Brauchtum

Horn auf, blast an

Die Jagdhornbläser sind mit ihrer Musik ein lebendiger Teil des jagdlichen Brauchtums und der Volkskultur.


Horn auf, blast an“ – so lautet das Aviso eines Hornmeisters an seine Jagdhornbläser-Kameraden, bevor ein Stück erklingt. Was heute vor allem mit Brauchtum, Geselligkeit und musikalischer Freude verbunden wird, hat seinen Ursprung in einer Zeit, als das Jagdhorn ein wichtiges Verständigungsmittel war. 

Vom Signal zum Kulturgut

Die Signale der Jäger bildeten den Ausgangspunkt der gesamten jagdmusikalischen Entwicklung. Über weite Entfernungen konnten sich Jäger einst nur schwer verständigen. Das Signalhorn konnte deshalb über Erfolg oder Misserfolg einer Jagd, mitunter sogar über Leben und Tod entscheiden. Auch bei höfischen Prunk- und Parforcejagden waren die Hörner ein wichtiger Bestandteil. Mit dem Ende der Monarchie kam das Jagdhornblasen weitgehend zum Erliegen. Erst in den 1960er-Jahren wurden in allen Bezirken Oberösterreichs wieder Jagdhornbläsergruppen gegründet – und damit wurde der alten Tradition wieder neues Leben eingehaucht.

Die Jagdhornbläser sind die sichtbaren und akustischen Vertreter des Weidwerks.

Musikalische Vielfalt

Heute ist das Jagdhorn längst mehr als ein Signalinstrument. In Oberösterreich gibt es mittlerweile 76 Jagdhornbläsergruppen mit mehr als 1.000 Bläsern. Mit großem Idealismus wurde ein musikalisches Niveau erreicht, das nicht nur national, sondern auch international jedem Vergleich standhält.

„Es reizt mich, den ursprünglich natürlichen Klang des Jagdhorns virtuos zu spielen“, erklärt Landeshornmeister Franz Kastenhuber. Er selbst hat knapp 100 Kompositionen für die Jagdhornbläser geschrieben – darunter den OÖ. Jägermarsch, die OÖ. Jagdfanfare und die OÖ. Jägermesse. Sein musikalisches Schaffen beschränkt sich allerdings nicht ausschließlich auf die klassischen Formen, auch Landler und Walzer gehören dazu: „Je breiter des Repertoire ist, desto mehr Spaß macht auch das Spielen.“ Mittlerweile werden seine Stücke von Jagdhornbläsern in ganz Europa aufgeführt.

Natürliche Klänge

Die musikalische Vielfalt zeigt sich auch in den unterschiedlichen Besetzungen. Ursprünglich wurde nach deutschem Vorbild mit reinen Plesshorngruppen musiziert. Bald kamen Parforcehörner in B dazu, wodurch sich der Tonumfang um eine Oktave erweiterte und mehrstimmiges Musizieren möglich wurde. 

Eine besondere Herausforderung liegt dabei in der Natur des Instruments: Jagdhörner können grundsätzlich nur Töne aus der Naturtonreihe hervorbringen. Die Anzahl dieser Naturtöne ist bei den B-Hörnern – je nach Können – mit sechs bis acht Tönen begrenzt und baut sich aus der Obertonreihe auf. Gerade diese Begrenzung macht für Kastenhuber den besonderen Reiz aus: „Man kann auch mit einfachen Mitteln viel rüberbringen.“

In Oberösterreich gibt es daneben auch Gruppen mit Es-Hörnern. Diese sind länger und verfügen durch ein Umschaltventil über einen größeren Tonumfang. 

Für Kastenhuber macht aber nicht allein die Beherrschung des Instruments gute Jagdmusik aus. „Die Qualität in der Jagdhornmusik liegt im Wohlklang der Stimmen zueinander, in der Klangfarbe, in der rhythmischen Vielfalt, der dynamischen Abstufung und der Kraft, die diese Musik ausstrahlt“, betont der Landeshornmeister.

Landeshornmeister Franz Kastenhuber

Botschafter der Jagd

Ihre wichtigste Aufgabe haben die Jagdhornbläser heute bei der Umrahmung jagdlicher Veranstaltungen. Sie spielen bei Streckenlegungen, Jagdausstellungen, Jägerhochzeiten und Begräbnissen ebenso wie bei Bezirksjägertagen, Hubertusmessen, Jägerbällen oder Jubiläen. Gleichzeitig bringen sie ihre Musik aber auch zu der nicht-jagenden Bevölkerung: bei Weihnachtsmärkten, Genussfesten, Volksmusiktreffen sowie bei Veranstaltungen in den Gemeinden und Pfarren.

Damit leisten sie auch einen wichtigen Beitrag zur Vermittlung des jagdlichen Brauch­tums, wie Landesjägermeister Herbert Sieghartsleitner betont: „Die Jagdmusik ist eine wesentliche Säule und Besonderheit der alpenländischen Jagdkultur. Sie drückt aus, dass Jagd so viel mehr ist als Beute zu machen. Die Jagdhornbläser sind somit auch die Botschafter der Jagd in die Gesellschaft.“

Auch Rudolf Kern, Landesobmann der OÖ. Jagdhornbläser, hebt die besondere Rolle der Jagdmusik hervor: „Das Vergnügen und der unermüdliche Einsatz unserer Jagdhornbläsergruppen, sei es in ureigenster Form bei Jagden, aber auch bei kulturellen Veranstaltungen, machen eine Feier zum Fest. Es ist ein edler Brauch und ein wunderbares Kulturgut, das Freude bereitet und Respekt verlangt.“

So ist aus einem einst lebenswichtigen Signalinstrument ein lebendiges Stück oberösterreichischer Volks- und Jagdkultur geworden. Die Hörner begleiten heute nicht nur die Jägerschaft, sondern tragen das jagdliche Brauchtum auch weit über die Grenzen der eigenen Reihen hinaus.

Historische Entwicklung
Das Jagdhorn hat eine lange Geschichte als Kommunikations- und Signalins­trument. Ursprünglich nutzten Jäger dafür ausgehöhlte Tierhörner. Das weithin hörbare Horn diente auf der Gesellschaftsjagd als Verständigungsmittel, um Befehle und Hunde über große Distanzen zu lenken. Die Töne waren somit früher eine wichtige Voraussetzung dafür, dass die Jagd in der Gruppe erfolgreich ablaufen konnte.


Bildquellen

  • 22-35 Jagdhorn cmyk: Foto: LaL/Fleischanderl