Energie aus der Nachbarschaft
Oberösterreich setzt zunehmend auf erneuerbare Energiequellen. Auch private Haushalte können von dieser Entwicklung profitieren.
Im vergangenen Jahr wurden in Oberösterreich rund 15.000 neue Photovol-taikanlagen errichtet. Mittlerweile sind mehr als 2.300 Megawatt Photovoltaikleistung installiert. Das sind 89 Prozent mehr als der gesetzte Zielwert für 2025. Fast neun von zehn neuen Anlagen werden inzwischen mit einem Stromspeicher kombiniert. Landeshauptmann Thomas Stelzer betont: „Wir sind ein innovatives Energieland. In nahezu allen Formen der erneuerbaren Energie – ob Biomasse, Wasser, Sonne oder Geothermie – liegen wir an der Spitze.“
Das Ergebnis: 91 Prozent des in Oberösterreich verbrauchten Stroms stammen bilanziell bereits aus erneuerbaren Quellen. Damit liegt das Bundesland deutlich über dem EU-Schnitt von 47 Prozent. 2024 wurde in Oberösterreich sogar mehr Strom erzeugt als verbraucht. Unterm Strich wurden 842 Gigawattstunden Strom exportiert.
Strom teilen
Doch erneuerbare Energie zu erzeugen ist nur die eine Seite. Die andere ist, sie möglichst dort zu nutzen, wo sie gebraucht wird. Genau hier kommen Energiegemeinschaften ins Spiel. Circa 2.000 gibt es mittlerweile in Oberösterreich mit über 36.000 Mitglieder. Landesrat Achleitner bezeichnet sie als „einen wichtigen Treiber des Umstiegs auf erneuerbare Energieträger“. Das Prinzip erklärt Gerhard Dell vom OÖ Energiesparverband: „Der Grundgedanke bei Energiegemeinschaften ist, dass man einen Strom, den man erzeugt, zum Beispiel aus einer Photovoltaikanlage, mit seinen Nachbarn, mit seinen Freunden in der Gemeinde teilt.“
Gemeinschaft gründen
Davon können beide Seiten profitieren. Wer mehr Strom erzeugt, als im eigenen Haushalt gebraucht wird, kann den Überschuss innerhalb der Gemeinschaft weitergeben und dafür eine bessere Vergütung erhalten. Wer Strom bezieht, kann bei lokalen Energiegemeinschaften von geringeren Netzkosten profitieren. „Wenn das innerhalb einer lokalen Energiegemeinschaft passiert, dann reduziert sich eben diese Netzgebühr, weil der Strom ja nicht über weite Strecken transportiert wird“, erklärt Dell, „da kann ich mir schon ein paar hundert Euro im Jahr sparen.“ Neben dem finanziellen Aspekt ist laut Dell auch die Gemeinschaft ein großer Vorteil. „Die Leute in einer Ortschaft tun sich zusammen und überlegen: Wer hat welchen Bedarf und wo gibt es zu viel Strom?“, beschreibt Dell. Für Haushalte ohne eigene PV-Anlage kann das Modell ebenfalls interessant sein. Wer zur Miete wohnt oder kein geeignetes Dach hat, kann sich an einer Gemeinschaft beteiligen und Strom aus regionalen Erzeugungsanlagen beziehen.
Auch der Zeitpunkt des Verbrauchs spielt dabei eine Rolle: Strom lässt sich etwa gezielt zum Laden eines E-Autos oder für andere Anwendungen nutzen, wenn gerade viel Energie erzeugt wird. So passen Erzeugung und Verbrauch besser zusammen.
Wer selbst eine Energiegemeinschaft gründen möchte, muss rechtliche und organisatorische Fragen klären. Unterstützung gibt es beim OÖ. Energiesparverband.
Der nächste Schritt
Beim Strom ist Oberösterreich damit bereits weit gekommen. Beim gesamten Energieverbrauch zeigt sich allerdings noch Luft nach oben: Werden neben Strom auch Heizung und Mobilität berücksichtigt, liegt der Anteil erneuerbarer Energie erst bei 44,1 Prozent. Vor allem beim Verkehr besteht noch großer Aufholbedarf.
Finanzielle Unterstützung
Photovoltaik und Speicher: Für die Neuerrichtung oder die Erweiterung von PV-Anlagen bis zu 1.000 kWp und damit in Zusammenhang errichtete neue Stromspeicher (mind. 0,5 kWh/kWp, max. 50 kWh/Anlage) werden mit dem EAG-Investitionszuschuss gefördert.
Unter www.eag-abwicklungsstelle.at können Anträge eingebracht werden. Für Komponenten mit europäischer Wertschöpfung ist zusätzlich ein „Made in Europe“-Bonus möglich. Beratung erhalten Interessenten über den OÖ. Energiesparverband (Energiespar-Hotline 0800/205 206). Einen Überblick über alle Förderungen bietet die Fördermap des Landes OÖ.
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