Dürre Äcker und Wiesen
Hitze und Trockenheit haben die heimischen Bäuerinnen und Bauern heuer mit voller Wucht getroffen. Der Schaden in der Landwirtschaft beträgt 1 Milliarde Euro.
Temperaturen um die 40 Grad Celsius, ausbleibende Niederschläge und eine Hitzewelle nach der anderen prägen das bisherige Dürrejahr. Laut Österreichischer Hagelversicherung beträgt der Gesamtschaden in der Landwirtschaft bereits eine Milliarde Euro. „Ein trauriger Rekord“, betont der Vorstandsvorsitzende Kurt Weinberger. Hier zeigt sich, dass die Landwirtschaft so stark wie kein anderer Sektor vom Klimawandel betroffen ist. „Über alle Bundesländer hinweg hatten wir in den vergangenen Wochen und Monaten massive Niederschlagsdefizite und so viele Hitzetage wie noch nie zu verzeichnen“, so der Generaldirektor der Hagelversicherung. Die Entwicklung ist dabei alarmierend: Während Dürreschäden früher etwa alle zehn Jahre auftraten, sieht sich die Landwirtschaft mittlerweile alle zwei bis drei Jahre mit großen Schäden konfrontiert.
Situation für viehhaltende Betriebe besonders schwierig
Betroffen waren heuer das gesamte Bundesgebiet und zahlreiche Kulturen. Insbesondere das Grünland, aber auch Mais, Kartoffeln, Zuckerrüben, Kürbisse und Soja wurden stark in Mitleidenschaft gezogen. Regional gab es auch Schäden beim Getreide zu verzeichnen.
„Die wirtschaftliche Lage auf
den Höfen ist brutal angespannt.“
FRANZ WALDENBERGER
In Oberösterreich sind zwar 85 Prozent der Ackerflächen und 60 Prozent der Grünlandflächen gegen Dürre versichert. Bei extremen Dürresituationen wie heuer kann die Versicherung aber je nach Produktionssparte und betrieblicher Betroffenheit oft nur einen Teil der Schäden abdecken. Besonders schwierig ist die Situation für viehhaltende Betriebe, da Heu, Silage und Silomais kaum verfügbar oder stark im Preis gestiegen sind.
Oberösterreichs Landwirtschaftskammer-Präsident Franz Waldenberger beschreibt die aktuelle wirtschaftliche Lage auf den Höfen als „brutal angespannt“. Gerade in der Viehwirtschaft geht es nun darum, die Betriebe trotz fehlender Grundfuttermittel weiter in der Produktion zu halten. Eine Reduktion der Tierbestände beziehungsweise wirtschaftlich erzwungene Betriebsaufgaben gelte es zu vermeiden. Eine starke Abstockung wäre auch längerfristig kontraproduktiv, weil bei wieder normalen Erntemengen im Grünland der vorhandene Futteraufwuchs nicht mehr vollständig für die Lebensmittelproduktion genutzt werden könnte.
80 Prozent des Ertrags hängen vom Wetter ab
Wie eng die Ernte mit dem Wetter verbunden ist, macht Weinberger deutlich: „Rund 80 Prozent des Ertrags hängen unmittelbar vom Wetter ab.“ Viele Betriebe seien durch den Klimawandel massiv gefährdet. Für die Betroffenen bedeute die ständige Sorge um die eigene Existenz zudem eine enorme psychische Belastung.
„Viele bäuerliche Betriebe sind
durch den Klimawandel massiv gefährdet.“
KURT WEINBERGER
Die Dürre wird damit auch zur Frage der Lebensmittelversorgung. Weinberger erwartet, dass der Selbstversorgungsgrad bei heimischen Lebensmitteln aufgrund der aktuellen Dürresituation weiter deutlich zurückgehen wird. Schon jetzt liegt er bei Getreide bei 87 Prozent, bei Mais bei 83 Prozent, bei Kartoffeln bei 78 Prozent, bei Gemüse bei 55 Prozent und bei pflanzlichen Ölen bei 26 Prozent. Ernteausfälle durch Klimawandel und Bodenverbrauch würden Österreich künftig noch abhängiger von Importen machen. „Lebensmittelversorgung ist daher ein Sicherheitsthema“, betont der Chef der Hagelversicherung.
Regionaler Einkauf: Bauernschaft stärken und Klima schützen
Auch Konsumenten können laut Bauernbund-Landesobfrau Michaela Langer-Weninger etwas tun: „Gerade jetzt kann regionaler Einkauf einen wichtigen Beitrag leisten, um die heimische Landwirtschaft und damit unsere Lebensmittelproduktion zu stärken.“
„Die Dürre hat die heimische Landwirtschaft
massiv unter Druck gesetzt. Jetzt braucht es mehr denn je
Rückenwind aus der Bevölkerung.“
MICHAELA LANGER-WENINGER
Die Bäuerinnen und Bauern machten drei Prozent der Bevölkerung aus und versorgten die Menschen täglich mit heimischen Le-bensmitteln. „Jetzt braucht es die anderen 97 Prozent dringender denn je“, so die oberösterreichische Agrarlandesrätin, die darauf verweist, dass jeder Einkauf eines heimischen Lebensmittels die bäuerlichen Familienbetriebe stärke, Wertschöpfung in der Region halte und zudem das Klima schützen.
Klimaforscher: „Wetterextreme nehmen dramatisch zu“
Dass die aktuelle Entwicklung mit dem Klimawandel zusammenhängt, bestätigt Klimaforscher Anders Levermann vom Potsdam-Institut: „Das Klimasystem reagiert nicht linear – Wetterextreme nehmen dramatisch zu und zudem gibt es kritische Schwellenwerte. Wenn diese überschritten werden, werden Prozesse ausgelöst, die nicht mehr umkehrbar sind.“ Einige seien bereits überschritten. Hitzewellen wie heuer würden daher in Zukunft immer häufiger auftreten. „Beim Klimaschutz geht es direkt um Lebensmittelversorgungssicherheit, um Wettbewerbsfähigkeit und um geopolitische Unabhängigkeit“, sagt Levermann, der daher zu raschem Handeln aufruft.
Auch Weinberger fordert in diesem Zusammenhang mehr Klima- und Bodenschutz: „Nichtstun kommt uns sehr teuer, wie wir im heurigen Jahr sehen.“ Es gehe dabei nicht nur um die Vermeidung von Schäden und Strafzahlungen in Milliardenhöhe, sondern „um die Zukunft der Menschheit und unserer Lebensräume“.
Bildquellen
- HB_Maisfeld_Agrarfotocom3: Agrarfoto.com
