Gut gekleidet – mit gutem Gewissen

Ökokleidung – Wer auf einen Chemiecocktail in Textilien verzichtet, schont Umwelt und Gesundheit gleichermaßen. Dazu kann man auch soziale Kriterien beachten. 

Bio gibt es nicht nur zum Essen, sondern auch zum Anziehen: Kleidung, die ökologisch korrekt produziert worden ist, darf sich mit dem Öko-Kürzel schmücken. Wobei diese ihr ursprüngliches Image längst abgelegt hat und dem Klischee von Batik-Tüchern und selbst Gefilztem nicht mehr entspricht.

Öko-Mode gibt es in mehreren Varianten: biologisch, fair, aus recycelten Materialien, vegan oder Second-Hand. Die Nachfrage nach nachhaltigen Texti­lien ist – wenn auch nur langsam – im Steigen und damit wächst auch das Angebot.

Ökologische Kleidung liegt im Trend

„Ja, Öko-Kleidung boomt, aber man darf dabei nicht außer Acht lassen, dass der Textilverbrauch insgesamt boomt“, sagt Michaela Knieli, Textilexpertin bei „die Umweltberatung“. Die Beratungsorganisation beschäftigt sich seit mehr als zehn Jahren mit dem Thema ökologische Kleidung und beobachtet auch den Gesinnungswandel in der Gesellschaft. Mittlerweile ist es hip, Öko-Textilien zu kaufen.

Wer sich beim Kauf von Kleidung nicht nur an Modetrends und Preisen orientiert, sondern sich auch über den gesamten Herstellungsweg Gedanken macht, wird auf einige unschöne Details stoßen: Die sogenannte „textile Kette“, die vom Anbau der Faser über Produkti­on, Veredelung, Verkauf und Gebrauch der Stücke bis hin zur Entsorgung oder Verwertung reicht, wird nur allzu oft begleitet von extremen Umweltbelastungen, bedenklichen Chemikalien und soziale Missständen. Laut „die Umweltberatung“ werden in der Textilindustrie mehr als 7300 verschiedene Chemikalien in der Produktion und Veredelung eingesetzt, dazu kommen 1500 verschiedene Farbstoffe. Durch Schweiß und Körperwärme lösen sich diese Chemikalien aus den Kleidungsstücken und können in die Haut eindringen. Doch es gibt auch umweltschonend produzierte und sozial gerecht hergestellte Textilien. Erkennbar sind diese an bestimmten Gütesiegeln unabhängi­ger Organisationen und Institute.

„Die Textilindustrie ist globalisiert. Es gibt kein einheitliches Zeichen. Im Öko-Bereich am wichtigsten ist der Global Organic Textile Standard, kurz GOTS. Dieses Zeichen steht für die Kon­trolle der gesamten textilen Kette“, sagt Michaela Knieli. Es gibt eine Vielzahl an verwendeten Labels, die sich jedoch nach unterschiedlichen Kriterien richten. Es gibt Zeichen, die Gesundheits-, Umwelt- und soziale Kriterien berücksichtigen, andere wiederum neh­men nur eine oder zwei der genannten Kate­gorien ins Visier. Bei den Gesundheitskriterien geht es um die Rückstände im fertigen Kleidungsstück, bei den Umweltkriterien wird vom Anbau des Rohstoffs bis hin zur Endfertigung jeder Schritt auf seine ökologische Verträglichkeit untersucht. Die sozialen Kriterien beziehen sich auf die Arbeitsbedingungen der Menschen in der Textilproduktion, vom Feld bis zur Näherei. Ein Überblick über bedeutende Gütesiegel für ökologische Standards finden sich im Infokasten links, detaillierte Informationen gibt es in der Broschüre „Schickes Outfit“, herausgegeben vom Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft.

Öko-Jeans: Ein Stück Natur aus dem Mühlviertel

Der Großteil der Textilien kommt aus Asien, die europäischen Anteile an der Produktion sind gering. Ein Pionier in Sachen Öko-Gewand ist Stefan Fölser aus Helfenberg. Er fertigt seit 1999 Öko-Jeans, in deren Stoffen 40 Prozent heimischer Rohstoff stecken – nämlich Leinen aus ökologischer Mühlviertler Produktion. Darüber hinaus werden abgesehen vom Spinnvorgang alle Produktions- und Veredelungsschritte in Österreich gemacht. Etwa 450 Jeans aus dem Hause Naturfaser Fölser werden pro Jahr maßgefertigt und an Kunden aus ganz Österreich verschickt.

Bewusstes Verhalten beim Kleider-Kauf äußert sich aber nicht nur in der Wahl von fair und ökologisch produzierter Ware. Ein entscheidender Schritt ist auch, sein persönliches Konsumverhalten zu überdenken und sich zu fragen, ob man ein weiteres Stück wirklich braucht. „‚Weniger ist mehr‘ ist im Textilbereich ein wesentlicher Grundsatz“, sagt Michaela Knieli.

Schonender Umgang und lange Nutzungsdauer

Eine lange Nutzungsdauer sei ebenso ein ökologischer Ansatz wie umweltschonendes Waschen bei niedriger Temperatur und mit wenig Waschmittel. Weiters empfiehlt die Expertin, Second-Hand-Angebote zu nutzen, im Freundeskreis zu tauschen oder nicht mehr Benötigtes zu verkaufen. Auch professionelles „Aufpeppen“ von alten Kleidungsstücken – in der Branche als „Upcycling“ bezeichnet – wird vereinzelt angeboten. Weitere Tipps:

  • Naturfasern vermitteln Tragekomfort und sind biologisch abbaubar
  • Textilien mit dem Hinweis bügelfrei oder knitterarm sind meist chemisch ausgerüstet.
  • Auf die Pflegekennzeichnung achten: Je weniger durchgestrichene Symbole desto pflegeleichter ist die Kleidung.

Konsumentenzeitung, 29.08.2017

Bildquellen

  • Stoff: Fotolia - Fields

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