Viel Wert für wenig Geld
Von den 4.170 Euro, die ein durchschnittlicher Haushalt pro Monat ausgibt, entfallen 484 Euro auf den Lebensmitteleinkauf – prozentuell weniger als noch vor fünf Jahren.
Ein durchschnittlicher österreichischer Haushalt gibt monatlich 4.170 Euro aus. Das geht aus der Konsumerhebung 2024/25 der Statistik Austria hervor. Der größte Anteil entfällt dabei auf Wohnen und Energie: Mehr als ein Viertel der Ausgaben (26,4 Prozent) – rund 1.100 Euro – fließt in diesen Bereich.
An zweiter Stelle folgen mit 13,6 Prozent die Ausgaben für Verkehr. Für Ernährung und alkoholfreie Getränke werden 11,6 Prozent des Haushaltsbudgets aufgewendet – und damit noch etwas weniger als bei der vergleichbaren Erhebung 2019/20, wo der Anteil bei 12,1 Prozent lag. „Lebensmittel sind also nicht die Preistreiber, als die sie oft vorschnell bezeichnet werden“, sagt Oberösterreichs Agrarlandesrätin Michaela Langer-Weninger.
Die viertgrößte Position auf der Ausgabenrechnung und ebenfalls noch im zweistelligen Prozentbereich ist Freizeit, Sport und Kultur mit 11,4 Prozent knapp hinter den Lebensmittelkosten.

40 von 100 Euro gibt der Österreicher für Wohnen, Energie und Verkehr aus, für Lebensmittel und alkoholfreie Getränke sind es 11,60 Euro.
Quelle: Statistik Austria, Konsumerhebung 2024/25;
Grafik: LustaufsLand
Niedriger Anteil im EU-Vergleich
Auch im europäischen Vergleich fallen die Lebensmittelkosten in Österreich relativ moderat aus. Laut Eurostat machten die Ausgaben für Ernährung und alkoholfreie Getränke im Jahr 2024 EU-weit durchschnittlich 13,2 Prozent des Haushaltsbudgets aus.
Vertreter der heimischen Landwirtschaft fordern seit Jahren eine fairere Verteilung der Wertschöpfung entlang der Lebensmittelkette. Bäuerinnen und Bauern als Urproduzenten erhielten nur einen geringen Anteil. „Von 100 Euro, die wir für Lebensmittel ausgeben, kommen nur rund vier Euro am Hof an“, sagt Langer-Weninger. Heimische Qualität und hohe Produktionsstandards hätten ihren Wert – entsprechend müsse mehr der Wertschöpfung auch bei den Produzenten ankommen.
Der Bauernbund hat daher im Jänner die Kampagne „Schleuderpreise stoppen“ gestartet, mit der er sich auch gegen den „Dauer-Aktionsmodus“ bei Grundnahrungsmitteln verwehren will. Auf einer eigens aufgelegten Internet-Seite gibt es neben Informationen auch die Möglichkeit, den Bauern-Anteil von verschiedenen Lebensmitteln zu berechnen und eine Petition zu unterzeichnen (www.schleuderpreise-stoppen.at).
Zwei Monatseinkäufe im Müll: „Das Leben ist teurer geworden, keine Frage. Aber die Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion sind nicht die ausschlaggebenden Faktoren dafür, sondern etwa steigende Energie- und Wohnkosten“, betont Hannes Royer, Gründer des Vereins „Land schafft Leben“.
Der vergleichsweise geringe Anteil der Lebensmittel am Haushaltsbudget werde in Debatten über hohe Preise oft übersehen. „Obendrein werfen wir im Laufe eines Jahres durchschnittlich Lebensmittel im Wert von zwei Monatseinkäufen weg“, sagt Royer.
Stadt und Land: Unterschiede
Zwischen Stadt und Land zeigen sich deutliche Unterschiede im Ausgabeverhalten. Haushalte in ländlichen Gebieten sind im Schnitt größer und geben daher insgesamt mehr aus: Mit rund 4.460 Euro pro Monat liegen ihre Ausgaben etwa sieben Prozent über dem Österreichschnitt und rund 16 Prozent über jenen von Haushalten in Gemeinden mit mehr als 20.000 Einwohnern.
Zudem fließt am Land deutlich mehr Geld in Mobilität. Pendelwege und eine höhere Fahrzeugdichte spielen dabei eine zentrale Rolle. Mehr als 90 Prozent der Haushalte in ländlichen Regionen besitzen ein eigenes Auto, in Wien ist das hingegen nur knapp jeder zweite. Umgekehrt geben Wiener Haushalte rund ein Viertel mehr Geld für Freizeit aus als Haushalte in Gemeinden mit bis zu 2.500 Einwohnern. Besonders stark fällt dabei laut Analyse der Posten Urlaubsreisen ins Gewicht.
Differenzen nach Einkommen
Deutliche Differenzen zeigen sich auch je nach verfügbarem Einkommen. Im untersten Zehntel der Haushalte machen Ausgaben für Wohnen und Energie 46,7 Prozent des Budgets aus, im obersten Zehntel hingegen nur 22,5 Prozent. Noch stärker ist die Spannweite im Bereich Freizeit, Sport und Kultur: Hier reicht der Anteil von 3,2 Prozent bei Haushalten mit geringem Einkommen bis zu 14,3 Prozent bei jenen mit dem höchsten Monatsbudget.
Konsum im Visier
Die durchschnittliche Haushaltsgröße beträgt in Österreich 2,17 Personen, insgesamt gibt es 4,2 Millionen Haushalte. Gesammelt wurden die Daten für die jüngste Konsumerhebung im Zeitraum April 2024 bis Mai 2025. 6.689 Haushalte – sie wurden per Zufallsverfahren ausgewählt – haben dafür sämtliche Ausgaben dokumentiert. Ermittelt wurden daraus durchschnittliche monatliche Ausgaben von 4.170 Euro pro Haushalt. Zum Vergleich: Gegenüber der vorhergehenden Konsumerhebung 2019/20 (damals lag der ermittelte Betrag bei im Schnitt 3.250 Euro pro Haushalt) sind die Ausgaben um rund 28 Prozent gestiegen.
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