auf mehrere Trends zurück. So würden in wirtschaftlich unsicheren Zeiten viele aufgrund der Inflation häufiger zu preiswerten, proteinreichen Lebensmitteln greifen. Zudem gewinne die flexitarische Ernährung an Bedeutung, was in der Praxis weniger Fleisch, aber mehr Eier heißt. Eier gelten außerdem als unkomplizierter „High-Protein-Snack“, was dem anhaltenden Trend zu eiweißbetonter Ernährung entgegenkommt. Nicht zuletzt steigt die Nachfrage im Gesamten aber auch durch das Bevölkerungswachstum.

Mehr Kennzeichnung gefordert
Für Konsumenten entscheidend ist jedoch ein anderer Punkt: Transparenz. „Die Transparenz, die im österreichischen Lebensmitteleinzelhandel gelebte Praxis ist, brauchen wir auch in der Gastronomie“, betont Sterrer. Die Bauernschaft fordert daher eine verpflichtende Kennzeichnung. Nur so kann der Konsument selbst entscheiden und gezielt zu heimischer Ware greifen.
Wer bewusst einkaufen will, kann das also im Supermarkt relativ leicht tun. Auf dem Teller im Restaurant, in Fertigprodukten oder sogar im Osternest bleibt die Herkunft aber oft ein Rätsel.
Rund um das Ei
– Eine Henne legt durchschnittlich 270 Eier pro Jahr.
– Dank Eierdatenbank ist in Österreich jedes Frischei bis zum Bauern rückverfolgbar.
– Das Mindesthaltbarkeitsdatum darf auf spätestens 28 Tage nach dem Legen gesetzt werden.
– Eier sollten am besten mit der Spitze nach unten im Kühlschrank gelagert werden.
– Hart gekochte Eier sind im Kühlschrank bis zu vier Wochen haltbar. Allerdings sollte dafür auf das Abschrecken der Eier verzichtet werden, da dadurch Risse entstehen und Keime eindringen können.
Bildquellen
- Grafik_Ei_Web: Quelle: Land schafft leben 2025, Grafik: Lustaufsland
- Ostereier: Foto: Helen Mak - stock.adobe.com
