Kaffee aus der Region

Eine tägliche Dosis Koffein, das muss nicht sein. Auch nicht der „Arabica“ aus Übersee. Die heimische Natur bietet gesunde und leckere Alternativen.

Immer dann, wenn der Wecker zu früh läutet, ein anstrengender Tag bevorsteht, das Essen zu deftig war oder aber die Konzentration flöten geht, ist es für viele Zeit für eine
Tasse Kaffee. 145 Liter des schwarzen Muntermachers trinkt der Durchschnitts-
österreicher pro Jahr. Damit ist Kaffee das Lieblingsgetränk der Nation – noch vor Wasser und Bier. Unumstritten ist das In-Getränk aber nicht. Immer wieder werden Bedenken hinsichtlich seiner gesundheitlichen Wirkung geäußert. Auch der Anbau und dessen ethische und ökologische Auswirkungen geraten immer häufiger ins Kreuzfeuer der Kritik. Stellt sich die Frage: zu Recht? Und wenn ja, gibt es Alternativen?

In Maßen genießen

Die gute Nachricht zuerst: In Maßen genossen ist Kaffee absolut unbedenklich. Nichtsdestotrotz kann es nicht schaden, ab und zu auf eine koffeinfreie, regionale Alternative zurückzugreifen. Denn bei regelmäßigem Genuss von Kaffee tritt rasch ein Gewöhnungseffekt ein. Um dieselbe stimulierende Wirkung zu erzielen, müssen Gewohnheitstrinker daher immer mehr Koffein aufnehmen. Wer jedoch regelmäßige Pausen einlegt, kann weiterhin die positiven Effekte des Koffeins nutzen. Maßvolles Genießen tut aber nicht nur dem Körper, sondern auch der Umwelt gut. 

Denn neben langen Transportwegen werden für den professionellen Kaffeeanbau in Reinkultur auch Wälder gerodet. Ein Vorgehen, dass in Österreich verboten ist. Daraus resultiert nämlich un­ter anderem eine verstärkte Bodenerosion. Sorgen bereitet den Kaffeebauern und Plantagenarbeitern aber nicht nur der Bodenabtrag, sondern auch die schlechte Entlohnung. Immer noch erhalten sie lediglich einen Bruchteil (fünf bis acht Prozent) des Verkaufspreises. 

Wenig Lust, am Kaffeebecher zu nuckeln, macht auch dessen CO2-Bilanz. Bis zu 125 Gramm entfallen auf eine Tasse. Zum Vergleich: Fünf Stück Kartoffeln oder sechs Äpfel erzeugen die gleiche Menge.

Regionale Alternativen

„Kaffeemittel“ – unter diesen Begriff summiert das österreichische Lebensmittelhandbuch alternative Kaffeeprodukte. Umgangssprachlich werden die Kaffeesurrogate aus Getreide, Leguminosen, Nüssen oder Wurzeln auch als „Muckefuck“ (von mocca faux), bezeichnet. Wichtigstes Charakteristikum des „falschen Kaffees“: Er wird nicht aus Kaffeebohnen erzeugt und ist als solches koffeinfrei. Aufgrund dieser Eigenschaft ist er auch für Kinder, Schwangere sowie all jene mit empfindlichem Magen geeignet.

„Eine Tasse Dinkelkaffee ist Genuss mit gutem Gewissen und eine hervorragende Alternative, wenn man den Konsum von Bohnenkaffee reduzieren möchte“, erklärt auch Johann Zauner. Seit 2009 erzeugt der Innviertler Landwirt gemeinsam mit Frau Gisela Kaffee unter der Marke „Rösterreich“. Ausgangsprodukt hierfür ist der am Handenberger Betrieb geerntete Dinkel. „Dieser wird in einem Trommelröster über offenem Birkenholzfeuer bei circa 160 Grad Celsius eine Stunde schonend geröstet. Dabei zieht der Rauch durch den Dinkel und verleiht ihm ein kräftiges Aroma“, erklärt Zauner. Das noch heiße Korn kommt anschließend zum Abkühlen in einen Behälter, wird vermahlen und abgepackt. 

Geröstet und gemahlen werden auch andere im Handel erhältliche Surrogate. Jedoch gibt es kleine, feine Unterschiede. Bei der Herstellung von Malzkaffee etwa, werden die Gerstenkörner vorgekeimt. Für die Herstellung von Zichorienkaffee dagegen müssen deren Wurzeln vorab in kleine Stücke geschnitten und getrocknet werden. Ident verfahren wird bei der Herstellung von Löwenzahnkaffee. Letzterer lässt sich ebenso wie im Backofen getrocknete Kastanien oder Eicheln auch in Privathaushalten prima zu Kaffeepulver verarbeiten. Summa summarum zeigt sich wieder einmal, die Natur bietet eine enorme Vielfalt, die nur darauf wartet entdeckt zu werden.

Hier geht es zum Rezept für Löwenzahnkaffee.

Bildquellen

  • Eichelkaffee: Mariya Sorvacheva – stock.adobe.com