Feuer und Flamme

WOHNEN. In den kalten Wintermonaten suchen wir die Wärme unseres Zuhauses. Eine besonders stilvolle Option Wärme, Romantik und Behaglichkeit ins Eigenheim zu holen, ist der Kamin.

Orangerote Lichter, die um gestapelte Holzscheite züngeln. Ein leises Knacken und Knistern erfüllt den Raum. Wärme beginnt sich langsam in unsichtbaren Wellen im Zimmer auszubreiten. Kurzum – der Kamin ist entfacht. 

Ein Spektakel, das besonders an kalten Wintertagen reizvoll ist. Denn wenn die Tage kälter und kürzer werden, sehnt sich der Mensch nach Wärme, Licht und Geborgenheit. Es zieht ihn von draußen in die eigenen vier Wände. Kuschlige Decken, warme Wollsocken, ein heißer Tee – Behaglichkeit schafft vieles. Doch das Feuerspiel, das ein Kamin bietet, bleibt unübertroffen, zieht doch das Feuer seit jeher den Menschen in seinen Bann. 

Faszination Feuer

Mythen und Sagen ranken sich darum, wie das Feuer zum Menschen kam. Der griechischen Mythologie zufolge brachte Prometheus, Bruder des Zeus, den Menschen das Feuer. Er entzündete dazu den Stängel des Riesenfenchels an der Sonne und brachte es so auf die Erde. Pragmatischer sieht es die Wissenschaft. Diese vermutet, dass Homo Erectus vor circa 1,8 Millionen Jahren erstmals durch Blitzschlag entstandenes natürliches Feuer nutzte, indem er
es als Lagerfeuer am Leben hielt. Nach und nach wurde der Mensch sesshaft und holte sich das Feuer ins Heim. Die ersten Kamine entstanden.

Das Lagerfeuer für drinnen 

Früher eine Notwendigkeit, um den Raum und das Haus zu beheizen, heute ein Luxus – der Kamin. Ein Luxus, den nicht jeder Häuslbauer als notwendig erachtet. Kosten und Nutzen scheinen sich nicht zu relativieren. Nicht selten stellt sich aber nach ein paar Jahren der Wunsch nach mehr Behaglichkeit, Wärme und Romantik im Eigenheim ein. Ein Kamin muss her. 

Wer bereits einen Rauchfang vorgesehen hat, hat nun leichtes Spiel, braucht er diesen doch lediglich in Betrieb zu nehmen bzw. zu sanieren. Schwieriger wird es da schon ohne. Denn ohne Schornstein kein Kamin. Doch auch hier gibt es eine Lösung, weiß Hafnermeister Anton Lischka: „Am einfachsten ist es einen Edelstahlschornstein einzubauen.“ Bleibt nur noch die Frage: offener Kamin, Heizkamin oder doch ein guter alter Kachelofen? 

Für jeden Geschmack einen Ofen

Die klassische und gleichzeitig ursprünglichste Variante ist der offene Kamin. Hier kann man das Knistern und Knacken noch hören. Denn anders als bei Heizkamin und Co. ist hier die Feuerstelle zum Raum hin offen. Das schafft Romantik, aber auch die Gefahr des Funkenflugs. Zudem benötigt der offene Kamin viel Holz und Luft, gibt aber gleichzeitig nur sehr wenig Energie, circa 15 Prozent, als Strahlungswärme ab. Als Sonderfeuerstätte darf diese Art des Kamins zudem nur „gelegentlich“ (circa 30-mal pro Jahr) beheizt werden. 

Der Experte empfiehlt daher den Einbau einer Kaminkassette: „Durch diese wird der Wirkungsgrad wesentlich erhöht. Trotzdem kann man über die Sichtscheibe das Feuerspiel beobachten.“ Im Fachjargon wird diese Kaminvariante als Heizkamin bezeichnet. Beheizt wird dieser ganz einfach, indem man Holz in den Brennraum füllt, dieses anzündet, die Sichtscheibe schließt und den außen liegenden Luftschieber öffnet. Dadurch kann der Wirkungsbereich auf 70 bis 80 Prozent erhöht
werden.

Ebenso eine Option, der Kachelofen – oder Speicherofen, wie er auch genannt wird. Früher noch vollends mit teuren Kacheln verziert, wird dieser heute auch verputzt oder mit Stein verkleidet angeboten. Ebenso möglich, der Einbau eines Sichtfenster mit Blick auf den Brennraum. Kamin und Kachelofen, sozusagen in Vollendung verbunden. Ein weiterer Vorteil: Der Kachelofen wird nur einmal beheizt, ein Nachlegen ist nicht erforderlich. „Aufgrund des integrierten Speichers gibt der Kachelofen bis zu zwölf Stunden Wärme ab“, erklärt Lischka.  Je nach Kaminart und Ausführungen differieren auch die Kosten. Ein „ordentlicher Kamin“ bewegt sich aber in einer Preisklasse von 6000 bis 10.000 Euro. „Ausführung und Qualität bestimmen den Preis“, so der Innviertler Hafnermeister.

Wirkungsgrad

Die physikalische Größe gibt die Energiebeute an. Dazu wird die zugeführte Energie in Verhältnis zur Nutzenergie gesetzt. Ausgedrückt wird der Wirkungsgrad in Prozent. Ein Wirkungsgrad von 100 Prozent bedeutet, dass die gesamte zugeführte Energie in Nutzenergie, also Wärme oder Licht, umgewandelt wird.

Pflege und Wartung

Während der Heizperiode muss grundsätzlich nur der Aschekasten regelmäßig geleert werden. Einmal im Jahr (Sommer) sollte der Ofen gründlich gereinigt werden. Dazu den Feuerraum und die Fugen
von festgesetzten hartnäckigen Ascheresten befreien. 

Die Wartung des Kamins obliegt dem Rauchfangkehrer. In periodischen Abständen reinigt dieser gründlich den Kaminofen und überprüft dabei, ob alle Dichtungen (Tür, Scheiben) sowie der Aschekasten funktionieren und das Isoliermaterial des Feuerraums intakt ist.

Nachwachsender Rohstoff

Jedes Jahr wächst in Oberösterreich fast doppelt so viel Holz wie genutzt wird. Alleine diese Versorgungssicherheit ist ein guter Grund für einen Holzofen. Zudem ist die energetische Nutzung von Holz klimafreundlich. Denn pro Kubikmeter Holz werden der Luft circa 1000 kg CO2 entzogen. Das entspricht einem Ballon mit dem Durchmesser von zehn Metern.  Weiters entspricht die Menge CO2, die bei der Verbrennung von Holz freigesetzt wird, jene, die auch beim natürlichen Abbau anfällt – nur eben ungenützt.

Einheizen leicht gemacht – Vom Brennholz zur knisternden Flamme

1

Brennholz sollte idealerweise zwei bis drei Jahre getrocknet werden. Feuchtes Brennmaterial hat einen geringen Heizwert.

2

Die Holzscheite mit ausreichend Abstand (circa zwei Zentimeter) kreuzweise schichten. Nie den ganzen Brennraum füllen.

3

Papier als Anzündehilfe ist ungeeignet. Verbrannte Druckerschwärze gibt Schadstoffe ab und die Asche behindert den Luftzug.

4

Kleine Holzscheite oder eine Anzündehilfe auf den Holzstapel geben. Das Feuer von oben entzünden.

5

Ist nur mehr die Grundglut übrig, kann nachgelegt werden. Bei einem Speicherofen sind nun hingegen alle Luftzugänge zu schließen.

6

Die Kamintür langsam öffnen. Nur so bleibt eine starke Rauchbildung aus. Das neue Holzscheit nachlegen. Am besten weit nach hinten.

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Bildquellen

  • Feuer: magdal3na – stock.adobe.com