Flockige Verwirrung

Ein Store-Check des Bauernbundes zeigt auf: Es gibt kaum österreichischen Hafer im Müsli. Das im Supermarkt zu erkennen ist für Konsumenten aber kaum oder gar nicht möglich.

Das Frühstück ist nach ernährungswissenschaftlichen Kriterien die wichtigste Mahlzeit des Tages und Müsli für die Österreicher dabei ein wichtiger Bestandteil. Wer sich bewusst ernähren will, achtet immer öfter auch auf die Herkunft seiner Lebensmittel. Gerade bei Getreide gehen viele Konsumenten oft automatisch davon aus, dass es aus Österreich kommt. Doch das Gegenteil ist der Fall. Ein vor kurzem durchgeführter Regionalitäts-Check des Bauernbundes hat bestätigt, dass es sich dabei um einen Irrglauben handelt. Wegen fehlender Kennzeichnung lässt sich im Geschäft zudem leider kaum herausfinden, ob man nun ein österreichisches Produkt in Händen hält oder nicht. 


Große Auswahl aber kaum heimische Herkunft

Nur jedes fünfte Produkte mit Hafer aus Österreich

Die Ergebnisse sind ernüchternd: Bei lediglich 21 Prozent der untersuchten Haferflocken war Österreich als Herkunftsland angegeben. Beim Müsli stammen gar nur bei einem einzigen der getesteten Produkte die Haferflocken aus Österreich. „Je höher verarbeitet ein Produkt, desto mehr wird auf importierte Ware zurückgegriffen“, erklärt Bauernbund-Landesobmann und Agrarlandesrat Max Hiegelsberger und zeigt sich über die schlechte Nachvollziehbarkeit entsetzt.

Bei den restlichen Haferflockenprodukten stammt der Hafer aus Deutschland, Dänemark, Finnland, Schweden, Polen oder Litauen. Diese Angaben machten die Hersteller auf explizite Nachfrage der Store-Checker, denn oft ist am Etikett lediglich „Hafer aus EU/nicht EU“ angegeben, jedoch nicht das konkrete Herkunftsland. Bei einem Produkt gibt es trotz Nachfrage gar keine Information über das Ursprungsland.

Für Verwirrung sorgt eine bekannte Eigenmarke: Auf der Verpackung prangt plakativ die Aufschrift „Abgepackt in Österreich“, noch dazu mit rot-weiß-roter Andeutung. Drin ist aber nicht immer heimischer Hafer. Je nach Verfügbarkeit kommen die Haferflocken aus Österreich und Deutschland. Wie bei vielen anderen Produktgruppen bedeutet auch bei Haferflocken oder Müsli eine rot-weiß-rote Fahne auf der Verpackung oder auf dem Preisschild nicht automatisch, dass der Hafer aus Österreich stammt. Für den Bauernbund ist diese Form der  Herkunftsangabe nicht transparent. Man ortet eine Irreführung der Konsumenten. „Nur wo auch wirklich Österreich als Ort der Produktion verzeichnet ist, ist auch heimische Qualität drinnen. Tricksereien wie „verpackt in Österreich“ sollten endlich der Vergangenheit angehören“, stellt Hiegelsberger unmissverständlich klar. 

„Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser. Das zeigt der aktuelle Store-Check bei Haferflocken wieder deutlich auf.“

Agrarlandesrat und Bauernbund-Obmann Max Hiegelsberger

Der Bauernbund sieht den Schlüssel für lückenlose Transparenz in der Ausweitung der Herkunftskennzeichnung. „Wir
drängen schon lange auf eine durchgängige und nachvollziehbare Kennzeichnung der Lebensmittelherkunft. Eine zentrale Maßnahme muss hier die Ausweitung des staatlich anerkannten AMA-Gütesiegels auf neue Produktgruppen sein, im konkreten Fall auf Getreide und Getreideprodukte wie Backwaren“, fordert Bauernbund-Direktor Wolfgang Wallner, denn wo keine Regionalität drinnen ist, dürfe dies auch nicht suggeriert werden.

Birchermüsli: Nur ein Produkt aus Österreich

Bei einem einzigen von elf getesteten Produkten stammen die Haferflocken im Frühstücksmüsli nachweislich aus
Österreich. Bei drei Produkten konnte das Herkunftsland nicht eruiert werden (Hafer aus EU/nicht EU).

Quelle: Bauernbund

Glyphosat: Keine Rückstände bei Hafer aus Österreich

Ein weiterer Aspekt des breit angelegten Store-Checks war das Thema Glyphosat. Insgesamt wurden elf Haferflocken-Produkte auf Rückstände dieses Pflanzenschutzmittels untersucht. Erfreuliches Ergebnis:  Österreichische Lebensmittel weisen keinerlei Glyphosat-Rückstände auf. Solche Rückstände konnten jedoch bei zwei Produkten aus der EU – wenn auch nur in Spuren und deutlich unter den Höchstgrenzen – nachgewiesen werden. „In der EU gelten für Pflanzenschutzmittel strengste Auflagen, Österreich geht hier noch weiter. Um mit Lebensmitteln nicht in Berührung zu kommen, darf Glyphosat bei uns nur vor der Saat oder nach der Ernte angewendet werden. Wer heimisches Müsli kauft, kann sich also auf allerhöchste Qualitätsstandards und höchste Sorgfalt beim Pflanzenschutzmitteleinsatz verlassen“, betont Wallner.

Bereits jetzt nehmen mehr als 80 Prozent der Bäuerinnen und Bau­ern freiwillig am Österreichischen Programm für umweltgerechte Landwirtschaft (ÖPUL) teil. „Wer regional kauft, kauft gleichzeitig Kulturlandschaft, beste Qualität, Klimaschutz und Artenreichtum“, sind sich Hiegelsberger und Wallner einig.

Fazit: Produkte, welche die heimischen Bäuerinnen und Bauern in hoher Qualität produzieren, werden in großen Mengen importiert. Um wirklich sicher sein zu können, woher die verarbeiteten Produkte kommen, müssen Konsumenten einen hohen Aufwand betreiben. Daher wäre es wünschenswert, dass auch in fertig verpackten Müslis vermehrt heimische Produkte verarbeitet werden. 

„Das Können unserer Bäuerinnen und Bauern und die strengen gesetzlichen Richtlinien sorgen für die international anerkannte Qualität und Sicherheit unserer Lebensmittel. Die Menschen möchten heimische Lebensmittel kaufen. Das muss ihnen durch ein entsprechendes Angebot im Handel und eine durchgehende Kennzeichnung auch ermöglicht werden. Im Zweifel hilft daher nur eines: Produkte vom regionalen Direktvermarkter kaufen“, empfiehlt Hiegelsberger.

Glyphosatrückstände bei ausländischem Hafer

In zwei von elf Haferflocken-Produkten konnten Glyphosatrückstände nachgewiesen werden: Bei diesen zwei Proben stammt der Hafer aus den nördlichen Produktionsländern (Deutschland, Dänemark, Finnland, Schweden, Polen, Litauen), wo die Anwendung von Glyphosat nicht so dezidiert ausgeschlossen werden kann wie in Österreich.

Quelle: Bauernbund

Bildquellen

  • Haferflocken_Supermarkt: LustaufsLand/Mursch-Edlmayr
  • Haferflocken-Grafik: Jacek Fulawka - stock.adobe.com
  • Müsli: photocrew - stock.adobe.com
  • Haferflocken: Vladislav Nosik - stock.adobe.com