Natur & Garten

Insekten: Population stabil

NATUR. Eine aktuelle Studie zeigt: Sowohl die Menge an Insekten als auch die Anzahl der Arten ist stabil. Jedoch verändert sich das Artenspektrum klimabedingt.

Intakte Ökosysteme sind die Basis für eine nachhaltige Lebensmittelproduktion. Dabei spielen Insekten eine zentrale Rolle. Über deren Bestand wird viel spekuliert und noch mehr diskutiert. Eine aktuelle wissenschaftliche Studie, an der 22 Experten gearbeitet haben, gibt nun Aufschluss über die aktuelle Situation
in Österreich. Analysiert wurden dabei die Veränderungen der Insektenpopulationen in den vergangenen 30 Jahren. Ziel war es, die Veränderungen der heimischen Insektenwelt sowie deren mögliche Ursachen zu dokumentieren und entsprechende Maßnahmen zum Erhalt und zur Verbesserung der Insektenpopulationen aufzuzeigen. Für konkrete Nachweise der Veränderungen wurden Erhebungen aus den vergangenen 30 Jahren an verschiedenen Standorten in ganz Österreich mit derselben Methodik wiederholt und die Befunde verglichen. Dabei wurden Daten von 4285 Insektenarten, das entspricht elf Prozent der heimischen Insektenfauna, an 309 Testflächen aus allen Landesteilen erhoben.

Die Studienergebnisse im Detail

Die Gesamtartenzahl der untersuchten Insekten in Österreich ist im Vergleich der vergangenen 30 Jahre relativ stabil geblieben. Auch die Menge an Insekten pro Testfläche – die sogenannte Individuendichte – zeigt in Summe stabile Verhältnisse, wobei sowohl Zunahmen als auch Abnahmen festgestellt wurden. So gab es beispielsweise bei den Heuschrecken und Fangschrecken österreichweit einen Rückgang der Populationsdichten mit deutlichen regionalen Unterschieden. In den Hochalpen haben die Populationen sogar zugenommen. Positive Entwicklungen gab es zum Beispiel auch bei den Tagfaltern in den Ackerbaugebieten der Tieflagen.

Veränderungen wurden insbesondere beim Artenspektrum verzeichnet. So wurde im Schnitt ein Viertel der ursprünglich vorhandenen Arten im Laufe der Untersuchungsperiode durch neue Arten ersetzt. Arten, die an kältere Klimabedingungen und nährstoffarme Lebensräume angepasst sind, werden weniger, während sich wärmeliebende Arten ausbreiten.

Auswirkungen durch Klimaerwärmung

Hier zeigt sich, dass die Klimaerwärmung besonders deutliche Auswirkungen auf die Zusammensetzung der heimischen Insektenwelt hat. Da wär-meliebende Arten unter den untersuchten Insektengruppen häufiger sind als jene, die sich an kühl-feuchte Bedingungen angepasst haben, führt die beobachtete Erwärmung dazu, dass sich die klimatischen Bedingungen für einen bedeutenden Teil der Arten verbessert haben.

Dies ist der Hauptgrund für den in der Insektenstudie festgestellten stabilen bis teils zunehmenden Artenbestand, was vor allem in der Gruppe der Heuschrecken eindrücklich belegt werden konnte. Gleichzeitig geraten jedoch Arten kühler Lebensräume wie alpiner Rasen oder Moorgebiete zusehends unter Druck. Maßnahmen sollten daher – neben der allgemeinen Reduktion der Treibhausgasemissionen – gezielt die Folgen der Klimaerwärmung für diese gefährdeten Arten kompensieren, was vor allem durch die Pflege von Landschaften mit ausgeprägter Geländemorphologie, die Schaffung von Wanderkorridoren für Ausweichbewegungen und einen verstärkten Wasserrückhalt in der Landschaft umfassen muss.

Ein weiteres zentrales Ergebnis aus der Studie ist, dass sich traditionelle, biodiversitätsfördernde Wirtschaftsweise der Land- und Forstwirtschaft positiv auf die Insekten-Artenvielfalt auswirkt. Extensiv genutztes Grünland weist eine höhere Artenvielfalt auf als Flächen, die gar nicht mehr bewirtschaftet werden. Somit zeigt sich, dass die landwirtschaftliche Nutzung einen wichtigen Beitrag für den Erhalt der Inseketen-Biodiversität in Österreich leistet.

Ergebnisse auch für Experten überraschend

„Die Sorge um die heimische Insektenwelt bewegt immer mehr Menschen, doch fehlte es bisher an Studien, die die Veränderungen der letzten Zeit umfassend bewerten konnten. Mit dieser Insektenstudie war es nun möglich, für ausgewählte Insektengruppen einen repräsentativen Überblick über die Veränderung von Artenzahl und Populationsdichte an über 300 Standorten verteilt über Österreich zu gewin­nen. Dieser Rückblick über die vergangenen 30 Jahre wurde begleitet von einer gründlichen Auseinandersetzung mit den Faktoren, die auf unsere Insektenpopulationen einwirken, sowie mit einer Analyse der Ansprüche und Gefährdungspotenziale von über 4000 Insektenarten. Die Ergebnisse waren vielfach auch für uns überraschend und helfen dabei, die Veränderungen in der Insektenwelt zu verstehen und gezielte effiziente Maßnahmen zu deren Unterstützung zu ergreifen“, erklärt Studienleiter Thomas Zuna-Kratky. 

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