Mohn: Lebensmittel, das „süchtig“ macht

„Morphin“ ist zwar in der heimischen Pflanze durch Züchtung fast nicht mehr vorhanden, als Backzutat für schmackhafte Gerichte macht Mohn dennoch Lust auf mehr. 

Mohn zählt zu den ersten euro­päischen Kulturpflanzen. In seiner Verwendung als Backzutat ist der Speisemohn erst seit dem 16. Jahrhundert bei uns bekannt, während seine Nutzung als Heilpflanze weit zurückreicht. Im Alpenraum wurde er nachweislich in der Jungsteinzeit angebaut. Angeblich brachten Mönche den Mohn im Mittelalter ins Waldviertel, wo er in Klöstern kultiviert wurde. Er fand Verwendung als Heilmittel und lieferte wertvolles Mohnöl, das nicht nur die Menschen, sondern auch das „ewige Licht“ in den Kirchen nährte. Als wichtiger Wirtschaftsfaktor im großen Stil angebaut, war der Waldviertler Graumohn bis 1934 an der Londoner Börse notiert. Billigimporte aus dem Osten brachten den Mohnanbau beinahe zum Erliegen, bis in den 1980er- Jahren einige Landwirte diese Kulturpflanze wieder für sich entdeckten.

Blau und grau: Von herb bis süß

In Österreich sind morphinarme Grau- und Blaumohne die gängigsten Sorten, die in den heimischen Küchen und Backstuben gerne Verwendung finden. Der Geschmack von Mohnsamen reicht von mild bis leicht nussig und herb-bitter, kann aber durch Rösten oder Backen ein kräftiges Aroma entwickeln. Blaumohn eignet sich aufgrund seines etwas herberen und intensiveren Geschmacks besonders für pikante Mohnspeisen und wird – auch wegen seiner schönen Optik – gerne als Dekorgewürz auf Brot und Salzgebäck gestreut. Er schmeckt auch zu Gemüse- und Currygerichten und eignet sich, gemahlen und in Wasser eingeweicht, zum Andicken von Soßen. Milder und feiner im Aroma sind die Samen des Graumohns. Er findet in Süßspeisen seine bevorzugte Verwendung.

Die in Mohn enthaltene Linolsäure ist eine zweifach ungesättigte Fettsäure der Familie der Omega-6-Fettsäuren, die der menschliche Organismus nicht selbst produzieren kann. Darüber hinaus warten die runden Samen mit einer überraschenden Menge an Kalzium, Kalium und Magnesium sowie den Spurenelementen Eisen, Zink, Kupfer, Jod und Mangan auf. Auch die Gruppe der B-Vitamine sind im Mohn vertreten. Daneben haben die Samen auch eine interessante Eiweißzusammensetzung mit den Aminosäuren Leucin und Lysin.

Heilmittel und Glückssymbol

Als Heilmittel ist Mohn der Menschheit schon lange bekannt. In Keilschriften um 4000 vor Christus wurde die medizinische Anwendung mit Opium, dem Extrakt aus dem Milchsaft des Schlafmohns, beschrieben. Morphin wird aus Opium gewonnen und findet heute vorwiegend in der Schmerztherapie Verwendung. Wegen ihres Samenreichtums wurden Mohnkapseln bereits in Kulturen des Altertums als Symbol der Fruchtbarkeit, des Glücks und Reichtums verehrt. Auch heute noch überschüttet man in manchen Gegenden Hochzeitspaare mit Mohnblumen.

Im Dienst für das Schöne ist Mohnöl auch Basis für die Herstellung von Seifen und Farben. Das Mohnöl in der Seife wirkt rückfettend und vergrößert die Elastizität der Haut. Ebenso findet es als Grundstoff zur Herstellung von Malerfarbe sowie als Pflegemittel für Holz und Leder Verwendung.

Bildquellen

  • Mohn: Fotolia - Photocrew

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