Leben & WohnenNatur & Garten

Großer Schatz unter Druck

Trockenheit und Hitze setzen Oberösterreichs Grundwasser zu. Besonders Hausbrunnen zeigen, wie knapp die unsichtbare Ressource bereits wird.

Trockenheit, Hitze und veränderte Niederschläge machen sich zunehmend dort bemerkbar, wo man sie lange kaum wahrgenommen hat: unter unseren Füßen. Dort, im Untergrund, liegen die Grundwasservorräte – Oberösterreichs unsichtbarer Wasserschatz. Das Bundesland gilt zwar als wasserreich, doch unerschöpflich ist der Wasserschatz auch nicht, wie sich zeigt.

Trinkwasser ist unser wichtigstes Lebensmittel. In Oberösterreich stammt es ausschließlich aus Grundwasser, das aus Quellfassungen und Brunnen gewonnen wird. Der unterirdische Süßwasserschatz ist 100 Mal größer als die gesamte Wassermenge in unseren Seen und Flüssen. 

Fatale Kombination: Trockenheit gepaart mit großer Hitze

Nach einem zu milden und zu trockenen Winter 2025/26 folgte in Österreich das trockenste Frühjahr seit Beginn der Aufzeichnungen. Das Niederschlagsdefizit betrug fast 50 Prozent. Der Sommer hat bislang keine Entspannung gebracht – im Gegenteil: Ein außergewöhnlich warmer Juni und Hitzewellen mit historischen Höchstwerten führten dazu, dass im Juli rund 90 Prozent der österreichischen Grundwassermessstellen  niedrige oder sehr niedrige Wasserstände aufwiesen. 

Jährliche Verdunstung seit 1980 markant gestiegen

Dass die Klimaerwärmung den Wasserhaushalt verändert, bestätigen auch neue Zwischenergebnisse des Forschungsprojekts „Wasser im Klimawandel“ (siehe Infobox). Besonders auffällig ist die Entwicklung der Verdunstung. Zwischen 1980 und 2010 stieg die jährliche Verdunstung in Österreich um rund 80 Millimeter. Das entspricht etwa 80 Liter Wasser pro Quadratmeter und Jahr, die zusätzlich zur bisherigen Verdunstung in die Atmosphäre gelangten. Auch nach 2010 setzte sich der Anstieg fort, wenn auch deutlich langsamer. 

Auch bei den Grundwasserständen zeichnet sich langfristig eine Veränderung ab. In den vergangenen zehn Jahren sind die Werte regional sehr unterschiedlich, im Mittel aber um 30 bis 50 Zentimeter zurückgegangen. Besonders deutliche Rückgänge zeigen sich neben Salzburg und Teilen des östlichen Kärntens auch in Oberösterreich.  

Wasser im Klimawandel
Mit „Wasser im Klimawandel“ läuft gerade eine Studie von TU Wien, GeoSphere Austria, Universität Graz und BOKU Wien. Sie untersucht die Folgen der Klimaerwärmung auf den österreichischen Wasserhaushalt. Im Fokus stehen unter anderem Niederschlag, Verdunstung, Grundwasser, Abflussverhalten sowie Hoch- und Niederwasser. Die Studie entsteht im Auftrag des Bundesministeriums für Land- und Forstwirtschaft, Klima- und Umweltschutz, Regionen und Wasserwirtschaft sowie der Bundesländer. Der finale Bericht soll Ende 2026 erscheinen und Prognosen für Österreich bis 2100 enthalten. Informationen: www.wasseraktiv.at/wasser-im-klimawandel

Grundwassersituation ist im ganze Land angespannt

Peter Kickinger vom Hydrographischen Dienst des Landes OÖ bezeichnet die Grundwassersituation als „im ganzen Land angespannt“, bei einigen Messstellen seien bereits die niedrigsten jemals gemessenen Werte erreicht worden. „Vor allem im Inn- und Hausruckviertel haben wir sehr niedrige Grundwasserstände, etwa im Bereich Schärding und Braunau“, so Kickinger. Man liege schon deutlich unter der natürlichen Schwankungsbreite. 

Begonnen hätten die Probleme bereits 2024, so der Hydrologe. Gab es im September noch  extreme Niederschlägen mit kurzfristigen Regenmengen von 300 bis 400 Liter je Quadratmeter, so seien danach die Grundwasserspiegel tendenziell gesunken. Unterbrochen wurde der Abwärtstrend lediglich im Juli 2025. Heuer habe es bislang nur im Februar eine erkennbare Erholungsphase gegeben. 

Grundwasser lässt sich nicht kurzfristig auffüllen. Je nach Region und geologischen Verhältnissen liegt es etwa sechs bis 100 Me­ter und mehr unter der Erdoberfläche. Zwischen einem Niederschlagsereignis und der tatsächlichen Auffüllung des Grundwasserkörpers können Wochen oder Monate liegen. „Bis wieder normale Grundwasserspiegel erreicht sind, braucht es nun jedenfalls Monate mit überdurchschnittlichen Regenmengen“, so Kickinger. 

„Bis wieder normale Grundwasserspiegel erreicht sind, braucht es nun jedenfalls Monate mit überdurchschnittlichen Regenmengen.“
PETER KICKINGER

Den eigenen Hausbrunnen kennen

Besonders aufmerksam sollten derzeit jene sein, die ihr Trinkwasser aus einem eigenen Hausbrunnen beziehen. Rund 15 Prozent der Bevölkerung Oberösterreichs werden über Einzelwasserversorgungsanlagen wie Hausbrunnen oder Quellen versorgt. Kickinger rät Brunnenbesitzern, sich mit dem Zustand und der Leistungsfähigkeit ihrer Anlage auseinanderzusetzen. „Jeder sollte über seinen eigenen Brunnen Bescheid wissen. Wie ist mein Grundwasserstand?
Wie viel habe ich noch?“, so Kickinger. In Zeiten wie diesen sei natürlich auch ein sorgsamer Umgang mit der Ressource Wasser nötig. 

Die Menge ist allerdings nur eine Seite des Problems. Bei Hausbrunnen spielt auch die Qualität eine entscheidende Rolle. Private Brunnen werden nicht regelmäßig überwacht und kontrolliert. Nach starken Niederschlägen kann Oberflächenwasser problematisch werden. Undichte Brunnenwände, beschädigte Abdeckungen oder eine schlechte Abdichtung können dazu führen, dass Verunreinigungen ins Wasser gelangen. Das Land Oberöster-reich unterstützt Hausbrunnenbesitzer mit der Aktion „Für unser Trinkwasser unterwegs“. Ein Laborbus kann angefordert werden, um Brunnen und Quellen zu begutachten und Wasserproben untersuchen zu lassen. 

Sollte die Grundwassersituation über längere Zeit angespannt bleiben, erwartet Kickinger auch zunehmende Nutzungskonflikte. Zudem werde die Wasserqualität eine immer bedeutendere Rolle spielen, ist Kickinger überzeugt. Fließgewässer, die weniger Wasser führen und nicht mehr ordentlich rinnen, und die hohen Temperaturen würden zu mehr Problemen in Flüssen und Seen führen.  

Die „Gießkanne“ leert sich

Wie tiefgreifend der Klimawandel den Wasserhaushalt verändert, erläuterte der Ökologe und Klimaforscher Christian Griebler, Grundwasserexperte an der Universität Wien, in einem Interview mit dem Radiosender Ö1. Auf die Frage, ob die durch die Erwärmung schmelzenden Gletscher nicht zumindest vorübergehend zusätzliche Wasserreserven bereitstellen, verwies er darauf, dass das momentan noch passieren würde, die Pegel im Tal aber dennoch niedrig seien. „Diese Gießkanne ist in 20 bis 40 Jahren leer, dann werden etwa die Flüsse noch mehr austrocknen. Obwohl wir es wissen, können wir uns das noch gar nicht vorstellen“, so Griebler. Er erläuterte auch, dass jede Temperaturzunahme um ein Grad Celsius um sieben Prozent mehr Luftfeuchtigkeit bedeute. „Die Atmosphäre holt sich Wasser vom Boden und behält es. Das heißt, wir verlieren Wasser. Das betrifft auch Länder wie Österreich, wo man lange keine Sorgen damit hatte“, so Griebler.

Trinkwasser: Keine Panik, aber Achtsamkeit durchaus gefragt

Von einem flächendeckenden Trinkwassermangel ist Oberösterreich derzeit dennoch weit entfernt. Der bundesweite Trinkwassersicherungsplan – dieser wurde 2023 vorgelegt– ordnet das Bundesland aktuell der Stufe „Achtsamkeit“ zu, der ersten von insgesamt vier Stufen. Ein Grund zur Panik besteht also nicht. Ein Grund, genauer hinzu­sehen, allerdings schon. 

Trinkwasserversorgung
In Oberösterreich gibt es etwa 90.000 Hausbrunnen und Quellen, die zur Trinkwasser-versorgung herangezogen werden. Neben den großen Trinkwasseranbietern gibt es rund 350 kommunale Anlagen und etwa 1.150 Wassergenossenschaften. 74 Prozent der Bevölkerung beziehen ihr Wasser von Gemeinde-Versorgungsanlagen, 15 Prozent von einer Einzelwasserversorgung und elf Prozent von Wassergenossenschaften. 

Bildquellen

  • 6_Kasten_AdobeStock_705937974: Joseph Maniquet - stock.adobe.com
  • 6_HB_AdobeStock_93393850: arttim - stock.adobe.com