Hoch zu Ross auf Natur und Landschaft blicken

Die Pferdehaltung in Oberösterreich boomt. Gleichzeitig fragt auch der Tourist verstärkt nach Reitwegenetzen. Dabei bieten Oberösterreichs Reitregionen ein ideales und mittlerweile flächendeckendes Angebot. Hatten Pferde früher als Arbeitstiere in der Landwirtschaft große Bedeutung, sind sie heute wichtige Partner der Menschen für Sport, Freizeit und Gesundheit. Aber auch für die Landwirtschaft bietet der Faktor Pferd eine wesentliche Einkommensquelle – pro Jahr wird in Oberösterreich eine Wertschöpfung von knapp 200 Millionen Euro erzielt, 22.000 Arbeitsplätze profitieren direkt und indirekt von der Tourismus- und Freizeittätigkeit rund ums Pferd. In Oberösterreich gibt es 25.000 Pferde, etwa 15.000 davon stehen auf landwirtschaftlichen Betrieben. Die dominierende Rasse ist das Noriker-Pferd, gefolgt vom österreichischen Warmblut und Haflinger. Um die 1000 Pensionspferdehalter bieten Liebhabern ein breites Angebot, von Einstellplätzen mit Sandplatz bis zu ganzjährig nutzbaren Reithallen.

Konflikte vermeiden

Für die große Anzahl an Pferden und die zirka 50.000 oberösterreichischen Reiter und Fahrer ist auch eine entsprechende Infrastruktur notwendig. Neben dem Reiten in den klassischen Reitanlagen suchen viele Reiter, gerade in unserer industrialisierten Gesellschaft, den Kontakt zur Natur. Deswegen war es den Pferdezüchtern und -haltern ein großes Anliegen, ein oberösterreichweites Reitwegenetz zu erstellen. Mittlerweile erstreckt sich dieses auf 3300 Kilometer. Verbindet man die einzelnen Routen der Wanderreitregionen Oberösterreichs, so erhält man ein unvergleichliches Angebot an Freizeitwegen. Maßgeblich daran beteiligt war und ist Helmut Hochreiner vom Amt der Oö. Landesregierung, Direktion für Landesplanung, wirtschaftliche und ländliche Entwicklung. In seiner Arbeit als Netzplaner und Moderator für die notwendigen Trägerorganisationen, sprich Reitwegevereine, hat er viele Gespräche mit Grundeigentümern, Gemeindevertretern, Reitsportbegeisterten und Nutzern der Freizeitwege geführt. Daher weiß Hochreiner, dass auch Konfliktpotenzial zwischen Reitern und der Bevölkerung besteht: „Letztlich kommt es immer wieder darauf an, dass wir rücksichtsvoll miteinander umgehen. Das Naturerlebnis muss immer vor dem sportlichen Ehrgeiz stehen.“ Daher gilt: Wenn Reitwege, die zu einem Großteil beschildert und in einer Karte erfasst sind, benutzt werden, sollte man daran denken, dass bei der Ausweisung von Reitwegen Kompromisse eingegangen werden müssen. Schöne naturbelassene Wege wechseln sich ab mit kombinierten Wegen wie Rad- und Wanderwegen. Auch asphaltierte Wege können Reitwege sein – oft ist eine Verbindung eben nur auf diesen verkehrsarmen Straßen möglich. Ein ausgebildeter Wanderreiter weiß das. „Letztlich ist der Lohn immer ein beeindruckender Aussichtsplatz, ein romantisches Flusstal oder einfach eine gemütliche Raststation“, so Hochreiner.

Gegend erkunden

Er hat auch einen Tipp für kulinarische Aspekte beim Reiten – die „Genuss Regionen“, die das Besondere der Landstriche kennzeichnen. „Grundlage für den Erhalt der Kulturlandschaft ist nun einmal die Nahrungsmittelproduktion unserer Bauern. Wenn man seine Lieblingsgegend erkundet, bekommt man Appetit auf eine zünftige Jause und ein Glas Most oder Saft aus der Region.“ Jede einzelne Reitregion sei es wert, „beritten“ zu werden. Künftig soll es auch geführte Ritte quer durch Oberösterreich geben. Der eine oder andere Wanderreitführer wird sich für diese Aufgabe vorbereiten und Touren über mehrere Tage planen, um Oberösterreich aus der Sicht des Sattels zu präsentieren.

Noch ein paar Tipps für den Ausritt

  • Das Wanderreitpferd mit einer aus den jeweiligen Regionen/Reitbetrieben  erhältlichen Plakette kennzeichnen. Mit dieser „Reitberechtigung“ wird die  notwendige Infrastruktur aufrecht erhalten, Wegemieten sind abgedeckt, um der  Reiterei einen positiven Impuls zu verleihen.
  • Den Ritt so planen, dass das Ziel vor Einbruch der Dunkelheit zu erreichen ist.
  • Keine Abkürzungen über angrenzende Grundstücke nehmen und auf den markierten  Reitwegen bleiben.
  • Das Pferd beim Rasten nur am Wegrand grasen lassen.
  • Im Wald Lärm vermeiden, um kein Wild aufzuscheuchen.
  • Reitwege sauber halten.
  • Sicherheit und Naturerleben stehen vor sportlichen Glanzleistungen.
  • Auf andere Benutzer achten.

Konsumentenzeitung Lust aufs Land, 26.08.2014, B.H., Quelle: LK OÖ, Land OÖ

Bildquellen

  • Pferd: OÖ Tourismus/Erber

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