Problem liegt im Haushalt

LEBENSMITTELVERSCHWENDUNG. Von wertvoll zu wertlos: Weltweit landet circa ein Drittel der produzierten Lebensmittel im Müll. Lust aufs Land zeigt, wie man die Lebensmittelverschwendung reduzieren kann. 

Jedes weggeworfene Lebensmittel ist eines zu viel und dennoch wird immer mehr Nah­rung zu Abfall degradiert. So landet welt­weit etwa ein Drittel der produzierten Lebensmit­tel im Müll. Das ist, als würde man drei Schnit­zel herausbacken und eines aus dem Fens­ter wer­fen. Aber auch hierzulande entstehen jährlich circa 900.000 Tonnen vermeidbare Lebensmittelab­fälle. Das entspricht ungefähr 70.000 volle Lkw, mit denen man ein Jahr lang ganz Tirol und Vorarl­berg versorgen könnte. Wer nun denkt, dass dieses Phänomen großteils Supermärkten oder der Gastronomie zugeschrieben werden kann, liegt falsch. Denn 58 Pro­zent der vermeid­baren Lebensmittelabfälle ent­stehen im eigenen Kühlschrank oder besser gesagt – im Privathaushalt. So landen jährlich Lebensmittel im Wert von 300 bis 400 Euro im Müll, weshalb es an den Konsumenten selbst liegt, etwas gegen die Lebensmittelverschwendung zu unternehmen. An zweiter Stelle der Verursachung von vermeidbaren Lebensmittelabfällen – mit einem Anteil von 19 Prozent – liegt der Außer-Haus-Verzehr. In der Verarbeitung fallen 14 Prozent an. Erst an vierter Stel­le, mit einem An­teil von neun Prozent, stehen der Supermarkt sowie der Großhandel bei der Lebensmittelverschwendung. 

Zu wertvoll für die Tonne

Denn wer kennt es nicht, wenn beispielweise ein ge­öffnetes Joghurt, eine verschrumpelte Karotte oder der letzte Rest der am Vorabend bestellten Pizza im Kühlschrank liegen und dann doch in die Tonne wan­dern? Runtergebrochen auf die Lebensmittelgruppen nehme jedoch Brot gemeinsam mit Süß- und Backwaren den größten Anteil – mit 28 Prozent – der von Privathaushalten im Restmüll ent­sorgten Nahrungsmittel ein. An nächster Stelle stehen Obst und Ge­müse. Aber auch tieri­sche Produkte wie Fleisch, Milcherzeugnisse, Eier, Fisch oder sonstige Lebensmittel, zum Beispiel Nudeln, werden häu­fig weggeworfen. „Es ist erschütternd zu sehen, was letztlich mit den qualitativ hoch­wertigen Er­zeugnissen der heimischen Landwirtschaft passiert, wenn sie nicht im Supermarkt verkauft oder im Pri­vat­haus­halt konsumiert werden. Für Bäue­rinnen und Bauern sind diese Fakten doppelt hart. Denn es kommt fast einem Schlag ins Ge­sicht der Produzenten gleich. Sie wissen nämlich nicht nur um den Wert die­ser Le­bensmittel, sondern auch um die Arbeit, die dahinter steckt – jene Arbeit, die sie tag­täglich erbringen. Wenn dann Fleisch, Milch, Gemüse oder ein an­deres heimisches Lebensmittel in riesigen Mengen auf dem Müll landen, tut das jedem Landwirt – und damit auch mir – in der Seele weh“, zeigt sich Agrarlandesrä­tin Michaela Langer-Weninger bestürzt zu diesem Thema.

Fünf goldene Regeln

Diese fünf Regeln können helfen, um die Lebensmittelverschwendung im eigenen Haushalt zu reduzieren: 

  1. Man sollte nie hungrig einkaufen gehen. Meist wird dann nämlich mehr gekauft, als im Grunde benötigt wird. 
  2. Einkaufslisten zu schreiben ist empfehlenswert. 
  3. Einen Wochenplan für die täglichen Gerichte erstellen. 
  4. Nachfragen, wie man Lebensmittel richtig lagert, damit diese länger frisch bleiben. 
  5. Sich erkundigen, wie man bereits etwas ältere Lebensmittel, wie zum Beispiel hartes Brot, noch verkochen kann. 

In Zeiten des Klimawandels

Doch nicht nur für die Produzenten heimischer so­wie qualitativ hochwertiger Produkte ist die Verschwendung wertvoller Nahrungsmittel schwer hin­nehmbar. Auch für das Klima stellt das Wegwerf­phänomen eine zunehmende Belastung dar. Wäre der weltweite Lebensmittelabfall ein eigener Staat, so hätte er nach China und den USA den drittgrößten Treibhausgasausstoß. Dies sei ein Umstand, der in Zeiten des Klimwandels definitiv mehr Beachtung ver­diene. Bis zum Jahr 2030 hat sich Österreich zum UN-Ziel verpflichtet, 50 Prozent der vermeidbaren Lebensmittelabfälle zu reduzieren. Um dieses Ziel zu erreichen, kooperieren be­reits eini­ge Supermärkte – wie zum Beispiel der Lebensmitteleinzelhandel Unimarkt – mit Organisationen, um das Wegwerfen von Nah­rungs­mit­teln zu min­dern: „Die Produktion von Lebensmitteln, die im End­effekt im Müll lan­den, verschwendet wichtige Ressourcen unserer Erde, weshalb es wichtig ist, in die­sem Bereich gezielte Ak­tivitä­ten zu setzen. Genau aus die­sem Grund sind wir ein Koope­rations­partner der App „Too Good To Go“ und set­zen schon seit vie­len Jahren auf ,Sparen beim ersten Stück‘. Das bedeutet, dass wir komplett auf Multipack-Aktionen verzichten, um so einen bewussteren Um­gang mit Lebensmitteln zu fördern“, betont Andreas Haider, Geschäftsführer der Unimarkt-Gruppe. 

Genießbarkeit von Lebensmitteln

Die meisten Lebensmittel werden weggeworfen, weil sie nicht mehr dem Aussehen der erwarteten Norm entsprechen. Dabei sind viele Nahrungs­mittel auch nach Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums noch für den Verzehr geeignet. So weisen beispielsweise Eier eine viel län­gere Haltbar­keit auf. Diese seien auch noch 21 Tage nach Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums genießbar. Doch auch Nahrungsmittel wie etwa Mehl, Zucker oder Konserven haben eine lange Haltbarkeit und können meist auch noch ein Jahr über das empfohlene Datum hinaus genossen werden.

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