Sommerliche Plagegeister

Wer kennt es nicht, das nervtötende Surren einer Gelse, das einem die Nachtruhe ver­dirbt? Oder den plötzlichen Schmerz, den einem eine einzelne Bremse zufügen kann? Die schöne Sommerzeit hat mit Plagegeistern dieser Art auch eine unangenehme Seite zu bieten. Der laue Abend auf der Terrasse oder das Picknick auf der Wiese kann im Beisein von Insekten schnell ihren Reiz verlieren.

40.000 verschiedene Insektenarten in OÖ

Weltweit gibt es etwa eine Million an bekannten Insektenarten, hierzulande sind es 40.000. Sie können dem Menschen lästig, schmerzhaft oder sogar gefährlich werden. Jene, die in der warmen Jahreszeit vermehrt auftreten und als sommerliche Plagegeister fungieren, lassen sich grob darin unterscheiden, ob sie stechen oder beißen. Wespen, Bienen oder Hornissen benutzen ihren Stachel als Abwehrwaffe, Gelsen, Bremsen oder Flöhe beißen zu, um sich vom Blut ihres Opfers zu ernähren. Ein Überblick über die häufigsten und auch lästigsten sommerlichen Plagegeister:

Gelsen: Die Familie der Stechmücken, hierzulande besser bekannt als Gelsen, umfasst in Mitteleuropa etwa 100 Arten. Sie kommen meist in der Nähe von Wasserstellen vor. Nur weibliche Tiere saugen Blut, das sie zum Bilden von Eiern brauchen. „Wer stehendes Wasser wie eine Regentonne im Garten hat, darf sich über die nächtliche Belästigung nicht wundern“, sagt Franz Gusenleitner, Insektenkundler am Biologiezentrum in Linz. Die schnellste Gelsenart bringt es in zehn Tagen vom Ei zur fertigen Gelse. Abhilfe schaffen Gelsennetze am Fenster oder über dem Bett. Über die Regentonne kann ein Strumpf gezogen und dadurch den Gelsen das Brutgewässer entzogen werden.

Wespen verteidigen Nest und Futterquelle

Wespen: „Je wärmer es ist, desto lebendiger werden sie“, sagt der Insektenexperte. Im Umkreis von drei bis vier Metern rund um ihr Nest verteidigen sie dieses – ein Verhalten, das ihnen als Aggressivität ausgelegt wird. „Auf Bewegungen reagieren sie dann mit Angriff“, so Gusenleitner. Wespen lieben Süßes, aber auch Fleisch und Wurst, weshalb Essen und Getränke im Freien immer gut abgedeckt werden sollten. Es gibt unzählige Wespenarten. „Die größte ist die Hornisse, die kleinste misst nur 0,2 Millimeter“, sagt Gusenleitner. Lästig für den Menschen seien nur zwei Arten: die Deutsche Wespe und die Gemeine Wespe.

Hornisse: Die Hornisse ist mit bis zu 3,5 Zentimetern die größte Wespenart. Anders als Wespen haben sie im Kopf-, Bein- und oberen Körperabschnitt auch rote Farbanteile und im mittleren Körperteil kein Gelb. Entgegen vieler Mythen sind Hornissenstiche nicht gefährlicher als jene von anderen Wespen oder Bienen.

Zecken: Zecken gehören zur Gattung der Milben, viele Arten sind bedeutende Krankheitsüberträger. Zecken lieben feuchtwarmes Wetter. Sie können die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) auslösen, indem sie das FSME-Virus übertragen. Dagegen kann man sich mit der Zeckenimpfung schützen. Keine Impfung gibt es gegen die Borreliose, eine bakterielle Erkrankung, die sich beim Menschen durch ein breites Spektrum an Krankheitsbildern – etwa Haut, Gelenke, Herz oder Nervensystem betreffen – äußern kann. „Die Borrelien sind im Darm der Zecke gelagert und brauchen bis zu 16 Stunden, um von der Darmflora ins menschliche Gewebe zu kommen“, sagt Gusenleitner. Seinen Körper täglich penibel nach Zecken abzusuchen sei daher ratsam.

Bremsen: Sie gehören zur Familie der Fliegen. An schwülen Sommertagen sind sie besonders aktiv und sekkieren dann nicht nur Menschen, sondern auch Pferde oder Kühe bis aufs Blut – im wahrsten Wortsinn. Bremsen stechen mit ihren großen Beißwerkzeugen ordentlich zu, ihre Stiche dringen auch durch dünnen Stoff. Wie bei den Gelsen sind auch bei den Bremsen nur die Weibchen Blutsauger.

Ameisen: Sie erfüllen in der Natur viele nützliche Aufgaben, rund um den Wohnbereich will sie jedoch niemand haben. Ameisen sind in Staaten organisiert, unerwünschten Nestern und Ameisen-Straßen sollte man zunächst einmal mit stark duftenden Pflanzen wie Lavendel, Majoran oder Thymian zuleibe rücken.

Fliegen: Diese werden bei gehäuftem Auftreten als lästig empfunden, sie können aber auch Krankheiten übertragen. „Bei uns gibt es 8000 verschiedene Arten, zu denen zum Beispiel auch die Bremse gehört“, sagt der Ento­mo­loge. Fliegen können sich sehr schnell vermehren. „Die bekannten grünschillernden Fliegen legen keine Eier, sondern bereits fertige Maden“, betont Gusenleitner.

Insekten: Auch Nutztiere für den Menschen

Einige Insektenarten hat sich der Mensch auch zunutze gemacht: Beliebt ist die Biene, die Honig, Gelee royale, Wachs und Propolis liefert, die Raupen des Seidenspinners werden zum Erzeugen von Seidengarn genutzt. In vielen Ländern dienen Heuschrecken und Grillen sogar als Nahrungsmittel. Nicht zuletzt werden Ameisen-, Heuschrecken- oder Käferarten auch in Terrarien gehalten und Insekten als Futtertiere für Reptilien oder als Angelköder gezüchtet.

Konsumentenzeitung, 13.06.2017

Bildquellen

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