Lebensmittel & Ernährung

Vor dem Holunder den Hut herunter

Allrounder –  Holler ist gesund und hat vielfältige Verwendungsmöglichkeiten.

Ein altes Sprichwort besagt, dass man vor jedem Holunderstrauch den Hut ziehen soll. Er verdient es in der Tat, denn seine Verwendungsmöglichkeiten sind vielfältig. Der Holunder, oder auch Holler genannt, war schon den Steinzeitmenschen bekannt und die alten Griechen und Römer wussten ihn als heilsames Mittel einzusetzen. Zahlreiche Heilkundige, angefangen von Hippokrates im vierten Jahrhundert vor Christus bis hin zu Hildegard von Bingen, schworen auf seine Kräfte. Unsere Vorfahren glaubten auch daran, dass der Strauch Haus und Hof vor allem Unheil bewahrt. Der Schutz vor Blitzschlag bis hin zur Abwehr von bösen Geistern wurden dem Holunder nachgesagt.

Von der Blüte bis zur Beere

Wenn es im Frühsommer im Grünen besonders aromatisch duftet, blüht der Holunder. Der Strauch mit seinen sinnlich weißen Blüten fügt sich nicht nur wunderschön in die Sommerlandschaft ein, die Holunderblüten kommen auch sehr vielseitig zum Einsatz. Der Saft ist leicht und erfrischend und verleiht zum Beispiel einem Weiß-Gespritzten einen besonderen Geschmack. Mit Teig umhüllt und gebacken wird er gerne als „Hollerküchl“ oder „Holunderstrauben“ in der Küche eingesetzt. Aus der Blüte entwickelt sich daraufhin ein Samen, der von einem verholzten Kern umschlossen wird, saftiges Fruchtfleisch bildet die Schale. Anfangs sind die als Steinfrüchte geltenden Beeren leuchtend rot, im Laufe der Reifezeit werden sie aber immer dunkler, bis sie Ende August, Anfang September in Violett bis Schwarz ihre volle Reife erlangen. Auch die Beeren ergeben einen sehr geschmackvollen Saft und werten als Hollerröster jeden Kaiserschmarrn auf. Die Beeren sollten nicht roh und schon gar nicht unreif verspeist werden, das kann zu Übelkeit und Erbrechen führen.

Sowohl die Blüten als auch die Beeren lassen sich gut mit Brombeeren, Zwetschken, Äpfeln und Birnen kombinieren. Der Apfel-Holundersaft ist in der Direktvermarktung zu einem sehr populären und gefragten Produkt geworden. Zu Likör angesetzt, schmeckt er nicht nur, sondern regt auch die Verdauung an.

Heilkunst und Industrie

In der gesundheitlichen Wirkung erweist sich der Holunder mehr und mehr als Allround-Talent. Die Holunderblüten enthalten Flavonoide, welche die Wirkung von Vitamin C verstärken. Aus getrockneten Holunderblüten lässt sich ein schweißtreibender Tee zubereiten, der bei Erkältungskrankheiten und Fieber nahezu Wunder wirkt. Die Beeren sind reich an Mineralstoffen und Vitamin C. Die enthaltenen „Anthocyane“, die zu den sekundären Pflanzenstoffen zählen, schützen die Zellen und wirken gegen „freie Radikale“ im Körper.

Auch in der Nahrungsmittelindus­trie hinterlässt die Holunderbeere ihre Spuren – nämlich als natürlicher Farbstoff mit noch dazu gesundheitlicher Wirkung. Durch eine EU-Verordnung aus dem Jahr 2009, wonach die Verwendung künstlicher Farbstoffe von Lebensmittelproduzenten auf dem Produkt ausgewiesen werden muss, erlebte der Holler einen regelrechten Boom. Er gibt beispielsweise den roten Gummibärchen seine Farbe oder wird in Erdbeerjoghurts in der Fruchtzubereitung eingesetzt. Bei der Lese der Beeren sollte man sich beeilen, denn auch Vögel haben die Früchte zum Fressen gern.

Konsumentenzeitung Lust aufs Land, 16.06.2015

Hier geht’s zum Bildstreifen:

Vom Holunder zum Saft

Bildquellen

  • Holler: Fotolia – Glaser

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