Holz ist ein genialer Baustoff

WOHNEN. Holz fühlt sich gut an, sorgt für eine angenehme Atmosphäre, wächst laufend im Wald nach und hat auch hervorragende bautechnische Eigenschaften.

Oberösterreich ist ein Wald- und Holzland. Auf fast der Hälfte (42 Prozent) der gesamten Landesfläche bieten Wälder den Menschen Erholung und Schutz vor Naturgefahren. Zudem wächst in den heimischen Wäldern der natürliche Rohstoff Holz. Dieser erlebt als nachwachsender Bau- und Werkstoff eine Renaissance und wird auch bei der Energie­wende eine entscheidende Rolle spielen.

24 Prozent Holzbauanteil in Österreich

Holz zählt zu den Aufsteigern unter den Baustoffen. Laut einer Studie der Universität für Bodenkultur Wien hat sich der Holzbauanteil in Österreich zwischen 1998 und 2018 von 14 auf 24 Prozent (%)nahezu verdoppelt. Knapp ein Viertel des gesamten Bauaufkommens bei Gebäuden wird mittlerweile in Holz errichtet. Als Holzbauten werden dabei Gebäude verstanden, bei denen mehr als die Hälfte der tragenden Konstruktion aus Holz ist. 53 % des Holzbaus betreffen den Wohnbau (Ein- und Mehrfamilien­häuser sowie Zu- und Umbauten), 29 % landwirtschaftliche Zweckbauten, 11 % Gewerbe- und Industriebauten und 7 % sind Öffentliche Bauten. „Holzbau ist längst zum Standard geworden. Es sollte dabei verstärkt auf Hybridlösungen zurückgegriffen werden, denn jeder Werkstoff hat seine Vorzüge“, betont Georg Adam Starhemberg, Obmann von proHolz Oberösterreich.

Wissenswert
In einem Kubikmeter Holz sind circa 250 Kilogramm reiner Kohlenstoff enthalten, wofür der Atmosphäre 912 Kilogramm CO2 entzogen werden. Jede Sekunde wächst ein Kubikmeter Holz in Österreichs Wald nach. Somit bindet der Wald jede Sekunde etwa 250 Kilogramm Kohlenstoff bzw. 912 Kilogramm CO2. Etwa 40 Kubik­meter Holz stecken in einem Holzhaus. Diese Menge wächst in Österreichs Wäldern in nur 40 Sekunden nach
und bindet dabei 40 Tonnen CO2

Vom Einfamilienhaus zum mehrgeschoßigen Bau

Massive Holzplatten können heutzutage wie Stahlbetonplatten eingesetzt werden. Die Entwicklung flächiger Holzbauprodukte prädestiniert Holz nun auch für großvolumiges und mehrgeschoßiges Bauen. War der Holzbauanteil bei Mehrfamilienhäusern vor 20 Jahren mit gerade einmal einem Prozent noch verschwindend gering, liegt er inzwischen schon bei 11 %. Eine ähnliche Entwicklung vollzieht sich bei Öffentlichen Bauten wie beispielsweise Schulen, Kindergärten oder Pflegeheimen. Hier konnte sogar eine Steigerung von einem auf 19 % erreicht werden. Im Bereich des großvolumigen Bauens hat der Holzbau sein stärkstes Wachstum und auch für die nächsten Jahre sind weitere Steigerungen zu erwarten. Denn selbst Hochhäuser, U-Bahn-Stationen oder Fußballstadien werden neuerdings aus Holz gebaut. Gute Gründe für das Bauen mit Holz gibt es mehr als genug:

  • Klimaschutz
    Holzbauten verlängern den Kohlenstoffspeicher aus dem Wald. Jeder Kubikmeter verbautes Holz bindet eine Tonne CO2 langfristig. Jeder gefällte Baum schafft Platz für neue Bäume, die der Luft wiederum aktiv CO2 entziehen. Jedes Haus aus Holz trägt dazu bei, dass CO2-Emissionen aus der Herstellung anderer CO2-intensiver Baustoffe wie Beton oder Stahl vermieden werden.
  • Zuwachs
    Während andere Rohstoffe, die zum Bauen benötigt werden, immer knapper werden, wächst Holz laufend nach. In Österreichs Wäldern entsteht jede Sekunde ein Kubikmeter Holz. Das seit 300 Jahren gelebte Prinzip der Nachhaltigkeit stellt sicher, dass genug Holz vorhanden ist. Ein Drittel des jährlichen Holzzuwachses
    in Österreich würde bereits genügen, um das gesamte Hochbauvolumen eines Jahres in Holz zu errichten.
  • Wirtschaftsfaktor
    Holz als Baustoff zu nutzen und nicht gleich zu verheizen erhöht die Wertschöpfung, die mit dem heimischen Rohstoff erzielt werden kann. 300.000 Menschen leben in Österreich von Wald und Holz. Die Forst- und Holzwirtschaft zählt zu den größten Arbeitgebern des Landes und schafft Arbeitsplätze vor allem in ländlichen Regionen.
  • Hochentwickelter Baustoff
    Intensive Forschung und Entwicklung haben in den vergangenen Jahren neue Holzwerkstoffe hervorgebracht, die neue Bauweisen erlauben. Brettsperrholz – ein flächiges Holzprodukt aus mehreren kreuzweise übereinander gelegten und miteinander verleimten Holzlagen – hat den Holzbau revolutioniert und ist der Schlüssel zum Einsatz von Holz beim vielgeschoßigen Bauen. Die massive Holzplatte kann wie eine Stahlbetonplatte eingesetzt werden.
  • Gestaltungsvielfalt
    Computerbasierte Berechnungs- und Fertigungsmethoden erlauben völlig neue Formen der Gestaltung. Von weit gespannten Tragwerken bis zu Hochhäusern ist alles möglich. Immer mehr renommierte Architekten nutzen das Potenzial des Holzbaus. Das wahrscheinlich älteste Konstruktionsmaterial der Menschheitsgeschichte wird gerade zum Inbegriff moderner Architektur und Baukunst.
  • Vorfertigung
    Bauen mit Holz findet weniger auf der Baustelle, sondern vielmehr in der Produktionshalle statt. Wände, Decken oder sogar ganze Zimmer aus Holz werden präzise und witterungsunabhängig im Werk vorgefertigt. Die fertigen Gebäudeteile werden zur Baustelle transportiert und zusammengesetzt. Der Bau erfolgt lärm- und störungsarm. Die Gebäude sind in kürzester Zeit errichtet. Austrocknungszeiten wie beim Stahlbeton gibt es nicht.
  • Geringes Eigengewicht, hohe Tragfähigkeit
    Holz hat eine hohe Tragfähigkeit bei geringem Eigengewicht. Das bedeutet, dass Bauteile aus Holz leichter sind als gleichwertige aus Beton, Stahl oder Ziegel. Holzbauten brauchen dadurch kleinere Fundamente, was Platz und Kosten spart. Gebäudeaufstockungen sind aus statischen Gründen oft nur mit dem leichten Baustoff Holz möglich. Holz bietet dadurch einen entscheidenden Vorteil, wenn es um die Nachverdichtung in Städten geht.
  • Sicherheit
    Holz kann zwar brennen, dennoch sind Holzhäuser mindestens so sicher wie Häuser aus anderen Materialien. Wie alle anderen Bauten müssen Holzbauten die behördlichen Sicherheitsbestimmungen erfüllen. Wenn es zu einem Brand kommt, ist das Brandverhalten im Gegensatz zu anderen Baustoffen gut berechenbar und kontrollierbar. Holz brennt langsam ab. Unter der verkohlten Schicht bleibt es unbeschädigt, die Tragfähigkeit bleibt lange erhalten.
  • Raumklima
    Holz riecht gut, fühlt sich gut an und sorgt für eine angenehme Atmosphäre. Es ist ein warmer Baustoff, der dem menschlichen Körper keine Wärme entzieht. Holz kann Feuchtigkeit aufnehmen und abgeben und sorgt damit für ein natürlich reguliertes Raumklima.
  • Kein Abfall
    Holzhäuser können am Ende ihrer Lebensdauer einfach rückgebaut werden. Einzelne Bauteile können wiederverwertet werden. Was nicht mehr gebraucht wird, kann verbrannt werden. Dabei wird der beim Wachstum der Bäume gespeicherte Kohlenstoff wieder frei und der CO2-Kreislauf schließt
    sich.

Holzbauoffensive des Landes Oberösterreich

Auch wenn bei Öffentlichen Bauten der Holzbauanteil, wie eingangs erwähnt, in den vergangenen 20 Jahren stark gestiegen ist, gibt es nachwievor viel Luft nach oben. Das Land Oberösterreich hat daher eine Holzbauoffensive gestartet – nicht zuletzt auch aufgrund des Klimawandels. „Wir setzen hier bereits in vielen Bereichen effektive Maßnahmen. Als einer der größten Bau-Auftraggeber wollen wir auch den Holzanteil bei öffentlichen Bauten weiter steigern. So können wir unseren ökologischen Fußabdruck  weiter auf das notwendige Maß reduzieren“, betonte Landeshauptmann Thomas Stelzer. 

Unterstützt und begrüßt wird die Holzbauinitiative aus dem Agrarresort des Landes. „Bauen mit Holz ist aktiver Klimaschutz und vermindert unnötige Transportkilometer. Aufgrund der Borkenkäfer-Problematik wäre ein verstärkter Bauholz-Absatz auch ein wichtiges Signal an die Waldbauern. Das öffentliche Bauwesen kann stark dazu beitragen, die Nachfrage nach Holz zu steigern und den Holzmarkt zu entlasten. Nicht zuletzt sichert der Holzbau auch viele Arbeitsplätze im Land – entlang der Wertschöpfungskette Holz beziehen in Oberösterreich etwa 70.000 Menschen ein Einkommen. Es muss nun Bewusstsein dafür geschaffen werden, dass sich viele Projekte auch in Holzbauweise realisieren lassen“, so Agrarlandesrat Max Hiegelsberger.

Laut ProHolz-Obmann Starhemberg befinden sich öffentliche Bauherren oft im Spannungsfeld zwischen Kosteneffizienz und Nachhaltigkeit:
„Der Holzbau vereint beide Ansprüche. Er fügt sich harmonisch in das Ortsbild ein und prägt zum Teil schon über Jahrhunderte das Erscheinungsbild vieler Gemeinden.“

Bildquellen

  • Holz: stock.adobe.com – megakunstfoto